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Friedberg

22.04.2015

Mann betrügt Autohändler - und fällt dann selbst auf einen Trick herein

Ein Betrüger, der einen BMW ergaunern wollte, musste sich vor Gericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Ein falscher Diakon aus Polen hat einen Friedberger Autohändler hereingelegt. Warum trotz eines Urteils Zweifel an der Täterschaft bleiben.

Gericht und Verteidiger sind, was eher die Ausnahme denn die Regel ist, einer Meinung. „Für den Täter ist es erstaunlich einfach gewesen, an ein Fahrzeug von diesem Wert zu kommen“, merkt Richterin Elke Bethke an, als sie das Urteil verkündet: eine Bewährungsstrafe wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

Das Fahrzeug ist ein gebrauchter BMW 730 d. Er steht im Juni 2010 in einem Autohaus in Friedberg. Verkaufspreis 21.000 Euro. Der Kauf soll über einen Kredit finanziert werden. „Wir liefern aus, sobald wir von der Bank grünes Licht bekommen“, sagt fünf Jahre später der als Zeuge geladene Autohändler im Prozess aus. Alles andere ist offenbar egal.

Der Betrüger will den Friedberger Autohändler austricksen

Die Kreditzusage war aus Hamburg von der „Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe“ gekommen, einem Finanzdienstleister für die Automobilbranche. Sie sei schon nach 15 Minuten eingetroffen, so der Zeuge. Personalausweis des Kunden und eine Kopie seiner Gehaltsabrechnung hatten genügt. Arbeitgeber des polnischen Diakons war demnach eine Evangelisch-Christliche Mission in Frankreich. Bundesweit tauchten damals solche gefälschten Gehaltszettel auf, und Autohändler sind auf sie hereingefallen.

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Beim Käufer des Friedberger BMW, der angibt, in Mannheim zu wohnen, stellt sich heraus, dass das falsch ist, sein Girokonto ist zudem leergeräumt. Trotzdem hat der Kreditgeber Glück. Wochen später kann die Polizei den BMW in Hessen beschlagnahmen. Der Fahrer, der für den Käufer das Auto in Friedberg abgeholt hat, ist auf einen Trick der Ermittler hereingefallen.

Der Autohändler hatte behauptet, wegen eines vermuteten Getriebeschadens habe BMW eine Rückrufaktion gestartet. Fünf Jahre später reist der Pole wieder nach Deutschland. Der 50-Jährige, der nur wenige Brocken Deutsch spricht, versucht als Handlanger auf dem Bau zu arbeiten. Bei einer Grenzkontrolle wird er aufgrund eines Haftbefehls festgenommen.

Warum hat niemand Verdacht geschöpft?

Das Amtsgericht hat ihn jetzt zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldauflage von 1000 Euro verurteilt. Das Urteil kommt durch eine Prozessabsprache zustande: Geständnis gegen die Aussicht, sofort frei zu kommen. Noch am gleichen Tag kehrt er mit zwei Söhnen in die Heimat zurück. Olaf Groborz, sein Münchner Verteidiger, hegt dennoch Zweifel, ob sein Mandant tatsächlich der Käufer war.

Sollte es so gewesen sein, sei kaum zu verstehen, warum Autohaus und Bank keinen Verdacht geschöpft hätten. Schließlich ist dem Polen, früher Bäcker, zuletzt arbeitslos, anzumerken, dass er in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt. Er ist zudem fast zahnlos. Wer ihn so auf der Anklagebank hat sitzen sehen, fällt schwer, ihn sich am Steuer eines 7-er BMWs vorzustellen.

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