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Brauchtum

09.11.2018

Sankt Martins Pferd

Beate Schindlmeiers sanftmütiger Samba ist beim Umzug dabei, wenn Dominik in das Gewand des heiligen Martin schlüpft.

Warum nicht jedes Ross als Begleiter für den Heiligen eingesetzt werden kann und wie die Tiere es schaffen, die beim Laternenumzug die Nerven zu behalten.

Sankt Martin ist ein Held: hilfsbereit, bescheiden und mutig. Jeder kennt die Geschichte, wie der schmucke Gardeoffizier bei klirrender Kälte seinen Mantel mit einem armen Bettler teilt. Dabei sitzt er auf seinem edlen Ross. Genau so ein treues Pferd ist „Samba“, der mit seinem jungen Reiter Dominik den diesjährigen Merchinger Martinsumzug anführen darf.

„Ein sehr gutmütiges Pferd. Es macht das unglaublich gerne“, lobt Beate Schindlmeier ihren Schützling, der zur südamerikanischen Kaltblüter-Rasse der Criollo gehört und als starkes, verlässliches und vor allem entspanntes Arbeitstier geschätzt wird. Samba hat gutmütige, fröhliche Augen, aber er ist bis auf die weiße Blesse schwarz – eine Farbe, die für Wildheit und Selbstbewusstsein bei Pferden steht. Rein optisch hätte sich Beate Schindlmeier eigentlich ja immer einen Schimmel für St. Martin gewünscht, verrät sie – aber die Tiere, die ihr dabei zur Verfügung stehen, haben nicht den geeigneten Charakter.

Denn nur die wenigsten verfügen über die besonderen Anforderungen, die ein Martinspferd braucht. Es muss Kinder lieben, absolut entspannt sein, sich in Sicherheit fühlen, auf seinen Führer vertrauen und auch auf sich selbst aufpassen können. „Das Tier muss es wollen“, betont Beate Schindlmeier.

Das geht nur, wenn das Pferd in seiner Herde, artgerecht und mit Respekt gehalten wird. Auf ihre Tiere muss sich Schindlmeier auch im Alltag blind verlassen können. Sie tragen neben kleinen und großen Reitern auch besondere Menschen mit körperlichem oder geistigen Handicap. Ihre Pferde sind entspannt. Normalerweise fliehen sie vor lauten Geräuschen, wie es bei der Blaskapelle der Fall ist, die den Martinszug begleitet. Auch Feuer kann die Tiere erschrecken. Samba jedoch nicht: Vor zwei Jahren war er erstmals dabei, als Test, ob er die inzwischen altgediente Rosanna ablösen können wird – den Testeinsatz hatte er trotz Schneetreibens und beißenden Winds mit Bravour gemeistert. Jetzt trainiert er jährlich zwei Mal und noch einmal speziell vor dem Martinsumzug mit lauter Radiomusik im Stall, offenem Feuer oder einer bunten Flattergardine. Kinder oder Bauernhoftiere sieht er sowieso täglich.

An St. Martin wird Erstklässler Dominik als römischer Soldat mit rotem Mantel und Schwert auf Samba wieder in Begleitung von Beate Schindlmeier und einer Gruppe Kinder samt Laternen über Feldwege von Steinach nach Merching zum Umzug losreiten – ein liebgewordenes Ritual, das Beate Schindlmeier selbst sehr genießt. Obwohl und vielleicht gerade deswegen weil die Liedzeile „St. Martin ritt durch Schnee und Wind“ da geradezu körperlich fühlbar wird. Die Botschaft, die Martin als Mensch vermittelt, empfindet sie selbst als unglaublich stark und wertvoll: „Deswegen möchte ich es meinen Reitkindern gerne ermöglichen, einmal selbst St. Martin sein zu dürfen. Sie sind immer so glücklich, so stolz, einmal im Mittelpunkt zu stehen.“ Alle, vom „Martinstrupp“ genießen es, wenn es langsam dunkel wird, sich immer mehr Kinder aus den Häusern mit ihren bunten Laternen anschließen, je näher sie zum Kindergarten Merching kommen, an dem der Zug startet.

Auch Samba. „Er macht das gerne“, betont Beate Schindlmeier. Selbst wenn sich der Rückweg am Ende nach Steinach etwas zieht – Samba weiß genau: „Im Stall wartet ein großer Kübel mit Leckereien.“

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