Kunst und Kultur

26.11.2019

„Hund sans scho“

Hans Scheitzenhammer las unter anderem die Moritat „Herzmannski, der Getreue“ vom Heimatdichter Ludwig Ganghofer.
Bild: Christine Hornischer

Der ehemalige Fachlehrer Hans Scheitzenhammer liest für die Senioren im Modehaus Hintermair

Die Kümmerin Claudia Bordon-Vieler führt eine liebenswerte Tradition weiter: „Kunst & Kultur von-mit-für Senioren“. Ob Ausstellungen im Rathaus oder Vorträge von Experten. Seit einem Jahr ist die Quartiersmanagerin in Ried aktiv und sorgt für frischen Wind. Auch die inzwischen sehr beliebten und gut besuchten Lesungen bei Mode Hintermair gehören dazu. Diesmal haben sich an die 20 Frauen und Männer im Wintergarten bei Barbara Hintermair versammelt. Auch Quartiersmanagerin Claudia Bordon-Vieler war begeistert, dass Babara Hintermair und ihre Angestellte zusätzliche Stühle aus dem Keller holen mussten. Der Abend, für den bayerische, humorvolle Kurzgeschichten und musikalische Begleitung angekündigt worden waren, hielt sein Versprechen.

Der ehemalige Fachlehrer Hans Scheitzenhammer, der Claudia Bordon-Vieler seit 15 Jahren vom Ehrenamt in Egenhofen kennt, machte aus dem Vorlesen bayerischer Kurzgeschichten ein Theaterspiel der besonderen Art. Nicht nur, dass er die verschiedenen Stimmen imitierte, er markierte auch treffenderweise die Übergänge zu den beiden Musikern Ernst und Walter (Steirische und Tenorhorn). „Ich lese halt gern“, kommentierte der 74-Jährige seine Lesekunst. Bei der Moritat „Herzmannski, der Getreue“ vom Heimatdichter Ludwig Ganghofer, gelang es ihm in trefflicher Weise, dem Förster Sterzenbacher und dessen Frau die passenden Stimmen zu verleihen. Hauptperson, besser gesagt, „Haupttierl“ war aber Herzmannski, der „seine Vasallentreue nahezu bis in den Tod bewahrte, obwohl er kein japanischer Feldherr war, sondern nur ein oberbayrischer Dackel, geboren im Berchtesgadener Land, am Fuße des Untersberges, im Forsthaus zu Bischofswiesen“.

Der wackere Dackel war schon sehr alt geworden und verlor alsbald „vollständig jene rühmenswerte Eigenschaft, die ein Terminus technicus der Dackelzüchterei als Stubenreinheit zu bezeichnen pflegt“. Die Försterleute entschieden: „Der Hund muss weg.“ Aber was die beiden auch versuchten, den treuen Vierbeiner von seinem Leiden zu erlösen – alles ging daneben. Und die Moral von der Geschicht’: Als Förster Sterzenbacher in der sinkenden Dunkelheit sein trautes Jägerheim erreichte, war Herzmannski schon lang zu Hause. „Und wenn Herzmannski, der Getreue, nicht inzwischen eines natürlichen Todes verblichen ist, so lebt er – zur namenlosen Freude der Försterin Sterzenbacher – noch heute!“

Eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt – das zeigte auch der lang anhaltende Applaus der Anwesenden. Auch die Geschichte eines Dackels, der nur auf bayerische Kommandos hört und hochdeutsche Anweisungen mit Nichtbeachtung befolgt, erntete wahre Lachsalven. Am Ende dieses Abends waren sich alle einig: „Hund sans scho, die Bayern.“

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