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12.07.2010

Hochkaräter im Doppelpack abgeurteilt

Stadtpfarrer Markus Hau war bei seiner Verhaftung der Schrecken ins Gesicht geschrieben.
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Stadtpfarrer Markus Hau war bei seiner Verhaftung der Schrecken ins Gesicht geschrieben.

Friedberg Es war die bislang hochkarätigste Aburteilung aller Altstadtfeste. Die Stadtwache hatte schon Stadtpfarrer Markus Hau auf dem Schandkarren und schnappte sich noch auf die Schnelle Bürgermeister Dr. Peter Bergmair.

Von Andreas Schmidt und Peter Kleist

Zuvor hatten vor allem Frauen der Pfarrei Widerstand bei der Verhaftung von Pfarrer Hau geleistet. Doch auch die Sprechchöre "Hau, hau ruck, gebt's ihn z'ruck" nützten nichts. Angeklagt wurde der aus dem Rheinland stammende Stadtpfarrer als bekennender Karnevals-Liebhaber. Er sei dafür verantwortlich, dass vor der Fastenzeit wunderliche Klänge im Pfarrzentrum zu hören sind. Dazu hülle er sich in seltsame Kleider. Und es gebe dort geistige Getränke. Dies hätte Ankläger Reinhold Korper zwar noch durchgehen lassen. Aber nicht, dass die Stadtwache nicht dazu eingeladen worden war. Pfarrer Hau konterte, dass er die Stadtwächter gerne eingeladen hätte wie seine anderen Schäflein, die er aus der Kirche kennt. Die "Böcke" der Stadtwache habe er aber dort noch nicht gesehen. Noch bei der Bäckertaufe nahm sich Pater Hau vor, die Blauen zu bekehren. "Beköstigen wäre uns lieber", konterte Korper. Auch der Hinweis des Stadtpfarrers auf die läutenden Glocken ("Sogar der Himmel zürnt!") nützte nichts. Er wurde ziemlich nass.

Auch bei Bürgermeister Dr. Peter Bergmair nützte die zähe Gegenwehr des fahrenden Volkes nichts. Egal wie die Klage lautet, er sei auf alle Fälle schuld, warf ihm Ankläger Korper vor. Dies hätten ihm die Mitglieder des Rates im Vorfeld mitgeteilt. Da konnte Bergmair noch so oft "Justizirrtum" schreien. Etwas Konkretes hielt die Wache dem Bürgermeister aber auch noch vor: Er plane zusammen mit seinen Stadtrats-Spießgesellen in Friedberg einen "Turmbau zu Babel". Erstaunlicherweise hatten die Blauuniformierten am Ende gegen eine Aufstockung um zwei weitere Geschosse nichts einzuwenden, nachdem der Bürgermeister den "Unbestechlichen" etwas versprochen hatte.

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Markus Lorenz Auf ein erstaunliches Sündenregister brachte es der Wirt der Handwerkerschänke - wenn man der Stadtwache Glauben schenken durfte. "Er teilt alles mit seinen Angestellten, wie er sagt - wir sagen Leibeigene. Er behält das Geld, und ihnen lässt er die Arbeit", so die harten Worte von Ankläger Reinhold Korper. Zudem habe er nie volle Krüge ausgeschenkt und der Wache nur "Tröpfelbier" angeboten. Kein Wunder, dass sie ihn hart anpackten, schon am Pranger mit Wasser und Birkenzweigen quälten und schließlich heftigst in der Bäckertaufe versenkten. Es dauerte, bis sich der Delinquent dazu durchringen konnte, seine Sünden einzugestehen - am Ende musste er versprechen, seine Krüge in Zukunft vollends zu füllen und natürlich auch Freibier ausgeben.

Sebastian Frisch Dieser Angeklagte ist für die Stadtwache kein richtiger Pferdezüchter. Denn bei ihm habe es statt für richtige bayerische Gäule nur für filigrane Tierchen gereicht, die er Isländer nennt. Ankläger Korper vermutet, dass es daran liegt, dass Frisch mit dem Futter geizt. So verschaffte die Stadtwache dem Gestütsleiter bei der Bäckertaufe einen besseren Überblick, als er ihn von seinen Islandpferden aus hat. Das Bad im Bottich war Frisch dann an dem heißen Sonntagabend gar nicht so unrecht. Entlassen wurde er mit dem Versprechen, die Stadtwache als berittene Truppe auszustatten.

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