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Aichach-Friedberg

13.09.2019

Nur jeder fünfte Gemeinderat in Aichach-Friedberg ist eine Frau

Braucht es sogar eine Frauenquote, um die männliche Dominanz in der Lokalpolitik zu durchbrechen?
Bild: Ralf Hirschberger, dpa (Symbolfoto)

Plus In Friedberg und Aichach ist der Frauenanteil am höchsten. Anderswo im Landkreis spielen Politikerinnen aber kaum eine Rolle.

77 von 394 Sitzen in Aichach-Friedbergs Stadt- und Gemeinderäten sind von Frauen belegt – weniger als ein Fünftel. Eine Erste Bürgermeisterin hat keine der 24 Kommunen. Vor allem auf dem Land herrscht eine extrem ungleiche Verteilung. Zum Vergleich: Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei immerhin 31,2 Prozent und bekanntlich regiert seit 2005 mit Angela Merkel (CDU) eine Kanzlerin das Land.

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In Aichach-Friedberg haben es Politikerinnen schwer

Ist der Landkreis Aichach-Friedberg in der Region eine Ausnahme? Ja und nein. Im Landkreis Augsburg gibt es immerhin fünf Rathauschefinnen – das allerdings bei 47 Kommunen. Iris Harms (Bürgerliste Kühlental) in Kühlental, Cornelia Thümmel (CSU) in Mittelneufnach, Silvia Kugelmann (Unabhängige Gesamtgemeinde) in Kutzenhausen, Margit Jungwirth-Karl (CSU) in Walkertshofen und Erna Stegherr-Haußmann (SPD) in Adelsried machen somit auch gerade einmal rund zehn Prozent der Bürgermeisterstellen aus.

Innerhalb des Landkreises Aichach-Friedberg wiederum gibt es strukturelle Unterschiede. Der Frauenanteil im Altlandkreis liegt mit 22,5 Prozent über dem in den Gemeinden rund um Aichach mit 17,3 Prozent. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Dieser Umstand begründet sich vor allem darin, dass der Altlandkreis weniger, aber größere Kommunen besitzt.

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Kleine Orte oft mit weniger Frauen im Gemeinderat

Denn ein Trend zieht sich durch: Je kleiner die Kommune, desto geringer der Anteil an weiblichen Räten – so sitzen in den Gemeinderäten von Steindorf (970 Einwohner), Schmiechen (1362) und Schiltberg (1955) gar keine Politikerinnen. Drei der vier größten Kommunen in Aichach-Friedberg befinden sich im Altlandkreis: Friedberg, Kissing und Mering. In deren Stadt- und Gemeinderäten machen Frauen mindestens 25 Prozent der Räte aus, in Friedberg sogar 40 Prozent.

Auf die Berichterstattung der Friedberger Allgemeinen zum Thema gab es bereits Reaktionen. Der FDP-Kreisverband Aichach-Friedberg teilte mit: „Mit Cornelia Böhm haben wir eine starke Frau im Friedberger Stadtrat, die ihre Arbeit auch nach der Kommunalwahl im nächsten Jahr fortsetzen möchte.“

CSU Mering: Viele Frauen wollen nicht in die Politik

Martin Maus von der Meringer CSU schreibt zur Frage, wieso die Sitze in Gemeinderäten vor allem an Männer gehen: „Zum Beispiel, weil so wenig Frauen mitarbeiten wollen? Die CSU Mering habe es mit Mühe geschafft, etwa jeden dritten Listenplatz für die Kommunalwahl mit einer Frau zu besetzen.“

Die Bürgermeisterkandidatin der Meringer Grünen, Petra von Thienen, schrieb: „Definitiv braucht es mehr Frauen in Gemeinderäten. Sie direkt anzusprechen, haben wir mit unserem damischen Picknick versucht und viele positive Rückmeldungen erhalten. Es liegt nicht daran, dass Frauen nicht mitarbeiten ,wollen’.“

Augsburg hatte noch nie eine Oberbürgermeisterin

Von der benachbarten Großstadt Augsburg kann sich der Landkreis Aichach-Friedberg im Übrigen auch wenig abschauen – noch nie führte eine Frau als Oberbürgermeisterin dort die Amtsgeschäfte. Das könnte sich allerdings bald ändern: Eva Weber (CSU) gilt als aussichtsreiche Kandidatin für die Nachfolge ihres Parteifreundes Kurt Gribl bei der Kommunalwahl im März.

Bei den großen Fraktionen in Augsburg zeigt sich zudem ein Bild, das auch für Aichach-Friedberg zutrifft: Die CSU weist mit einem Frauenanteil von unter 20 Prozent ein enormes Missverhältnis auf, während die SPD beinahe paritätisch besetzt ist und die Grünen sich mit fünf Frauen und nur einem Mann sogar in einer umgekehrten Schieflage befinden.

Kommunalwahl 2020: Keine Bürgermeisterin in Aichach-Friedberg?

Bei der Kommunalwahl sind die Aussichten darauf, dass in Aichach-Friedberg Frauen in die Rathäuser gewählt werden, eher gering. In Mering tritt wie erwähnt Petra von Thienen für die Grünen an, doch nur mit Außenseiterchancen. In Friedberg erklärte sich Cornelia Böhm bereit, für die FDP als Rathauschefin zu kandidieren. Favorit dürfte aber Amtsinhaber Roland Eichmann (SPD) sein. In vielen Gemeinden gaben die Parteien noch nicht bekannt, wen sie ins Rennen schicken.

Gescheitert war Katrin Müllegger-Steiger im März in Kissing. Sie hatte für die Grünen 21,2 Prozent der Stimmen erhalten – Bürgermeister wurde dort Reinhard Gürtner (CSU).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Tom Trilges: Benachteiligung von Politikerinnen ist verheerend

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