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Ehrenamt

04.08.2019

Kissinger Helferkreis sucht Verstärkung

Die Familien der Asylbewerber freuen sich auf neue Helfer und Kontakte.
Foto: Peter Stöbich

Beim Tag der offenen Tür in der Asylbewerberunterkunft werben die Koordinatorinnen um Unterstützung. Gesucht werden Lotsen im Gesetzesdschungel.

Freundliche Gastgeber waren die Asylbewerber in der Kissinger Industriestraße bei einem Tag der offenen Tür: Bei arabischem Kaffee und kleinen Snacks auf geschmückten Tischen konnten sich interessierte Bürger über die Unterkunft und die aktuelle Situation informieren. Dass es überall im Landkreis zu wenig ehrenamtliche Helfer gebe, stellte bei dem Treffen Simone Losinger vom Landratsamt fest. „Das ist auch deshalb problematisch, weil zum Jahresende das Ankerzentrum in Donauwörth schließt und die Leute dezentral in Schwaben verteilt werden.“

Zeitaufwand für die Betreuung ist beträchtlich

Dass die Flüchtlinge nicht überall willkommen sind, zeigt in Mering die Bürgerinitiative gegen ihre Unterbringung in einem früheren Fabrikgebäude an der Hörmannsberger Straße. Doch man sei um Sachlichkeit bemüht und wolle sich deswegen nicht an Vorverurteilungen und Spekulationen beteiligen, heißt es wie berichtet in einer gemeinsamen Erklärung von CSU, SPD und Grünen.

Allgemein sei die Stimmung nicht mehr so gut, sagt Losinger: „Denn die Aufgaben für die Helfer werden nicht weniger; viele sind auch enttäuscht und frustriert, wenn Familien wegziehen, die sie lange Zeit betreut haben.“

Dass der Zeitaufwand für eine solche Betreuung beträchtlich ist, wissen auch die Asylkoordinatorinnen Petra Hamberger und Marlene Weiss, die ihr Büro in der Kissinger Kleiderkammer in der Auenstraße haben. „Meine 25 Wochenstunden reichen bei Weitem nicht“, sagt Hamberger, „wenn es zum Beispiel außerhalb der Bürozeit einen medizinischen Notfall gibt.“ Sie wolle eine Familie auch nicht bis zum Beginn der Woche warten lassen, wenn am Samstag endlich der gelbe Brief mitdem heiß ersehntenBescheid des Bundesamts für Migration eintreffe.

Nicht nur die monatelange Warterei ist für viele Flüchtlinge schwierig, sondern auch die Verständigung und das Verstehen. Collins Okakah, Automechaniker aus Nigeria, spricht kein Deutsch und hat deshalb kaum Kontakte in Kissing. Und selbst wenn er die Sprache könnte, würde er sich mit Begriffen wie Mülltrennungsordnung oder Zuwiderhandlung schwertun.

Flüchtlinge im Straßenbild gehören längst zum Alltag

„Wir bräuchten dringend mehr Leute, die den Asylbewerbern beim Start in Deutschland helfen“, so Weiss, „die ihnen als Lotsen im Gesetzesdschungel die wichtigsten Regeln und Grundkenntnisse in Deutsch beibringen.“ Für regelmäßige Fahrdienste oder Unterricht ohne Bezahlung sei aber kaum jemand zu bekommen.

Auch die Zeiten, als Neuankömmlinge noch vom Bürgermeister persönlich mit Geschenken empfangen wurden, sind längst vorbei –Flüchtlinge im Straßenbild oder als Bedienung in Café und Bäckerei gehören längst zum Alltag. Derzeit leben 913 Menschen in 42 Quartieren im Landkreis, zudem ist 28 Personen, die eigentlich in Unterkünften leben müssten, die private Wohnsitznahme gestattet. Von diesen 913 verfügen laut Losinger 320 Personen über ein Bleiberecht und müssten eigentlich ausziehen, doch es gibt nicht genügend Wohnungen für Familien mit bis zu sechs Kindern.

Zudem wohnen etwa 700 Personen mit humanitärem Bleiberecht in privaten Wohnungen im Landkreis. „Vergangenes Jahr gab es insgesamt 192 negative Entscheidungen des Bundesamtes, die sind aber noch nicht alle rechtskräftig“, sagt Losinger.

Wer sich als Ansprechpartner für Flüchtlinge zur Verfügung stellen und sowohl diese als auch den Helferkreis in Kissing unterstützen will, kann sich unter der Telefonnummer 0151/14972672 mit Marlene Weiss in Verbindung setzen.

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