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Kissing

20.02.2017

Hotelkomplex auf belastetem Boden

Am Robinenweg in Kissing sollen zwischen B2 und Bürgermeister-Wohlmuth-Straße ein Hotel und ein Fliesengeschäft entstehen. Doch der Boden ist verunreinigt.
Bild: Philipp Schröders

Auf dem Grundstück am Kissinger Ortseingang soll auch ein großes Fliesengeschäft gebaut werden. Doch früher befand sich hier eine Kläranlage. Was die Gemeinde nun vorhat.

Wer ein Hotel sucht, soll in Zukunft direkt am Ortseingang von Kissing fündig werden. Das sieht der Plan eines Handwerksbetriebs vor. Auch ein großes Fliesengeschäft soll auf dem Areal beim Kreisverkehr zwischen B2 und Bürgermeister-Wohlmuth-Straße entstehen. Das Projekt ist vom Gemeinderat bereits abgesegnet. Jedoch gibt es ein Problem. Der Untergrund ist teilweise verunreinigt. Nördlich der Tankstelle und des Robinienwegs befinden sich auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern Altlasten im Boden.

Diplomgeologe Christian Schön erklärte im Bauausschuss die Lage. Auf dem Gelände befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine provisorische Kläranlage, in die die Abwässer aus dem stetig wachsenden Neu-Kissing hineingeleitet wurden. „Im Grunde eine große Grube im Kies“, sagte Schön. Später wurde sie wieder zugeschüttet. Schon beim Bau der Bürgermeister-Wohlmuth-Straße vor mehr als 15 Jahren stießen die Experten auf die Hinterlassenschaften. Laut Schön wurde der Robinienweg deshalb weiter südlich eingerichtet als ursprünglich geplant.

Der Geologe sagte, dass damals keine Hinweise auf Klärschlamm gefunden worden sind. Der sei wohl rausgeholt worden, bevor die Grube zugeschüttet wurde. „Rein bodenschutzrechtlich ist keine Sanierung erforderlich“, erklärte Schön. Aber in den verschiedenen Schichten sind Teerbrocken und teilweise Betonstücke gefunden worden. Schön sprach insgesamt von einer Tiefe von über drei Metern, die unterschiedlich belastet sei. Das Problem: Sobald die Erde aus dem Boden geholt wird, muss sie untersucht und entsprechend entsorgt werden. Das kann unter Umständen für den künftigen Investor teuer werden. Der Plan des Handwerkbetriebes sieht über dem belasteten Gebiet einen Parkplatz vor, aber auch der südliche Teil des Fliesengeschäfts wäre betroffen.

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Der Geologe empfahl, den Oberboden, eine Schicht von etwa 30 Zentimetern, komplett rauszuholen und untersuchen zu lassen. Dafür rechnet er mit Ausgaben von etwa 36.000 Euro für die Gemeinde. Alles zu entfernen, also inklusive Untergrund, koste etwa das Sechsfache.

Franz-Xaver Sedlmeyr (CSU) fragte Schön, wie groß die Gefahr sei, dass noch mehr zutage komme. Der Geologe erklärte, dass das Gebiet in zwei Richtungen untersucht worden sei. „Wir haben es zu 90 Prozent im Griff“, sagte er.

Baumamtsleiter Alfred Schatz sprach sich dafür aus, dass Problem mit den Altlasten anzugreifen. „Aus der Nummer kommen wir nicht raus.“ Kissings Bürgermeister Manfred Wolf sprach von einer „unerfreulichen Nachricht“. Er betonte aber auch, dass es in Kissing bei Bauvorhaben immer wieder Altlasten auftauchen. „Das hat fast jeder Ort in Deutschland, dass da irgendwo alte Schuttgruben sind.“

Petra Pfeiffer (SPD) gab zu bedenken: „Wenn wir die 30 Zentimeter abtragen und es muss doch noch mehr mit, kommen auf die Gemeinde Hunderttausende Euro Kosten zu.“ Bauamtsleiter Schatz warnte jedoch, dass das Landratsamt die Altlasten verschärft im Blick habe und sich immer weiter in Richtung Süden des Landkreises vorarbeite. „Wir müssen uns jetzt mit dem Thema beschäftigen. Ziel wird es sein, dass man das Altlastenkataster abarbeitet.“

Sedlmeyr sagte, dass es im Sinne der Gemeinde sei, den Boden zu untersuchen. Selbst wenn das Hotel nicht verwirklicht werden sollte, würde ein neuer Investor das Grundstück auch nur unter Vorbehalt erwerben. „Da müssen wir jetzt mal in Vorleistung gehen und schauen, was da raus kommt.“ Am Ende entschied der Bauausschuss einstimmig, die oberste Schicht des belasteten Bereichs abtragen zu lassen.

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