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Benefizaktion

04.10.2016

Friedberger Brillen reisen 8000 Kilometer

Shades-of-Love-Gründer Jürgen Altmann und Simone Flor vom Optik-Geschäft Augensache zeigen ein Foto einer Frau aus der indischen Himalaja-Region Ladakh, die eine Sonnenbrille trägt.
Bild: Sebastian Mayr

Ein Optiker aus Friedberg unterstützt ein Hilfsprojekt. Gründer Jürgen Altmann berichtet von seinen Reisen ins Himalaja. Wie die Menschen dort reagieren.

Einmal, als das Geschäft während des Altstadtfests geschlossen war, hing eine Plastiktüte an der Tür des Friedberger Optiker-Fachgeschäfts „Augensache“ von Simone Flor. Die Tüte war voll mit Sonnenbrillen. An anderen Tagen kommen Kunden und bringen Sonnenbrillen vorbei, oft Markenprodukte und häufig mehrere auf einmal. Die Brillen wird Jürgen Altmann 8000 Kilometer weit nach Osten bringen – wenn sie ein paar Tests bestehen.

Altmann, der eine Kaffeebar im Münchner Glockenbachviertel betreibt, kann eine Frage beantworten, die Flor und ihr Mann Pietro Bellanova oft hören. Was passiert eigentlich mit den Sonnenbrillen? Seit Flor und Bellanova vom Hilfsprojekt „Shades of Love“ erfahren haben, sammeln sie alte Sonnenbrillen ihrer Kunden. Diese sollen Menschen im Himalaja vor Augenerkrankungen schützen. Dort ist die Ozonschicht niedrig und die Gefahren für die Augen sind groß.

Altmann schwärmt von Land und Leuten

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Jürgen Altmann ist der Mann, der die Brillen nach Nepal bringt. Er hat das Projekt vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Seitdem reist Altmann etwa einmal im Jahr nach Nepal oder in die nordindische Region Ladakh. Altmann, grauer Dreitagebart, verschmitztes Lächeln, fährt dann mit einem Motorrad durch die Berge und besucht Dörfer und Nomadenlager. Die letzte Reise musste Altmann absagen, weil er sich beim Mountain-Bike-Fahren das Schlüsselbein gebrochen hatte. Die Brillen bleiben deshalb nicht im Lager. Altmann steht in Kontakt zu Flugbegleitern, die ihr Freigepäck mit den Brillen auffüllen und diese in der indischen Stadt Delhi abgeben.

Altmann schwärmt von Land und Leuten. Beim Motorradfahren im Himalaja genießt er das Freiheitsgefühl, die Menschen schätzt er für ihre Gastfreundschaft. Bei einem Besuch sei er von jeder Nomadenfamilie eines Volks zum Essen eingeladen worden. „Mir war danach so schlecht“, berichtet er lachend.

12.000 Brillen in den Himalaja gebracht

Nur die Besuche in den Dörfern genügen Altmann nicht. Er unterstützt ein Augencamp in Ladakh, das einmal jährlich stattfindet. Rund 5000 Augenpaare im Jahr werden dort untersucht, etwa 300 Menschen werden operiert – die meisten wegen Grauen Stars. Auch dort verteilt Altmann Brillen und leistet Aufklärungsarbeit. „Ich will nicht nur einer von denen sein, die Brillen verschenken“, erklärt Altmann. Er träumt davon, alle Menschen im Himalaja mit Sonnenbrillen zu versorgen, und hat schon das nächste hohe Gebirge im Visier: die Anden in Südamerika.

An die 12000 Sonnenbrillen haben Jürgen Altmann und seine Helfer bereits in den Himalaja gebracht, noch einmal so viele liegen im Lager in Deutschland bereit. Jede einzelne Brille wird geprüft, ob sie gegen UV-Strahlen schützt, bevor sie die weite Reise antritt. Für die Sonnenbrillen hat sich Jürgen Altmann schon ein Gespür angeeignet. „Ich habe mittlerweile ein gutes Gefühl, welche Brille passt“, sagt er. Manche der Menschen in den Bergen scheuten oder genierten sich mit dem ungewohnten Augenschutz. Andere seien eitel und hätten genaue Wünsche, welche Brille sie anziehen wollen.

Etwa 700 der Sonnenbrillen stammen aus Friedberg. Simone Flor und Pietro Bellanova sammeln sie in großen Umzugskisten. „Wir wollen Jürgen weiterhin helfen, seine Ziele zu erreichen“, sagt Bellanova. Simone Flor und er wollen deshalb weiter Sonnenbrillen sammeln. Die beiden würde es auch reizen, selbst einmal in den Himalaja zu reisen. Das aber sei wegen der Kinder zumindest momentan einfach nicht möglich.

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