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Natur

09.10.2017

Sammeln, saften, süffeln

Die Merchinger Saftprofis: Johann Fabian, Jochen Preisler und Karl Schimpfle (von links).
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Die Merchinger Saftprofis: Johann Fabian, Jochen Preisler und Karl Schimpfle (von links).
Bild: Elisa Glöckner

In der Merchinger Kelterei des Obst- und Gartenbauvereins setzt man auf Nachhaltigkeit. Sogar der Abfall wird verwertet. Weshalb die Kunden das Mosthäusl so schätzen.

Die Handgriffe sitzen im Merchinger Mosthäusl. Johann Fabian presst hier seit gut 25 Jahren Saft – jede Saison von Mitte August bis Anfang Oktober. „Wenn die ersten Äpfel reif sind und die Nachfrage groß genug ist“, fügt er hinzu. Schon seit den frühen Morgenstunden steht er hinter der Abfüllanlage. Wie bei seinen Kollegen Karl Schimpfle und Jochen Preisler erkennt man den Kelterer an den Füßen: Gummistiefel sind bei den Merchinger Saftprofis Pflicht. Denn das Entsaften der Früchte ist oft eine ziemlich matschige Angelegenheit.

In kurzen Abständen kommen Kunden an – im Gepäck schleppen sie Körbe voll bepackt mit Birnen und Äpfeln, die sie meist aus eigenen Gärten aufgelesen haben. Pro mitgebrachtem Zentner nehmen sie rund 30 Liter Saft mit nach Hause, so besagt es zumindest die Faustregel. Der Liter kostet 40 Cent.

Bei 80 Grad wird der Saft haltbar gemacht

Zunächst wird das Fallobst gewaschen. Nachdem es der Häcksler zerstückelt hat, wird es gepresst. Schließlich wird die Flüssigkeit bei 80 Grad pasteurisiert. „So ist der Saft länger haltbar“, sagt Johann Fabian und füllt ihn in Beuteln von fünf bis zehn Litern ab. Verwertet werden im Merchinger Mosthaus sogar die Reste.

Jäger wie Hans Weiß bekommen den sogenannten Trester überlassen – das sind Rückstände, die beim Pressvorgang der Äpfel entstehen. „Wir verfüttern den Trester an Rehe, um so den Verbiss an den Pflanzen im Wald zu verhindern“, sagt der Jäger. Die Kunden der Kelterei kommen teils von weit her, um eigenen Obstsaft pressen zu lassen. „Mering, Augsburg, Moorenweis“, zählt Karl Schimpfle auf.

Aus Dünkelbach bei Moorenweis ist beispielsweise Johann Winterholler angereist. Nicht zum ersten Mal, wie er erzählt. Zwölf Liter Most hat der 70-Jährige schon zuhause gelagert. Weitere zehn sollen es an diesem Tag werden. „Der Saft schmeckt besser als der aus dem Supermarkt“, ist er sich sicher.

Bis zu 5000 Liter Saft pro Jahr

Im Jahr fabriziert der Obst- und Gartenbauverein Merching etwa drei- bis fünftausend Liter Saft. Die Menge hänge von den jeweiligen Obsterträgen ab, sagt Fabian. „Heuer werden es wohl dreitausend Liter. Mehr nicht“, betont er. Grund dafür ist der Frost im Frühling: Niedrige Temperaturen haben den Früchten stark zugesetzt. Deshalb falle die Ernte überall nur mäßig aus, erklärt Fabian. Auch in Dünkelbach bei Moorenweis: „So viele Äpfel wie in den vergangenen Jahren gab es heuer nicht“, sagt Johann Winterholler. Immerhin tragen seine Bäume alte Obstsorten. „Die eignen sich gut fürs Saften.“

Die einen beschränken sich beim Mosten auf Äpfel. Andere wie Helga Schultheis reichern den Saft mit Quitten und Birnen an. Auch sie kommt jedes Jahr zwei Mal in das Merchinger Mosthäusl. Schon drei Wochen zuvor hat sie von frühen Apfelsorten 50 Liter Saft gezogen. Heute hat sie eine bunte Mischung mitgebracht – darunter auch Birnen. „Die machen den Saft milder“, findet sie. Am liebsten mischt sie ihn mit Ingwerwasser, Wasser und einem Spritzer Zitronensaft. „Ich bin ein Gesundheitsapostel“, sagt Schultheis und lacht herzhaft.

Die Geschmäcker sind verschieden

Karl Schimpfle bevorzugt den Saft dagegen pur. „Geschmackssache“, sagt er mit einem Schmunzeln. Nicht nur Saft, auch leckerer Wein lässt sich aus den Früchten zaubern. „Wir pressen den Most, die Leute nehmen ihn roh mit nach Hause und geben selbst Dinge hinzu. Da hat jeder seine Tricks“, erklärt Karl Schimpfle.

Jochen Preisler zum Beispiel vermischt den Saft nur mit Weinhefe. „Die Gärung setzt ein und der Zucker verwandelt sich in Alkohol“, erläutert er. Am Ende des Vorgangs steht Apfelwein mit ungefähr fünf Prozent Alkohol. Aber: „Je süßer der Saft, desto mehr Alkohol besitzt der Most“, so Preisler weiter.

In einem Punkt sind sich die Saftprofis aus Merching einig: im Umgang mit den Kunden. „Das Wichtigste an der Arbeit ist, mit den Menschen zu reden“, weiß Johann Fabian. Nur wenn sie zufrieden sind, kämen sie wieder – wie etwa Johannita Meyer, die fast jede Woche aus kleinen Obstmengen Most pressen lässt. „Ich nehme ihn kalt mit und verteile den Saft an Freunde, Nachbarn und Verwandte.“

Meyer ist froh, dass es ein Mosthäusl wie das in Merching gibt. „Man kann kommen, wie das Obst von den Bäumen fällt.“ Dazu werde man individuell bedient und leiste man einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Und auch Jochen Preisler lobt scherzhaft: „Der beste ,Saftladen’, den ich kenne.“ Noch sind Termine frei.

Kontakt Infos und Anmeldungs gibt es bei Johann Fabian unter Telefon 0176/97598108.

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