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23.12.2009

Mit Schlagstock gegen Stinkefinger

Aichach Den Schlagstock habe er als Selbstschutz immer dabei, sagte ein 58-jähriger Augsburger vor dem Aichacher Amtsgericht aus. Mit eben jenem Stock war er im April dieses Jahres auf einen Familienvater (29) losgegangen. Der hatte ihm, nachdem der 58-Jährige auf einem Feldweg bei den Baggerseen in Mühlhausen rasant an ihm und seiner Familie vorbeigefahren war, den Stinkefinger gezeigt.

Worauf der Angeklagte wohl "südländisch temperamentvoll" reagiert habe, sagte sein Verteidiger. Das Gericht sah das anders. Amtsrichterin Nadine Grimm verurteilte den 58-Jährigen wegen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer 14-monatigen Freiheitsstrafe. Seinen Führerschein, der für sechs Monate eingezogen wird, musste er noch im Gericht abgeben.

Ziemlich schnell und mit unverminderter Geschwindigkeit sei der Angeklagte damals auf ihn zugekommen, erinnerte sich der 29-jährige Familienvater vor Gericht. Er war auf dem Feldweg zusammen mit seiner Frau und der acht Monate alten Tochter, die hinter ihm im Kindersitz auf dem Fahrrad saß, unterwegs gewesen. Ein Ausweichen war wegen der dichten Böschung kaum möglich, weshalb der 29-Jährige dem Fahrer zu signalisieren versuchte, dass er langsamer machen sollte. Was der aber nicht tat. "Voll vorbeigeheizt" sei der 58-Jährige, sagte der Familienvater aus, der seinem Kontrahenten daraufhin den Mittelfinger gezeigt hatte.

Fast schon filmreif ist, was dann folgte. Der Fahrer habe eine Vollbremsung gemacht und sei mit Vollgas zurückgefahren, sagte die 29-jährige Ehefrau des Radlers. Weil ihr Mann mit dem Fahrrad einfach weiterfuhr, sei der Angeklagte mit seinem Wagen quer über die Wiese gefahren, um ihm den Weg abzuschneiden. "Er war wie ein Stier in der Arena", so die Frau. Mit dem Schlagstock in der Hand rannte der 58-Jährige auf den Familienvater zu und drückte ihm den Knüppel so an den Kehlkopf, dass ein roter Fleck zurückblieb. "Es hat ihn überhaupt nicht interessiert, dass ein Kind auf dem Rad sitzt", sagte die Mutter noch immer fassungslos. In der Erinnerung des Angeklagten hatte sich alles jedoch ganz anders abgespielt.

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Schlagstock nur zum Schutz

Er sei ausgewichen, weil der 29-Jährige, als sie auf einer Höhe waren, die Hand in seine Richtung ausgestreckt habe. Den Schlagstock habe er nur zu seinem eigenen Schutz in der Hand gehabt. "Weil ich nicht wusste, wer er ist." Dass er den Familienvater gedroht hatte, ihm den Kopf abzuschneiden, wollte er nicht ausschließen. Erinnern konnte sich der 58-Jährige nicht mehr. "Vielleicht ist sein südländisches Temperament mit ihm durchgegangen", vermutete sein Verteidiger Max-Klaus Frey. Alles andere als vernünftig habe der Angeklagte reagiert, fand Staatsanwalt Carsten Reichl: "Er heizt an einer jungen Familie vorbei und setzt den Schlagstock wegen eines relativ nichtigen Anlasses ein." Eine Sicht, der sich Strafrichterin Grimm anschloss: "Ich habe keinen Grund, an der Aussage der Zeugen zu zweifeln." Sie blieb mit ihrem Urteil von 14 Monaten Haft einen Monat unter der Forderung des Staatsanwaltes. Zudem muss der 58-jährige für sechs Monate seinen Führerschein abgeben. Der Verteidiger hatte eine Geldstrafe gefordert.

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