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Versorgung in Friedberg

18.01.2019

Geburtshilfe: Belegärzte erhöhen den Druck

Ohne Versicherung dürfen Mediziner und auch Hebammen keine Geburtshilfe leisten.

Plus Montag entscheidet der Werkausschuss, ob im Haushalt 210000 Euro zur Unterstützung der Mediziner eingestellt werden. Doch auch wenn das Gremium zustimmt: Sicher ist nicht, dass die Ärzte das Geld bekommen.

Noch Ende November hatten die drei Belegärzte der Friedberger Entbindungsstation im Gespräch mit unserer Zeitung versichert: Wir machen weiter. Wollen tun das die drei Mediziner Dr. Radu Rizea, Klaus Wiegand und Boris Kargol immer noch. Das Problem: Die Kosten für die Haftpflichtversicherung sind zum Jahresbeginn noch einmal um 1000 Euro erhöht worden. „Wenn das so weiter geht, kann ich mir das Entbinden nicht mehr leisten“, sagt Kargol. Die nächste Prämie wird Anfang März fällig – und er wird sie nach eigener Aussage nicht mehr zahlen können. Ohne Versicherung dürfen Mediziner und auch Hebammen keine Geburtshilfe leisten.

Heute entscheidet der Werkausschuss, ob er in den Haushalt 2019 210000 Euro für Zuschüsse zur Haftpflichtversicherung für die Belegärzte in den Geburtshilfestationen in Aichach und Friedberg einstellt. Bereits Anfang November hatte das Gremium beschlossen, bis zu 60 Prozent der Kosten für die Versicherung zu übernehmen, maximal jedoch 30000 Euro pro Arzt. Wiegand findet es nur fair, dass sich der Träger der Kliniken an der Paar beteiligt. „Unsere Beiträge für die Haftpflicht sind eigentlich ein Geschenk an den Landkreis“, sagt der Arzt.

Gynäkologe in Friedberg zahlt mehr Versicherung als Steuern

Rund 46000 Euro zahlt Kargol als selbstständiger Gynäkologen, der in der Geburtshilfe tätig ist, jährlich an eine Berufshaftpflichtversicherung. Die Police bieten nur sehr wenige Versicherer überhaupt an. „Die greifen die Preise aus der Luft“, sagt Kargol. Der Arzt rechnet vor: „Ich zahle weniger Steuern als Geld für die Versicherungsprämien.“

Sollte der Werkausschuss heute positiv über die Haushaltsmittel entscheiden, heißt das nicht, dass den Medizinern sofort Geld überwiesen wird. Denn die Maßnahme ist rechtlich umstritten. Möglicherweise verstößt die finanzielle Unterstützung an die Belegärzte gegen das Antikorruptionsgesetz. Ein Gutachten, das die Klinken an der Paar gemeinsam mit den Wertachkliniken in Auftrag gegeben haben, kam Anfang Dezember zu dem Ergebnis, dass die Übernahme der Versicherungsprämie rechtlich nicht zulässig ist. Momentan wartet der Landkreis auf eine rechtliche Einschätzung der zuständigen Staatsministerien Gesundheit und Justiz. Landkreissprecher Wolfgang Müller betont: „Unzufriedenheit mit der Situation herrscht nicht nur bei den Belegärzten, sondern momentan auf allen Seiten.“

Auf Anfrage unserer Zeitung wälzt das Gesundheitsministerium die Verantwortung auf den Bund ab. Leider habe sich der bislang nicht zu einer gesetzlichen Regelung in dieser Klarheit bereitgefunden, so ein Sprecher. Deswegen könne die Übernahme von Haftpflichtversicherungsprämien oder andere finanzielle Anreize zur Personalbindung nicht für jeden Einzelfall als unbedenklich bezeichnet werden, heißt es weiter. Dem Gesundheitsministerium zufolge hat Huml in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darum gebeten, für eine gesetzliche Klarstellung zu sorgen.

Könnte eine Angliederung an die Uniklinik die Geburtsstationen retten?

Als im Herbst die Geburtsstation in Aichach vorläufig schließen musste, hatten Landkreis und Klinikleitung eine Kooperation mit dem neuen Uniklinikum Augsburg als Lösung ins Spiel gebracht. Die Idee dahinter: Die Klinik soll den Kreißsaal in Friedberg als Hauptabteilung betreiben. Die Geburtshilfe Aichach könnte an die Station als Außenstelle angegliedert werden. Bisher konnte dem Geschäftsführer der Kliniken an der Paar Krzysztof Kazmirczak zufolge jedoch noch keine konkrete Abstimmung erfolgen. Grund dafür sei der Trägerwechsel im Uniklinikum, mit dem sich auch die Krankenhausleitung personell und organisatorisch ändert.

In einer neuen Hauptabteilung als fest angestellte Ärzte zu arbeiten, können sich übrigens Wiegand und Kargol beide nicht vorstellen. „Wir müssen ja weiter unsere Praxen betreiben“, sagt Wiegand. Das sieht auch Kargol so: Er hat viel Geld in seine Frauenarztpraxis in Augsburg gesteckt. Für einen Vollzeitjob am Friedberger Krankenhaus würde er die nicht aufgeben. Kargol und Wiegand sind vom Belegarztsystem überzeugt – obwohl sie glauben, dass das Konzept keine Zukunft hat. Es sei politisch gewollt, dass die großen Krankenhäuser immer größer werden und die kleinen nach und nach schließen. In Sachen Hauptabteilung sehen die beiden Ärzte noch ein weiteres Problem: Sie sind skeptisch, dass der Landkreis überhaupt ausreichend Personal für die Station anwerben kann.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Geburtshilfe: Für jeden kleinen Sieg kämpfen

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