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Immobilie in Friedberg

18.11.2018

Jetzt will der Stadtrat den Bahnhof kaufen

Die Situation um das renovierungsbedürftige Gebäude des Friedberger Bahnhofs ist vertrackt.
Bild: Gönül Frey

Plus Seit Jahren liegen der Eigentümer des Friedberger Bahnhofs und die Kommune im Streit. Damit etwas vorangeht, soll die Verwaltung dem Inhaber ein Angebot machen. Der ist ziemlich überrascht davon.

Die Stadtverwaltung soll mit dem Eigentümer des Friedberger Bahnhofs in Kaufverhandlungen treten. Das beschloss der Stadtrat auf einen gemeinsamen Antrag von SPD und CSU hin. Damit will das Gremium einen „Gordischen Knoten zerschlagen“, wie es SPD-Fraktionschef Roland Fuchs formulierte. In der Tat ist die Situation an dem Eingangstor zu Friedberg vertrackt. Viele sehen das Gebäude als Schandfleck. Selbst sein Inhaber Christian Gumpp gibt zu, er schäme sich dafür, wie es aussieht. Auch Verhandlungen, zum Beispiel öffentliche Toiletten darin unterzubringen, scheiterten. Der Grund liegt in einem langwierigen Streit zwischen Gumpp und der Stadt Friedberg, der jede Entwicklung lähmt.

Bei Regen läuft das Wasser in den Friedberger Bahnhof

Er wirft der Verwaltung vor, den Kanal falsch geplant zu haben. Er sei bei starkem Regen nicht in der Lage, das Wasser aufzunehmen, das daher den Bahnhof überschwemmt. Außerdem stehe der Keller ständig unter Wasser, das auch die Wände hochzieht. Die Schäden summieren sich laut Gumpp auf mehrere 100000 Euro. Mittlerweile hat er die Stadt verklagt. Diese will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Bürgermeister Roland Eichmann hatte vor einiger Zeit betont, das Problem an dieser Stelle sei das Oberflächenwasser, das über den Kanal, aber auch anderweitig entfernt werden könnte. Die Stadt habe dazu Vorschläge gemacht; diese habe Gumpp abgelehnt.

Der Inhaber erfuhr erst von unserer Zeitung von dem Kaufinteresse der Kommune – und zeigte sich ziemlich überrascht. Zwar seien vor einiger Zeit Stadträte bei ihm vorstellig geworden und hätten auch das Thema Kauf angesprochen, doch als derart konkret habe er es nicht empfunden. Der Unternehmer hat ein Faible für alte Gebäude; zuletzt erwarb er die Meringer Schlossmühle. Er ist gar nicht so erpicht darauf, den Bahnhof herzugeben. Abgesehen vom Kaufpreis habe er mindestens eine halbe Million Euro und viel Enthusiasmus hineingesteckt, sagt der Friedberger. Mal ganz abgesehen von den Kosten für Gutachter und Anwälte.

Bahnhofs-Eigentümer Gumpp will das Gebäude rot anstreichen

Zuletzt hatte Gumpp die Räume, die nicht die Bahn nutzt, renoviert. Dort sind jetzt Büros der Caritas untergebracht. Außerdem ließ er rings um den Bahnhof aufgraben, um den Keller trocken zu bekommen. Weil es seitdem noch nicht stark geregnet hat, weiß er allerdings nicht, ob das von Erfolg gekrönt ist. Und auch für die Zukunft hat er Pläne: Im Frühling – also bei Weitem rechtzeitig zur Landesausstellung – soll der Bau neu gestrichen werden. Er erhält dann wieder seine frühere Farbe, ein klassisches „Bahnhofsrot“ mit cremefarbenen Absetzungen.

Gumpp sieht allerdings auch die Schwierigkeiten: den Kanal und die Problematik, dass die Flächen rund um den Bahnhof, die ihm gehören, öffentlich sind. „Dafür bekomme ich kein Geld, und die Stadt macht sie nicht einmal sauber.“ Wenn die Kommune also derart am Bahnhof interessiert sei, wäre er verhandlungsbereit. Am liebsten würde er gegen ein schönes altes Gebäude tauschen.

Stadt Friedberg will Fahrradständer und Toiletten am Bahnhof

Die Stadt hat ihrerseits an der Stelle viel vor. Seit Langem fordert die SPD mehr Fahrradständer. Dieses Jahr wurden zur Probe welche für einige Wochen aufgestellt, es gab einen Ortstermin der Politik, und sogar ein Parkdeck für Fahrräder auf dem kleinen Parkplatz kam ins Gespräch. Für Pkw könnte ein Parkdeck auf dem großen Parkplatz entstehen. Toiletten sind ein Wunsch von Pendlern. Letztlich spielt auch der seit Jahren geplante Steg nach Friedberg-Süd hinein. Die Stadt hofft, ihn bauen zu können, wenn auch die Bahn sich der Örtlichkeit annimmt. Diese will die Gleise barrierefrei ausbauen. Allerdings scheint sich bei keinem der Projekte etwas zu tun. Roland Fuchs sagte in der Sitzung: „Wir sind der festen Überzeugung, ein Kauf wäre die Lösung des Problems.“ Nur zwei Stadträte teilten diese Begeisterung nicht: Siegbert Mersdorf (parteifrei) und Cornelia Böhm (FDP). Letztere meinte nach der Sitzung, sie halte es für unprofessionell, eine derartige Kaufabsicht öffentlich auszusprechen. Und sich trotz vieler anderer notwendiger Sanierungen eine weitere Problemimmobilie ans Bein zu binden, sei nicht im Sinn der Bürger.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Kauf des Friedberger Bahnhofs sollte gut überlegt sein

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