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Aichach

10.01.2015

Kinderpornografie: Angeklagter gilt als „tickende Zeitbombe“

Ein 37-jähriger Besitzer zahlreicher kinderpornographischer Dateien hatte Berufung gegen einen Haftbefehl eingelegt. Nun wurde er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
Bild: Christian Kirstges

Ein 37-Jähriger besitzt massenhaft kinderpornographische Dateien. Auf einen Haftbefehl hin hatte er Berufung eingelegt, wurde nun aber zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Weit über 1000 kinderpornografische Fotos und Videos hatte ein 37-Jähriger aus dem Landkreis-Süden gespeichert. Gegen einen Strafbefehl von zehn Monaten auf Bewährung hatte der Mann Einspruch eingelegt, so dass er sich nun vor Richter Axel Hellrieger am Aichacher Amtsgericht verantworten musste. Und dessen Urteil fiel keineswegs milder aus.

Anzeige führt zu Ermittlungen

Anstoß für die Ermittlungen war die Anzeige eines Hallenbadgastes im Jahr 2013. Dieser hatte den Eindruck gehabt, dass sich der Angeklagte einem Jungen gegenüber auffällig verhielt. Wie sich heraus stellte, war der Mann ehrenamtlicher Pate des Zwölfjährigen und unternahm regelmäßig etwas mit ihm. Nach Gesprächen mit Kind und Mutter kam die Polizei zum Ergebnis, dass keine strafrechtlich relevanten Übergriffe stattgefunden hatten. Die Beamten, von denen zwei vor Gericht aussagten, waren jedoch alarmiert. Vor allem, als eine Datenbankabfrage ergab, dass der Name des Mannes beim BKA bei der Auswertung einer kinderpornografischen Datenbank auftauchte.

1907 kinderpornografische Dateien auf privaten Festplatten

Daraufhin durchsuchte die Polizei den Dienstcomputer des Mannes sowie Rechner und externe Festplatten zu Hause. Und hier wurden die Experten in einem Ausmaß fündig, das auch für sie ungewöhnlich war. 1907 Dateien machte ihre Software ausfindig. Der Richter zeigte teils drastische Fotos und Screenshots, die Kinder von vier bis 13 Jahren zeigten. Oft verrieten die Dateititel schon eindeutig die Art der Darstellung: „Ten year old boy having sex with dad“ oder „kidsex“ gehörten noch zu den harmlosesten Formulierungen.

Angeklagter: Daten „aus Neugier“ heruntergeladen und vergessen, sie zu löschen

Der Vetreidiger Alexander Betz plädierte darauf, den Strafbefehl von zehn Monaten auf Bewährung auf eine Geldstrafe zu reduzieren. Der Angeklagte habe den Verlust seiner Arbeit im öffentlichen Dienst zu befürchten. Er argumentierte, dass sein Mandant nicht vorbestraft sei. Der Angeklagte selbst gab zu, im Jahr 2007 eine große Menge an Daten auf einer Internetplattform herunter geladen zu haben. Auf Berichte in den Medien hin sei er neugierig geworden, ob es wirklich so einfach sei. Einige Dateien habe er sich angesehen, aber damit wieder aufgehört, weil manches wirklich „widerlich“ sei. Er habe dann einfach vergessen, diese Videos und Bilder zu löschen und auch automatisch in die Sicherungskopien seiner Daten auf zwei externe Festplatten übernommen. Später habe er sich nur noch als FKK-Fan mit entsprechenden Dokumenten beschäftigt, jedoch ohne sexuellen Zusammenhang.

Spätere Funde – zur Debatte standen Beweisstücke aus einem Zeitraum bis 2012 – seien vielleicht zufällig in größeren Datenpaketen mitgerutscht oder beim Surfen unbemerkt auf den Rechner gelangt. Der Angeklagte bestritt eine pädophile Neigung. Er möge Kinder einfach, ohne sexuelle Hintergedanken. Sein Anwalt wies darauf hin, dass sein Mandant bereits einen Termin bei einer Beratungsstelle vereinbart habe. Betz appellierte, eine Geldstrafe zu erteilen oder zumindest eine möglichst geringe Freiheitsstrafe auf Bewährung. Sein Mandant sei „harmlos“.

Staatsanwalt: Angeklagter ist „tickende Zeitbombe“

Für Staatsanwalt Dr. Christian Engelsberger deutete jedoch alles auf pädophile Neigungen hin. Er sah den Angeklagten als „tickende Zeitbombe“ und forderte ein Jahr und vier Monate ohne Bewährung. Dem kam Hellriegels Urteil mit einer Freiheitsststrafe von einem Jahr und zwei Monaten sehr nahe. Er sah erhebliche strafschärfende Umstände. Dazu zählen der lange Zeitraum der Taten von mehreren Jahren, das zum Teil sehr junge Alter der Abgebildeten sowie auch die drastische Art der sexuellen Handlungen. Negativ wertete Hellriegel auch, dass der Angeklagte bereits gezielt den Kontakt zu Kindern gesucht hatte. Er sah hier eine Steigerung der Gefährlichkeit. Weil für den Richter keine positive Sozialprognose sichtbar war, setzte er die Strafe nicht zur Bewährung aus. Er geht davon aus, dass die Verteidigung in Berufung oder Revision geht. Dem Angeklagten empfahl er eine Therapie.

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