Newsticker

Urlauber aufgepasst: Auf Mallorca und Co. gilt ab Montag eine strenge Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Im ersten Jahr kamen 21.000 Besucher zu Veranstaltungen im Schloss

Friedberg

29.05.2020

Im ersten Jahr kamen 21.000 Besucher zu Veranstaltungen im Schloss

Eine Skulptur von Tobias Freude ziert das Schloss Friedberg anlässlich der Bayerischen Landesausstellung 2020.
Bild: Josef Brutscher

Plus Sein Schloss ist Friedberg lieb - und teuer: Das Defizit im Eröffnungsjahr liegt bei fast 1,3 Millionen Euro. Trotzdem hat der Stadtrat nur Lob – bis auf einen Punkt.

Über 21.000 Besucher kamen im Eröffnungsjahr 2019 zu den 154 Veranstaltungen im Friedberger Schloss – von der Familienfeier bis zum Open-Air-Konzert im Hof. 5000 davon waren zahlendes Publikum. Außerdem besuchten über 13.000 Menschen das Museum in den ersten acht Monaten nach seiner Eröffnung im Mai.

Kulturamtsleiter Frank Büschel und Schlossmanagerin Sonja Weinfurtner erhielten denn auch viel Lob vom Stadtrat bei ihrer Präsentation der Bilanz des ersten Jahres. Das Minus von 1,26 Millionen Euro fiel in der Diskussion kaum ins Gewicht. CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kleist drückte es so aus: „Das Defizit war klar – und es hat auch vorher eines gegeben.“

Der Verlust setzt sich zusammen aus 623.000 Euro für den Museums- und 633.000 Euro für den Veranstaltungsbetrieb. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zum Start hohe Einmalkosten anfielen, zum Beispiel 120.000 Euro für die Eröffnungsfeierlichkeiten. Man habe versucht, in dem „Probe-Betriebsjahr“ das Konzept der Beraterfirma Actori umzusetzen, für das sich der Stadtrat im Vorfeld entschieden hatte, so Büschel und Weinfurtner: Der Fokus lag auf dem Ausbau des städtischen Kulturprogramms einschließlich der Idee des „Bürgerschlosses“, hinzu kam das Vermietungsgeschäft.

Dementsprechend wurden 154 Veranstaltungen an 134 Tagen gezählt, davon 85 städtische, 50 private sowie 53 Trauungen. Erlaubt wären nach einer juristischen Vereinbarung mit den Nachbarn, die gegen das Projekt wegen Sorge vor Lärmbelästigung auf die Barrikaden gegangen waren, 190 Veranstaltungen an 160 Tagen.

Programm im Schloss: Ein bunter Strauß von Veranstaltungen

Hier wäre also noch Luft nach oben, vor allem bei den Vermietungen. Daraus wurden 35.000 Euro Einnahmen generiert – um einiges weniger, als das Actori-Gutachten prognostiziert hatte. Allerdings ist gegenzurechnen, dass für die Stadt trotz Gebühren von bis zu 1100 Euro für den Großen Saal bei Vermietungen draufzahlt, wenn tatsächlich alle städtischen Kosten einbezogen werden.

Weinfurtner erläuterte das Konzept für die 31 Veranstaltungen, die das Schlossmanagement selber auf die Beine gestellt hatte: „Unser Ziel war es, im ersten Jahr einen bunten Strauß kultureller Veranstaltungen zu bieten, von Konzerten über Lesungen bis zu Kabarett. Es war ein Versuch, was bei den Friedbergern gut oder weniger gut ankommt.“

Das Museum im Wittelsbacher Schloss ist auf rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in sieben Themenbereiche unterteilt. Besonders im Fokus stehen Friedbergs Rolle als Grenzstadt von Bayern bis 1806 sowie die Blütezeit des Uhrmacherhandwerks vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.
24 Bilder
Friedberg: Das neue Museum im Wittelsbacher Schloss
Bild: Tom Trilges

Man habe auch Neues wie einen Sonntagsbrunch ausprobiert und versucht, die Waage zwischen regionalen und überregional bekannten Künstlern zu halten. Startschwierigkeiten verhehlte sie nicht. So seien zu einigen Veranstaltungen weniger Menschen gekommen als erwartet, bei anderen wurde die Technik teurer als geplant. Die nächsten Monate möchte man nutzen, um das Programm nachzujustieren.

Personal im Friedberger Schloss ist an der Grenze

Ähnliches gilt für die Personalsituation. Der Stadtrat wird demnächst diskutieren, ob Weinfurtner eine Assistentin in Vollzeit zur Seite gestellt wird. Auch an einen dritten Hausmeister und/oder einen Veranstaltungstechniker ist gedacht. Grund ist die zeitaufwendige Vorbereitung und Begleitung von Veranstaltungen, oft abends oder an Wochenenden. „Das Personal war an seiner Grenze. So können wir das nicht weiterführen“, betonte Kulturamtsleiter Büschel.

Am 12. Mai öffnete das Museum im Wittelsbacher Schloss nach vier Jahren Schließung wieder seine Türen. Rund 900 Besucher wollten gleich am ersten Tag die Ausstellung besichtigen. Am Freitag zuvor hatte es bereits einen Festakt mit 250 geladenen Gästen gegeben.
75 Bilder
Erster Tag im neuen Friedberger Schlossmuseum
Bild: Tom Tilgres

Der Stadtrat hatte diese Aufstockung schon kommen sehen, daher stellt sich nur die Frage nach dem Umfang. Ansonsten gab es von allen Seiten Lob für das Schloss, das Bürgermeister Roland Eichmann ein „Juwel“ nannte. Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Eser-Schuberth, deren Partei lange Zeit Vorkämpfer für das Projekt gewesen war, sagte: „Wir sind begeistert.“

Mit ähnlichen Worten schlossen sich ihr Vertreter aller Gruppierungen an. Eser-Schuberth und Ulrike Sasse-Feile (SPD) mahnten jedoch einen Punkt an: Dem Thema Bürgerschloss müsse man mehr gerecht werden. Die Preise für gemeinnützige Friedberger Veranstaltungen seien weiterhin zu hoch, obwohl der Stadtrat sie bereits gesenkt hat.

Lesen Sie auch den Kommentar: Dieses Minus ist ein Gewinn

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren