1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Merchinger haben Bedenken wegen 5G-Mobilfunknetz

Internet

13.06.2019

Merchinger haben Bedenken wegen 5G-Mobilfunknetz

Ein Sendemast ragt in den Himmel. In Merching ist über die Mobilfunkgeneration 5G diskutiert worden.
Bild: Hans Punz/apa/dpa (Symbol)

Merchings Bürgermeister Walch bekommt ein Schreiben des Wirtschaftsministeriums. Sind die Strahlen gefährlich?

Die Politik in Deutschland steht unter Druck, den Ausbau der 5G-Technologie voranzutreiben. Die neue Generation im Mobilfunk soll unter anderem einen deutlich schnelleren Austausch von Daten im Internet ermöglichen. Das war nun auch Thema im Merchinger Gemeinderat.

Der Ausbau scheint für den Bürger im Landkreis weit weg zu sein, doch Mitte Mai war auch an Merchings Bürgermeister Martin Walch ein Schreiben vom bayerischen Wirtschaftsministerium gegangen. In dem wurde deutlich gemacht, dass die Ansprüche von Wirtschaft und Verbrauchern an mobiles Telefonieren und Surfen kontinuierlich steigen würden.

Ziel der bayerischen Strukturpolitik sei eine optimale Versorgung mit Mobilfunk, das mit einem Förderprogramm die sogenannten „weißen Flecken“ schließen soll. Als Bürgermeister solle Walch nun an der Standortsuche für neue Mobilfunkanlagen mitwirken, wie es im Mobilfunkpakt Bayern vorgesehen ist. Ausdrücklich wurde darin betont, dass die Grenzwerte auch für die neue 5G-Sendetechnik gelten würden und auch hier der Schutz der Gesundheit nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gesichert sei. Zu besonders kritischen Informationsveranstaltungen vor Ort könnten auch Experten des Bayerischen Landesamts für Umwelt oder für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eingeladen werden, um eine Versachlichung der Debatte zu gewährleisten.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Ideale Standorte seien zentral gelegen

Die neuen Mobilfunkunternehmen hätten zugesagt, die Gemeinden beim Dialog vor Ort zu unterstützen. Wichtig wäre, die Mobilfunkanlagen an geeigneten Standorten zu errichten: Dies gelänge nur bei sehr guten Empfangsbedingungen und geringen Abständen zwischen Nutzer und Sendestation. Ideale Standorte seien daher meist zentral im Ort gelegen.

Dass dies ein schwieriges Thema ist, wurde an den Reaktionen im Gemeinderat deutlich. Thomas Müller, der in der vergangenen Amtsperiode auch dem Rat angehörte, äußerte in der öffentlichen Sitzung seine Bedenken. 800.000 neue Sendeanlagen seien allein in Deutschland geplant, verbunden mit massivem Infrastrukturausbau. Das bedeute etwa alle 100 Meter eine stark strahlende Mobilfunkantenne mit einer bis zu hundertfachen Erhöhung der Sendeleistung. Er sieht darin eine exponentielle Erhöhung der Zwangsbestrahlung, die ein unverantwortliches Experiment an der gesamten Bevölkerung und an deren Gesundheit darstellt.

Helmut Luichtl hatte sich mit der Technologie der 5G-Mobilfunknetze im Vorfeld etwas auseinandergesetzt und erläuterte, dass diese tatsächlich einen höheren Frequenzbereich mit einer kürzeren Wellenlänge nutzen würde. Allerdings wäre die Strahlungsleistung im Vergleich zu Technologien in den Vorjahren deutlich niedriger – ein Handy, das man bei sich trage sei immer noch deutlich gefährlicher, stellte er heraus. Studien, welche die Gefährlichkeit dieser Technologie etwa durch ein massives Vogelsterben unterstreichen sollten, seien bereits widerlegt worden.

Thomas Müller macht in Merching auf die Problematik aufmerksam

Roland Söhl dagegen fand den Hinweis von Thomas Müller gut, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Robert Graf hätte das Thema sogar sehr gerne in einer größeren Diskussion, etwa auf der Bürgerversammlung, gesehen: Auch er habe vielfach Informationen erhalten, die vor dieser Technologie warnen. Werner Schrom sah die erwähnte Mitwirkungsaufforderung im Schreiben des Staatsministeriums nicht deutlich genug formuliert und hätte sich mehr Informationen gewünscht.

Bürgermeister Martin Walch sagte, dass er über konkrete Einzelheiten gerne mit dem Landrat gesprochen hätte, ihn aber bisher nicht erreicht habe. Er plane in jedem Fall diese Thematik auf der Bürgermeisterversammlung zu diskutieren: „Die Crux ist: Jeder will’s, jeder braucht’s, keiner will es bei sich haben.“ Hochdorfs Ortssprecher Reinhard Helfer setzte nach: „Wir zahlen für den ganzen technischen Fortschritt Tribut.“ Wolfgang Schlagenhauf meinte, dass man als Privatmann sowieso eher kein Mitspracherecht habe.

Zu einem konkreten Beschluss wollte man sich am Ende der Diskussion nicht durchringen, was mit einer Gegenstimme beschlossen wurde. Informationen sammeln und die nächsten Schritte überlegen, werde man aber sehr wohl.

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Newsletter der Friedberger Allgemeinen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren