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Stadtrat Friedberg

12.06.2019

Kreuzungsumbau: Schlechter Dienst an Behinderten

Der Bordstein muss als Orientierung für Sehbehinderte genügen.
Bild: Peter Kleist (Archiv)

Die Kritik am Kreuzungsausbau Aichacher, Münchner und Ludwigstraße hält an. An der Bahnhofstraße will der Friedberger Stadtrat darum keine Markierungsstreifen.

Braucht es ein eigenes Leitsystem für Blinde am neuen Gehsteig entlang der Bahnhofstraße? Die Vertreterinnen der Grünen im Friedberger Stadtrat beantworten diese Frage mit einem klaren Ja und stellten darum in der jüngsten Sitzung einen entsprechenden Eilantrag, um noch während des laufenden Umbaus eingreifen zu können. Allerdings vergeblich: Bei der Abstimmung standen die Grünen am Ende allein.

Warnung vor der Rutschgefahr

Das Thema hatte kurz zuvor bereits den Inklusionsbeirat beschäftigt (wir berichteten). Während aus den Reihen der Mitglieder ein taktiles Leitsystem wie an der Kreuzung Münchner, Aichacher und Ludwigstraße gewünscht wurde, war Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) der Meinung, dass sich am Bahnhof „gute Kanten“ befänden und außerdem beim Belag mit einem Hell-Dunkel-Effekt gearbeitet werde. So könnten sich sehbehinderte Menschen zurechtfinden. Außerdem seien die weißen Platten für das Leitsystem viel zu rutschig.

Brülls, die an der Beiratssitzung ebenfalls teilgenommen hatte, gab sich mit dieser Auskunft nicht zufrieden. „Neben der Ludwigstraße ist das die wichtigste Achse in die Innenstadt“, begründete Marion Brülls den neuerlichen Vorstoß. Sie verwies auf die steigende Zahl von Senioren in Friedberg und die im Alter nachlassende Sehkraft. „Das Leitsystem ist nicht nur für Blinde“, betonte sie.

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Beschwerden aus dem Karl-Sommer-Stift

Für die Mehrheit des Stadtrats stand freilich ein anderer Aspekt im Vordergrund: Die weißen Platten an der Kreuzung Münchner, Aichacher und Ludwigstraße hätten sich als gefährlich erwiesen, berichteten Vertreter mehrerer Fraktionen übereinstimmend.

Zweiter Bürgermeister Richard Scharold (CSU) hat als Anwohner bereits selbst die Erfahrung gemacht: „Es ist sehr rutschig. Man muss wahnsinnig aufpassen.“ Aus dem benachbarten Karl-Sommer-Stift gebe es viele Beschwerden. „An der ,Linde‘ fallen sogar Kinder hin“, hat Franz Reißner (SPD) beobachtet.

Auf Kritik der Betroffenen ist der Umbau der Kreuzung Aichacher, Münchner und Ludwigstraße gestoßen.
Bild: Thomas Goßner

Angesichts des sechsprozentigen Gefälles entlang der Bahnhofstraße sieht Bürgermeister Eichmann eine Gefährdung von Rollstuhl- und Rollatorfahrern. „Da hat man den Behinderten einen ganz schlechten Dienst erwiesen“, stellte Wolfgang Rockelmann (Parteifreie Bürger) fest. Er brachte einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: Die erst im Jahr 2017 verlegten weißen Platten zeigen bereits Risse. „Man muss nicht jeden Blödsinn wiederholen“, warnte er.

Keine Abstimmung mit dem Blindenbund

Dass man beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund laut Marion Brülls noch nie von Unfällen in diesem Zusammenhang gehört hat, konnte die Stadtratsmehrheit nicht umstimmen. Eine Markierung soll es unter Umständen nur dort geben, wo der Gehsteig endet.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Thomas Goßner Barrierefreiheit in Friedberg mit vielen Hindernissen

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