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Dasing

10.06.2020

Kreisbrandmeister Wolfgang Hittinger nimmt Abschied: Er hat auch tragische Einsätze erlebt

Wolfgang Hittinger ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Heute wird er 65 Jahre alt und geht als Kreisbrandmeister in den Ruhestand.
Bild: Alice Lauria

Plus Wolfgang Hittinger hat ganze Generationen von Feuerwehrlern geprägt. Nun geht der Kreisbrandmeister offiziell in Rente. Er nimmt nicht nur schöne Erinnerungen mit.

Einen ruhigen Nachmittag hat Wolfgang Hittinger in der Regel nicht, wenn er mal vor die Tür geht. Die Menschen (er)kennen ihn auf der Straße und wollen mit ihm über alte Zeiten plaudern. Denn viele von ihnen hat Hittinger bei der Dasinger Feuerwehr über Jahre geprägt. So auch den aktuellen Bürgermeister: „Er hat mich gefördert und gefordert“, sagt Andreas Wiesner, der selbst seit 30 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. Nun geht Hittinger offiziell in Ruhestand. Er nimmt auch tragische Erlebnisse mit. Hier ein Porträt.

Auch mit Erich Nagl verbindet Hittinger seit Jahren eine Freundschaft: „Wolfgang hat mich 1986 gefragt, ob ich zur Feuerwehr möchte. Da hat er offene Scheunentore eingerannt. Seitdem sind wir Freunde“, sagt der Altbürgermeister. Wie Nagl und Wiesner, werden darum heute viele Leute Hittinger zum 65. Geburtstag gratulieren.

Abschied in Dasing: Feuerwehrkameraden halten zusammen

Hittinger selbst ist seit 1982 bei der Dasinger Feuerwehr aktiv. Weitere vier Jahre später war der aus Bamberg zugezogene Oberfranke auf Drängen seines damaligen Mentors Siegfried Geiger schon erster Kommandant. Das Innenministerium etablierte damals eine neue Ausbildungsstruktur, wobei auch Geiger die Ausbildung junger Feuerwehrleute forcierte.

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Dabei unterstütze ihn Hittinger: „Ich habe das sehr gerne gemacht, das war genau mein Ding. Gerade, weil meine Feuerwehrkameraden immer zusammengehalten haben. Da gab es keine Ressentiments.“

Wolfgang Hittinger haut schon mal auf den Tisch

Wenn der Kommandant jedoch merkte, dass einer seiner Auszubildenden eine zu lasche Einstellung an den Tag legte, konnte er auch fuchsig werden. „Natürlich habe ich auch mal auf den Tisch gehaut, wenn es nötig war“, sagt Hittinger. Etwas schwächeren Schülern, bei denen er jedoch Willen und die Bereitschaft spürte, habe er immer geholfen. „Denn für einen guten Feuerwehrmann heißt es: Einer für alle, alle für einen“, sagt Hittinger.

Wolfgang Hittinger hat die Dasinger Feuerwehr viele Jahre lang geprägt.
Bild: Mareike König (Archiv)

Andreas Wiesner, einer von Hittingers zahlreichen Schülern, streicht derweil seinen Führungsstil heraus: „Er war überhaupt kein Patriarch und ist mir immer auf Augenhöhe begegnet, obwohl er mein Vorgesetzter war“, erinnert sich der Bürgermeister. Wiesners Vorgänger Nagl schlägt in dieselbe Kerbe: „Wolfgang war immer kameradschaftlich und beliebt. Trotzdem forderte er bei seinen Schülern Leistungsbereitschaft.“

Der Kreisbrandmeister zieht seinen Hut vor den Frauen

Meilensteine in Hittingers fast 40 Jahren bei der Feuerwehr waren insbesondere die Integration der Jugend und der Frauen. So etablierte er vor etwa 30 Jahren die Jugend- und kurz darauf die Frauenfeuerwehr in Dasing. „In den 80ern war die Feuerwehr eine Männerdomäne. Außerdem haben die Männer damals noch viel eher gearbeitet. Deshalb hatten die Frauen zwar auch nicht so viel Zeit, waren aber gerne dabei“, erklärt Hittinger. „Sie machen aber die gleiche Ausbildung und die gleiche Arbeit wie die Männer. Vor ihnen ziehe ich den Hut.“

Auch einen Kreisjugendwart hat Hittinger 1990 vorgeschlagen. Dieser hieß Erich Nagl: „Die jungen Leute haben uns oft bei Übungen zugeschaut, da wollten wir sie einbeziehen“, erinnerst sich der ehemalige Bürgermeister. In Nagls wie Hittingers Familie sind zahlreiche Mitglieder ebenso begeistert von der Feuerwehr wie die beiden langjährigen Weggefährten. Während Nagl in eine Familie von Feuerwehrleuten hineingeboren wurde, bildete Hittinger zwei seiner Töchter zu Feuerwehrfrauen aus. Eine ist sogar heute noch aktiv.

Mit 65 scheidet Wolfgang Hittinger als Kreisbrandmeisters aus

Seine Ehefrau Monika hielt dabei stets zu ihm. „Ihr bin ich sehr dankbar. Bei so einem Amt muss die Partnerin sehr zurückstecken.“ Nun will Hittinger wieder mehr Zeit mit seiner Monika verbringen. Denn mit seinem 65. Geburtstag geht aufgrund der Altersbeschränkung im Bayerischen Feuerwehrgesetz auch das Ende seiner Amtszeit als Kreisbrandmeister einher.

Bild: FFW Lauignen

Doch es sind nicht nur positive Dinge, die Hittinger während seiner Zeit als Feuerwehrmann erlebt hat. Was ihn noch immer umtreibt, ist der Verlust zweier Kameraden, auf den er nicht näher eingehen möchte. „Ich denke immer mal wieder an sie und frage mich, ob man etwas anders hätte machen können“, sagt der Feuerwehrmann mit belegter Stimme.

Andererseits prägten auch witzige Begebenheiten Hittingers Weg. Einmal war er mit einem Kameraden auf dem Dachstuhl eines Hauses und brach durch den morschen Holzboden, ohne sich jedoch zu verletzen. Der trockene Kommentar des Kollegen „Und was willst du jetzt da unten?“ sorgte für einige Lacher. „Wir haben untereinander schon oft gefrotzelt“, sagt Hittinger. „Es hat immer sehr viel Spaß gemacht.“

Spaß gibt es auch im Feuerwehr-Ruhestand

Spaß dürfte Hittinger auch im Feuerwehr-Ruhestand haben. Schließlich geht er noch immer bergwandern, Fahrrad fahren und mit der Frau in den Urlaub. Ruhiger dürfte sein Leben trotzdem werden. Aber nur, wenn es den Rentner nicht vor die Haustür zieht.

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