66-Jähriger und 89-Jährige sterben in Mering in den Flammen
Feuer in Mering: Die Brandursache steht noch nicht fest
Brand in Mering: Nachbarn sind fassungslos
Dicker Rauch hängt am Samstagmorgen über der Lisztstraße in Mering. "Als wir von Königsbrunn her nach Mering fuhren, sah man schon die Flammen", beschreibt Klaus Lidl, Außendienstleiter des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, die Situation. Gegen 4.10 Uhr wurden die Rettungskräfte der Feuerwehren Mering, Merching und Kissing alarmiert, dass ein Wohnhaus brannte. Von den fünf Bewohnern wurden zu diesem Zeitpunkt zwei vermisst.
"Zunächst galt es, die Einsatzstelle so weit abzusichern, dass wir überhaupt ins Innere des Gebäudes gelangen konnten", schildert der Meringer Feuerwehrkommandant Andreas Regau. Die Atemschutzträger kämpften sich frühmorgens durch dicken Rauch und mussten mit der enormen Hitzeentwicklung zurechtkommen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Rauchwolke laut Polizei rund 200 Meter hoch und bis nach Königsbrunn auf der anderen Seite des Lechs zu sehen.
Sie suchten zunächst im Erdgeschoss und im Keller des Reihenhauses nach dem vermissten 66-jährigen Mann und seiner 89-jährigen Mutter, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. "Wir mussten die Suche abbrechen, weil die Hitze zu groß wurde und das Gebäude einzustürzen drohte", schildert Regau weiter. Es sei immer eine schwierige Entscheidung, wann man die Suche abbricht, weil es gilt, die Retter selbst vor Gefahr zu schützen.
Ins Freie gelangen konnten dagegen eine 51-jährige Frau, ein 54-jähriger Mann und deren gemeinsame 17-jährige Tochter, die im ersten Stock des Hauses wohnten. Sie wurden sofort medizinisch versorgt und vom Kriseninterventionsteam betreut. Die beiden Eltern wurden wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung in die Augsburger Uniklinik gebracht; mittlerweile befindet sich die Familie bei Angehörigen.
Die Feuerwehren aus Kissing, Merching und Mering versuchten verzweifelt, gegen die Flammen anzukämpfen. An das Wohnhaus direkt angebaut ist ein weiteres Haus, auf dessen Dachstuhl das Feuer überzugreifen zu drohte. "Wie es aussieht, konnten wir das aber verhindern", sagt Regau morgens.
Diese Hoffnung bestätigt sich später. Die Nachbargebäude sind zwar laut Polizei durch Löscharbeiten beschädigt, die Bewohnerinnen und Bewohner können sie diese nach Abschluss der Brandbekämpfung wieder beziehen.
Vom betroffenen Wohnhaus dagegen ist nicht mehr zu retten. Ein Sachverständiger des Technischen Hilfswerks Friedberg war ebenfalls am Einsatzort, um zu beurteilen, wie hoch die Einsturzgefahr des Gebäudes ist. Stück für Stück wird nun der Dachstuhl abgetragen werden müssen. "Das dauert einige Zeit", meint Regau. Laut Polizei wird der Gesamtschaden auf eine hohe sechsstellige Summe geschätzt.
Gegen 7.30 Uhr wagten die Atemschutzträger einen neuen Versuch und suchten im Gebäude nach den zwei Vermissten. "Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung, und die beiden waren zum Zeitpunkt des Brandes gar nicht im Haus", hofft Polizist Klaus Lidl noch am Morgen. Er spricht von einem tragischen Unglück. Doch dann, am Samstag gegen 10 Uhr, herrscht traurige Gewissheit: Die Feuerwehrkräfte finden die zwei Leichen.
Immer wieder werden derweil die Schläuche ausgerollt, und Wasser wird auf das Gebäude gespritzt. Ein Team des Roten Kreuzes Aichach-Friedberg sowie die Schnelleinsatzgruppe des BRK Mering und ein Rettungswagen blieben vorsichtshalber vor Ort, um für die Sicherheit der Feuerwehrmänner und -frauen zu sorgen. "Es könnte ja sein, dass sich einer der Retter verletzt und wir dann schnell Hilfe benötigen", so Regau.
Dicke, dunkle Rauchwolken ziehen den ganzen Vormittag über den Einsatzort hinweg, ein beißender Geruch setzt sich überall fest. Bereits am Morgen wurde die Nachbarschaft von der Polizei mit Lautsprecherdurchsagen informiert, dass sie ihre Fenster wegen der starken Rauchentwicklung geschlossen halten solle.
Die Nachbarn und Nachbarinnen stehen fassungslos auf der Straße. "Wir können es noch gar nicht glauben, was da passiert ist", sagt Willi Würmseer. Er fühlt mit den Angehörigen mit. "Das sind die schlimmsten Stunden, die sie jetzt mitmachen."
Auch Edi Dosch ist geschockt: "Wir wollten heute eigentlich alle gemeinsam ein Straßenfest feiern, und jetzt passiert so etwas Trauriges." Die Nachbarn hätten erst vor Kurzem viel Energie in die Renovierung gesteckt und den Garten hübsch hergerichtet.
Pfarrer Thomas Schwartz erfährt durch die Berichterstattung unserer Redaktion von dem Unglück. "Wir beten für die Verstorbenen, und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen", sagt er. Der katholische Seelsorger bietet der Familie seine Hilfe an: "Wenn etwas benötigt wird, wir helfen schnell und unbürokratisch."
Dritte Bürgermeisterin Silvia Braatz macht sich ebenfalls ein Bild vom Unglücksort. "Wir werden alles tun, damit möglichst schnell der Familie geholfen wird", sagen Silvia Braatz und Zweiter Bürgermeister Stefan Hummel. Sie versichern, dass die Marktgemeinde die Familie unterstützen werde. "Wir sind so froh, dass wir gute Feuerwehrkräfte haben, die so gut mit den Nachbarwehren zusammenarbeiten, schnell geholfen und so Schlimmeres verhindert haben."
Angehörige und Nachbarn helfen der Familie ebenfalls. Gerettet werden konnte eine der zwei Katzen, die andere wird noch vermisst.
Nach knapp zehn Stunden im Einsatz können die Feuerwehren abrücken. Doch bereits am Sonntagmorgen müssen sie wieder zur Brandstelle. Ein Glutnest im unteren Bereich des völlig zerstörten Wohnhauses hatte sich entzündet.
Der Brandort ist von der Kriminalpolizei gesperrt worden. Die Angehörigen der Familie bitten die Menschen darum, nicht zur Brandstelle zu kommen.