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Alkohol

18.01.2019

Friedberg genehmigt Schnapsausschank im Fasching

Bei der Tiefgaragenparty am Faschingsdienstag schenkt der Jugendclub Longdrinks und Cocktails aus.
Bild: Heike Scherer (Symbolbild)

Jugendclub darf bei der Tiefgaragenparty eine Cocktailbar betreiben. Warum eine Mehrheit trotz der Expertenwarnung darin kein Problem sieht.

Der Friedberger Jugendclub darf bei der Tiefgaragenparty am Faschingsdienstag Schnaps ausschenken. Der Stadtrat genehmigte mit großer Mehrheit das Konzept für eine Cocktailbar in einem abgetrennten Bereich, zu dem Minderjährige keinen Zutritt haben. Dagegen stimmten neben den Grünen auch Parteifreie Bürger und Teile der SPD.

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Wie berichtet, hatte die Stadt den Verkauf und Konsum von branntweinhaltigen Getränken in der Öffentlichkeit verboten, nachdem die Party am Faschingsdienstag 2012 völlig aus dem Ruder gelaufen war. Erlaubt war nur noch der Ausschank von Bier, Wein und Sekt. In der Folge waren beim Jugendclub die Einnahmen aus dieser Veranstaltung völlig eingebrochen. Trotz des tagelangen Einsatzes der Mitglieder blieben nur wenige hundert Euro in der Kasse übrig. Der Jugendclub trat darum zuletzt nicht mehr als Veranstalter auf, sondern nur noch als Organisator der Party. Von der Stadt bekam er dafür einen Zuschuss von 1500 Euro.

Hochprozentiges nur für volljährige Besucher

Unter der neuen Vorstandschaft will der Verein nun wieder mehr Verantwortung übernehmen. Gekoppelt ist diese Bereitschaft aber an den Wunsch, auch Longdrinks und Cocktails auszuschenken, um die Einnahmesituation zu verbessern. In den Genuss der branntweinhaltigen Getränke sollen aber nur volljährige Besucher kommen. Farblich verschiedene Stempelmarkierungen und Einlasskontrollen sollen dies sicherstellen. Geöffnet werden soll die Bar erst ab 19 Uhr, wenn der Familienfasching quasi beendet ist, hieß es in der Sitzung. Skeptisch stehen diesem Vorschlag Fachleute aus Jugendarbeit, Sicherheitsbehörden und Drogenberatung gegenüber. Sie raten, das Konzept eines Familienfaschings beizubehalten.

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„Man kann darüber geteilter Meinung sein. Wir sollten uns aber auf die Seite der Jugendlichen stellen die Verantwortung übernehmen und sich einbringen wollen“, warb Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) um Zustimmung. Es werde kein reiner Schnaps ausgeschenkt, sondern nur Cocktails mit maximal 13 Volumenprozent Alkohol. Aus seiner Sicht ist das nicht anders als ein Glas Wein oder Sekt. Wenn es nicht klappe, werde man aber wieder zur alten Regelung zurückkehren, stellte er klar.

Ein Vertrauensvorschuss

Auch CSU-Fraktionschef Thomas Kleist hob die Bereitschaft des Jugendclubs zum Engagement hervor. „Das schätzen wir positiv ein“, sagte er. Die neuen Organisatoren hätten sich einen Vertrauensvorschuss verdient. Er äußerte sich zuversichtlich, dass es keine großen Probleme geben werde. Das sah auch sein Kollege von der SPD, Roland Fuchs, so. Er sei uneingeschränkt dafür, dem Jugendclub das Vertrauen zu schenken, sagte er. Allerdings gingen in seiner Fraktion die Meinungen auseinander. „Eine Gewinnsteigerung durch den Ausschank von hartem Alkohol ist nicht das, was ich haben möchte“, sagte 3. Bürgermeisterin Martha Reißner. Franz Reißner (SPD) sprach von einer „ausdrücklichen Genehmigung der Stadt zum Rausch“.

Marion Brülls (Grüne) kritisierte, dass die Meinung der Experten ignoriert und in den Wind geschlagen werde. „Braucht man unbedingt Schnaps, um ein Fest feiern zu können?“, fragte ihre Fraktionskollegin Claudia Eser-Schuberth. Das bisherige Konzept sei wohlüberlegt gewesen. Wenn der Jugendclub tatsächlich Einnahmeausfälle habe, könne die Stadt noch etwas drauflegen. Dafür sprach sich auch Elisabeth Micheler-Jones (Parteifreie Bürger) aus. „Es ist gut, dass der Jugendclub Verantwortung übernimmt. Aber nicht so“, sagte sie. Lieber solle die Stadt den Zuschuss erhöhen.

Zwei Herzen in einer Brust

Simone Losinger (CSU) bedauerte, dass die Diskussion nur auf das Thema Schnaps heruntergebrochen werde. Keinen Regelungsbedarf sahen die Freien Wähler. „Welcher Jugendliche kommt nicht an harten Alkohol, wenn er das will?“, fragte Johannes Hatzold. Wenn es nicht klappe, sei die Tiefgaragenparty aber gestorben, warnte er. Cornelia Böhm (FDP) betonte die Eigenverantwortung des Jugendclubs. Hubert Nießner (ÖDP) bekannte, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen. Angesichts der räumlichen und zeitlichen Trennung stimmte er der Cocktailbar aber zu.

Lesen Sie, was eine Expertin vom Präventionsprojekt der Caritas zu diesem Thema sagt Schnaps bei der Tiefgaragenparty - geht das?

Mit der Tiefgaragenparty beschäftigt sich auch unser Kommentar Jugendarbeit in Friedberg: Brot und Spiele

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