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Friedberg

23.01.2019

Pater Markus Hau ist zu Gast beim König und beim Bettler

„Wir brauchen eine legale Form der Migration.“Der frühere Friedberger Stadtpfarrer Pater Markus Hau ist jetzt Missionssekretär der Pallottiner. Er reist nach Indien und Afrika, wo er unter anderem Schulen, Kinderheime und Projekte für Straßenkinder besucht.
Bild: Markus Hau

Der frühere Stadtpfarrer von Friedberg, Markus Hau ist jetzt Missionssekretär der Pallottiner. Er berichtet von seinen Projekten in Indien und Afrika.

Wenn Pater Markus Hau dieser Tage wieder nach Nigeria fliegt, steht auch ein Besuch beim König von Mbaukwu auf dem Programm. Diese Art von Kontaktpflege gehört einfach zu seiner neuen Aufgabe: Als Missionssekretär der Pallottiner bemüht der frühere Friedberger Stadtpfarrer sich um die Förderung der Projekte des Ordens in Afrika und Indien. Eben auch im Staat Nigeria, zu dem Mbaukwu gehört. In dem riesigen westafrikanischen Land (185 Millionen Einwohner), in dem das Durchschnittsalter bei 18 Jahren liegt, setzen die Pallottiner auf Jugendarbeit; sie haben im Süden des Landes ein Bildungszentrum für junge Menschen und ein Jugendzentrum eingerichtet. Was bringt ein solches Projekt, was kann die Kirche hier ausrichten?

Im Sommer 2017 übergab er sein Amt als Stadtpfarrer von Friedberg

Markus Hau, der sein Amt in Friedberg im Sommer 2017 an Pater Steffen Brühl übergab, war im vergangenen Jahr viel auf Reisen, um die Situation vor Ort einschätzen zu können. Nie kam er als Tourist, hat kaum eine Sehenswürdigkeit angeschaut, sondern lernte die Länder und die Menschen aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Zwei Millionen Euro an Spendeneinnahmen hat er jährlich zu verwalten, hinzu kommen Gelder des Provinzialats. Er will garantieren, dass die Summe in Absprache mit den Missionssekretären vor Ort bestmöglich eingesetzt wird. Der Priester verfolgt die aktuelle deutsche Debatte über Hilfsprojekte in Afrika. Und er hat erlebt, dass zum Beispiel Nigeria ein Land mit Potenzial ist. Trotzdem ist die Situation für viele junge Menschen dort aussichtslos. Man könne ihnen in Projekten wie dem Jugendzentrum Orientierung geben, hofft er – ihnen auch einen realistischeren Blick auf Deutschland und ihre Chancen dort vermitteln.

Der frühere Friedberger Stadtpfarrer Pater Markus Hau ist jetzt Missionssekretär der Pallottiner. Er reist nach Indien und Afrika, wo er unter anderem Schulen, Kinderheime und Projekte für Straßenkinder besucht.
Bild: Markus Hau


Pater Markus Hau ist zu Gast beim König und beim Bettler


Hau sieht Möglichkeiten, aus dem westafrikanischen Staat Menschen gezielt nach Deutschland kommen zu lassen. „Wir brauchen eine legale Form der Migration. Es sei aber von der Politik die falsche Antwort zu sagen: „Ich mache jetzt was in Afrika und nehme deswegen keine Flüchtlinge mehr auf.“ Hilfe könne nur langfristig wirken. Und hier sei die Kirche ein gutes System – sie habe einen langen Atem, könne gleichzeitig so gut wie überall auf der Welt auf vorhandene Strukturen zurückgreifen und so helfen neue aufzubauen.

So geschieht es gerade in Nigeria oder in Malawi, einem bettelarmen Land in Südostafrika, in dem die Pallottiner erst relativ kurz vertreten sind. Hier ist Pater Haus Vorgänger Bruder Bert Meyer als „Aufbauhelfer“ im Einsatz. Es geht um einfache Projekte wie den Bau einer Maismühle und eines Getreidelagers. Es soll Bauern helfen, für Hungersnöte gerüstet und dem Niedrigpreis gleich nach der Ernte nicht ganz so sehr ausgeliefert zu sein. In Kamerun dagegen sind die Pallottiner schon lange vertreten, ebenso wie in Indien.

Der frühere Friedberger Stadtpfarrer Pater Markus Hau ist jetzt Missionssekretär der Pallottiner. Er reist nach Indien und Afrika, wo er unter anderem Schulen, Kinderheime und Projekte für Straßenkinder besucht.
Bild: Markus Hau


1600 Kinder leben auf dem asiatischen Subkontinent in 18 Heimen, die die Pallottiner betreiben. Es sind keine Waisen, sondern meist Kinder armer Bauern vom Land, die im Internat wohnen müssen, um eine Schule besuchen zu können. In Afrika wie in Indien versucht der Orden laut Hau dort zu helfen, wo Not ist – unabhängig von Ethnie, Geschlecht oder Religion. So gibt es Projekte für Straßenkinder in afrikanischen Slums ebenso wie für HIV-infizierte Frauen in Indien, die dort wie Aussätzige behandelt werden.

Markus Hau kam im vergangenen Jahr viel herum, hat im Himalaya in einer Bambushütte übernachtet und in Mumbai eine Pfarrei besucht, die drei Slums betreut. Und obwohl der gebürtige Rheinländer sich freut, neue Menschen kennenzulernen, hat er natürlich nicht nur Positives erfahren.

„Man merkt, wie verwöhnt wir sind, in einem funktionierenden Staat zu leben.“ Sorge machen ihm dysfunktionale Demokratien, Wasserverknappung, aber auch die zunehmenden Repressionen, denen Christen in Indien ausgesetzt sind. Er weiß nicht, ob Ordensgemeinschaften dort künftig ihre Projekte noch betreiben dürfen. Dabei gäbe es seiner Ansicht nach viele Ansätze. In Indien setzt man nun zum Beispiel auf Solaranlagen für die Heime, damit die Schüler auch abends lesen und lernen können – eine Investition, die Energiesicherheit und Nachhaltigkeit verbindet. In Nigeria könnte er sich angesichts der Unmengen von Plastikmüll ein Recycling-Projekt vorstellen.

Zwei Friedberger begleiten ihn in Indien

Ist all das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Pater Hau sieht das anders, auch aus seinem Glauben heraus. Man könne immer nur im Kleinen wirken. „Ich bin immer noch naiv“, sagt er fröhlich. Naiv allerdings nicht im Hinblick auf die Zustände vor Ort oder die Korruption, mit der er umzugehen hat. Aber er habe sich seine Fähigkeit bewahrt, vertrauensvoll auf Menschen und Situationen zuzugehen. Er will seine neue Aufgabe noch jahrelang erfüllen. Nun geht es wieder nach Afrika und Indien – wo ihn übrigens Daniel Götz und Thomas Treffler vom Team des Karitativen Christkindlmarktes zwei Wochen lang begleiten.

Der frühere Friedberger Stadtpfarrer Pater Markus Hau ist jetzt Missionssekretär der Pallottiner. Er reist nach Indien und Afrika, wo er unter anderem Schulen, Kinderheime und Projekte für Straßenkinder besucht.
Bild: Markus Hau


Doch bei aller Neugier und Reiselust ist er froh, dass er immer wieder nach Friedberg zurückkehren kann. Hier hat er sein Büro. Und hier hat er vor allem seine Freunde, die er in den Jahren als Stadtpfarrer kennen und schätzen gelernt hat.

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