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Mering

09.10.2019

Moritz machte mit 16 Abi - jetzt ist er Krankenpfleger

Trotz seines Abiturs mit 16 Jahren entschied sich der Meringer Moritz Sycek für den Ausbildungsberuf des Gesundheits- und Krankenpflegers. Er sagt, ihm liege vor allem der direkte Umgang mit Menschen.
Bild: Moritz Sycek

Der Meringer Moritz Sycek machte bereits mit 16 Jahren sein Abitur. jetzt macht er eine Ausbildung zum Krankenpfleger an der Uniklinik in Augsburg. Wie kam es dazu?

Im Oktober geht Moritz Sycek in sein zweites Lehrjahr an der Augsburger Uniklinik. Er bereut es nicht, sich für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden zu haben. Der Umgang mit den Patienten macht ihm viel Spaß und er schafft es, Probleme aus der Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Zwei seiner Mitschüler hätten allerdings aufgehört, sagt er.

Als der junge Meringer vor gut zwei Jahren sein Abitur am Rudolf-Diesel-Gymnasium ablegte, war er erst 16 Jahre alt. In der Grundschule hatte er nämlich eine Klasse übersprungen. Sycek entschied sich dann, zunächst einen Bundesfreiwilligendienst in der Tagespflege beim Roten Kreuz in Friedberg zu machen.

Dabei betreute er ältere Leute, um die Angehörigen einige Stunden zu entlasten. Er bereitete Frühstück und Kaffee vor, ging mit den Senioren spazieren oder unterhielt sie am Nachmittag mit Gesellschaftsspielen. „Ich merkte in diesem Jahr, dass mir der Umgang mit Menschen sehr gefällt“, verrät er.

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Zwei Wochen Praktikum am Friedberger Krankenhaus

Deshalb absolvierte er im April 2018 ein zweiwöchiges Praktikum im Bereich Innere Medizin am Friedberger Krankenhaus. Er begleitete einen Krankenpfleger und konnte auf diese Weise dessen Tagesablauf und Aufgaben kennenlernen. „Ich durfte Patienten waschen, Essen austeilen, Blutdruck, Puls und Fieber messen, und beim Duschen helfen“, erinnert sich Sycek.

Kurz danach bewarb er sich erfolgreich für die Ausbildung an der heutigen Uniklinik. Im Oktober 2018 ging es mit sechs Wochen Unterricht los, gefolgt vom ersten Einsatz in der Praxis. „Anfangs lernten wir die Grundpflege. Dazu zählt das Waschen – Gesicht, Augen, Haare – die Mundpflege, Blutdruck und Puls messen“, erzählt Sycek.

Zuerst war er in einem Bereich der Chirurgie, in dem unter anderem Operationen des Magen-Darm-Traktes durchgeführt werden. Es folgten die Urologie und die Onkologie. Von Anfang an lautete die Realität für die Auszubildenden: Schichtdienst – von 6 bis 14 Uhr oder von 13.15 bis 21.15 Uhr. Ab April 2020 muss Moritz Sycek auch nachts arbeiten.

Er verrät, dass es auf der Urologie entspannter als auf anderen Stationen war, weil die Patienten in der Regel jünger sind und nicht so viel Pflege erforderlich ist. In der Onkologie dagegen sei es stressiger. Die Patienten dort sind oft schwer krank und meist ältere Menschen, die Bestrahlung oder Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung erhalten. Ab dem 30. September arbeitet Moritz Sycek acht Wochen lang bei der Sozialstation in Mering und fährt zu häuslichen Pflegeeinsätzen mit. Danach stehen die Kinderklinik und die Psychiatrie auf dem Programm.

An der Augsburger Uniklinik kommt das Personal aus 50 Nationen

„Gut wäre es für eine bessere Versorgung der Patienten, wenn die Krankenhäuser mehr Personal gewinnen könnten“, meint Sycek. Aber ein Gehalt von 1800 Euro netto sei für den anstrengenden Beruf einfach wenig Geld. Bereits jetzt arbeiten in der Uniklinik Pfleger unter anderem Pfleger aus Bosnien, Tansania, Russland, Polen, Syrien und Kasachstan – insgesamt kommt das Personal aus rund 50 Nationen.

Das Verhältnis zu Kollegen, Lehrern und Patienten empfindet Sycek als gut. „Nur ab und zu gibt es schwierige Patienten, die aggressiv reagieren, weil sie zum Beispiel ein Medikament nicht vertragen“, erzählt er. Vor ein paar Wochen hatte er ein belastendes Erlebnis: Eine Patientin auf der Onkologie brach zusammen und war kurz bewusstlos. Kritische Situationen erwarten den Meringer als künftigen Krankenpfleger sicher häufiger. Er denke zwar zu Hause manchmal über seinen Tag nach, aber Schlafprobleme habe er nicht, berichtet Sycek.

Ablenkung verschaffen ihm seine Hobbys: Er spielt samstags im Agnesheim während des Gottesdienstes Harmonium, besucht regelmäßig einen Gebetskreis und ist Stockschütze. Außerdem geht er zu den Heimspielen des Fußball-Landesligisten SV Mering und gibt Tore, Spielerwechsel und Gelbe sowie Rote Karten auf der App des Bayerischen Fußballverbands in den Liveticker ein.

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