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Friedberg

28.06.2020

Hoffnung für Familien: Friedberg zaubert Kita-Standorte aus dem Hut

In Friedberg fehlen 70 Kindergartenplätze.
Bild: Benjamin Schwärzler/Symbolfoto

Plus Im September sind trotz aller Bemühungen 70 Kinder in Friedberg unversorgt. Nun hat die Stadt zwei Grundstücke in Friedberg und Wulfertshausen ins Auge gefasst.

Der Mangel an Kindergartenplätzen, vor allem für Ein- bis Dreijährige, wird in Friedberg ein Dauerbrenner bleiben. Das kristallisierte sich in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend heraus. Noch immer sind 69 Kinder zum September ohne Platz. Vor einigen Wochen hatte die Zahl sogar eei über 90 gelegen, doch hat man mit einigen Familien Lösungen gefunden, bzw. diese betreuen die Kinder weiter selber.

Stadtverwaltung und Politik wollen nun in einem gemeinsamen Kraftakt dafür sorgen, Schritt für Schritt von einem eklatanten Minus zur Vollversorgung zu gelangen. Doch der zuständige Referent Wolfgang Schuß warnte: „Wir arbeiten mit Nachdruck daran, aber es ist nicht einfach.“

Der Stadtrat gab Schuß und seinem Team Rückendeckung, indem er einstimmig zustimmte, Pläne für zwei weitere Kita-Standorte weiterzuverfolgen. Das eine Grundstück befindet sich südlich der Bebauung an der Afrastraße – eine Idee der neuen CSU-Stadträtin Petra Gerber, wie Ulrike Sasse-Feile ( SPD) lobend erwähnte. Ein guter Standort, da waren sich alle einig, denn er erschließt das Neubaugebiet sowie Friedberg-St.Afra und ist verkehrstechnisch gut angebunden.

Manko: Die Fläche ist in Privatbesitz. Und selbst wenn der Eigentümer verkaufte, würde dort erst Baurecht geschaffen werden müssen. Wenn alles gut ginge, könnten dort fünf Gruppen untergebracht werden – wenn auch erst in einigen Jahren.

Kindergarten-Pläne für Wulfertshausen und Rinnenthal

Das zweite Grundstück liegt westlich des Wulfertshauser Kinderhauses. Es gehört der Kirche. Auch hier könnte ein Erweiterungsbau mit bis zu fünf Gruppen entstehen, welcher dann die nördlichen Stadtteile entlasten würde.

In Rinnenthal ist ohnehin ein Ersatzbau für die Kita geplant. Die Bauarbeiten an der Griesbachstraße sollen wegen des Notstandes unverzüglich beginnen. Dafür macht der Stadtrat sogar eine Ausnahme von der gerade beschlossenen Haushaltssperre. Das Kinderhaus ist eigentlich zweigruppig gedacht, doch ist eine Erweiterung auf drei Gruppen möglich.

 

Auch die veraltete Einrichtung St. Laurentius soll zu neuen Ehren kommen. Sie soll weiter in Betrieb bleiben, allerdings ein- statt zweigruppig, da sie sonst modernen Ansprüchen an Kinderbetreuung nicht genügen würde.

Wie berichtet, hatte der Stadtrat kürzlich beschlossen, einen Neubau neben dem Edeka-Markt an der Bozener Straße und einen Anbau an die Kita Maria Alber in Friedberg-West voranzutreiben. Als Akutmaßnahme sollen außerdem an der Pater-Franz-Reinisch-Straße nahe Herrgottsruh weitere Container aufgestellt werden.

All diese Maßnahmen werden die Stadt sehr viel Geld kosten – grob veranschlagt einen zweistelligen Millionenbetrag. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) sprach von Dimensionen ähnlich wie bei der Schlosssanierung. Daher soll der Jahresüberschuss von 2019 in Höhe von 6,9 Millionen Euro in eine Kita-Sonderrücklage umgewandelt werden. Außerdem hoffen die Verantwortlichen, dass die staatliche Förderung für Neubauten erhöht werde. Entsprechende Signale gab es bereits im Rahmen der Verabschiedung des Konjunkturpakets.

Bekommt Friedberg noch einen Waldkindergarten?

Die Stadträte hoffen außerdem darauf, dass sich weitere Träger melden, etwa Eltern-Kind-Initiativen ähnlich der bestehenden Villa Kunterbunt oder für einen zweiten Waldkindergarten, wie ihn Hubert Nießner (ÖDP) ins Gespräch brachte. Probleme wird es voraussichtlich außerdem wegen des deutschlandweiten Personalmangels in der Kinderbetreuung geben sowie wegen der laufenden Kosten, die bereits jetzt bei zehn Millionen Euro im Jahr liegen.

Von einer „Herkulesaufgabe“ sprach deshalb CSU-Fraktionschef Thomas Kleist. Trotzdem waren sich alle Räte einig, dass dieses Thema Vorrang haben müsse. Denn, wie Claudia Eser-Schuberth (Grüne) es ausdrückte: „Für manche Friedberger Familien ist die Kinderbetreuung eine existenzielle Frage.“ Abgesehen davon besteht ein gesetzliches Recht auf einen Betreuungsplatz.

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