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Kissing

01.09.2020

Nach Unfall: Viele trauern mit der Familie des toten Jungen aus Kissing

Vor dem Feuerwehrhaus in Kissing haben Menschen als Zeichen der Anteilnahme Kerzen aufgestellt, nachdem ein 13-Jähriger, der Mitglied der Jugendfeuerwehr war, tödlich verunglückt ist.
Bild: Michael Postl

Plus Ein 13-Jähriger aus Kissing stirbt bei einem Unfall in Österreich. Die Betroffenheit ist groß – vor allem bei den Feuerwehren im ganzen Landkreis Aichach-Friedberg.

Feuerwehrfahrzeuge im ganzen Landkreis Aichach-Friedberg sind in diesen Tagen mit Trauerflor unterwegs. Es ist ein Zeichen der Trauer und des Mitgefühls für ein junges Mitglied der Kissinger Wehr. Der 13-Jährige war am Wochenende nach einem schweren Unfall in Österreich gestorben. Er war in der Jugendfeuerwehr in Kissing engagiert gewesen.

Der Junge verunglückte bei einem Arbeitsunfall auf einem Firmengelände in der Nähe von Bregenz. Sein Vater wollte dort als Lastwagenfahrer Stahlträger abholen.

13-Jähriger aus Kissing stirbt bei Unfall in Österreich

Beim Aufladen auf den Lkw-Hänger durch einen Mitarbeiter der Firma mittels eines Hallenkrans wurde ein über 700 Kilogramm schwerer Stahlträger instabil, kippte zur Seite und verletzte den 13-Jährigen am Kopf. Der Junge starb im Krankenhaus an den Folgen der schweren Verletzungen. Er hatte noch versucht, den fallenden Stahlträger aufzuhalten und war dann zurückgewichen.

Das Mitgefühl gilt nun den Angehörigen des Jungen. So schreibt die Freiwillige Feuerwehr Kissing auf ihrer Facebook-Seite: „In tiefer Trauer müssen wir mitteilen, dass einer unserer Kameraden aus der Jugendfeuerwehr bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Unsere Gedanken sind bei der Familie. Wir behalten ihn als engagierten, hilfsbereiten und stets motivierten Kameraden in Erinnerung. Die Fahrzeuge der Feuerwehr Kissing tragen seit heute Trauerflor.“

Auch viele andere Feuerwehren im Landkreis bekunden in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram ihr Mitgefühl, ihre Fahrzeuge sind ebenfalls mit Trauerflor bestückt. Vor dem Kissinger Feuerwehrhaus haben Menschen Kerzen aufgestellt – ein Zeichen der Anteilnahme.

Die Feuerwehr in Kissing trauert: "Er liebte Feuerwehrfahrzeuge"

Kommandant Matthias Rawein sagt: „Jeder von unserer Wehr, der von diesem Schicksalsschlag erfahren hat, ist zutiefst bewegt. So geht es auch uns als Führung der Feuerwehr.“ Der Jugendliche sei stets motiviert gewesen und habe die Feuerwehr – wie alle Jugendlichen im Verein – gelebt. „Es mag vielleicht seltsam klingen, aber die Feuerwehr ist wie eine große Familie“, so Rawein.

Die Feuerwehr Kissing trauert um ihren toten Kameraden.
Bild: Michael Postl

Er erinnert sich an den 13-Jährigen: „Er liebte große Fahrzeuge – vor allem aber unsere Feuerwehrfahrzeuge.“ Am Montag hatte die Feuerwehr mit der Unterstützung von Bürgermeister Gürtner die Jugend eingeladen – „um diesen Schmerz zu bewältigen und die Trauer zu teilen“, wie Rawein sagt. Dafür habe man auch die Unterstützung des Landkreises erfahren. „Wir alle im Landkreis fahren jetzt mit Trauerflor. Allem voran steht uns aber die Trauer der Familie und der Schutz und die Fürsorge unserer Jugend.“

Die Wehren stehen in einer solch schwierigen Situation zusammen, das weiß auch der Kissinger Bürgermeister Reinhard Gürtner. „Jeder, der von diesem Unglück erfahren hat, ist tief bewegt“, sagt er. Seine Gedanken seien ebenso wie die der Bürgerinnen und Bürger bei der Familie.

Gleiches gilt für Stefan Schmid. Der Sprecher der Kreisbrandinspektion Aichach-Friedberg spricht von einem tiefen Einschnitt, den die Feuerwehr als große Familie erlebe. "Feuerwehrleute wollen immer helfen, sie leben von ihrem Netzwerk, ihrer Kameradschaft und geben sich Sicherheit." Auch in derartigen Situationen stehen und halten sie zusammen. Darüber hinaus stehen auch die Kommandanten sowie sogenannte Peers, also kollegiale Ansprechpartner, und die Kommandanten den Kameraden zur Verfügung.

Feuerwehrleute bekommen bei möglichen belastenden Erlebnissen auch Beistand. Leisten kann diesen das Einsatznachsorgeteam des Landkreises Aichach-Friedberg. Angela Hammerl leitet den Fachbereich der psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte im Landkreis. Sie arbeitet für die Psychologische Versorgung für Einsatzkräfte und bietet Hilfe im Hintergrund an. Die meisten Feuerwehrleute kämen zwar zu den Kameraden der eigenen Wehr, doch auch die Diplom-Pädagogin kann Unterstützung anbieten. Die Hilfe, die sie und das Team anbieten, sei individuell auf die Kameraden zugeschnitten und könne sie dabei unterstützen, durch die schwierige Zeit zu kommen.

Tod des Kissingers Erinnerungen weckt Erinnerungen an tödlichen Unfall im Juni

Das Unglück weckt Erinnerungen an einen Unfall auf B17 bei Landsberg vor einigen Monaten. Damals waren auf der B17 im Landkreis Landsberg eine 49-jährige Frau aus Stätzling mit ihrem Wagen, in dem die beiden zwölf und 14 Jahre alten Töchter sowie eine 14-jährige Augsburger Freundin der Mädchen saßen, tödlich verunglückt. Auch die zwei Geschwister waren Mitglieder der Jugendfeuerwehr Stätzling. Und auch im Juni war die Solidarität unter den Feuerwehren groß.

An dieser Stelle starben am 03.06.2020 eine Mutter, ihre zwei Töchter und deren Freundin aus Stätzling bei einem Verkehrsunfall. Die Einsatzkräfte haben dort ein Kreuz aufgestellt.
Bild: Thorsten Jordan

Bis heute konnte in diesem Fall die Unfallursache nicht exakt geklärt werden. Der Wagen war auf der Bundesstraße 17 von Schongau Richtung Landsberg unterwegs, als er bei Denklingen aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geriet und dort mit einem Lastwagen kollidierte. Inzwischen steht nach Angaben der Polizei Landsberg lediglich fest, dass kein technisches Versagen die Ursache war.

Im Fall des 13-Jährigen aus Kissing wird nun die österreichische Staatsanwaltschaft ein Sachverständigengutachten zum Unfall in Auftrag geben.

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