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Friedberg

16.01.2019

Schnaps bei der Tiefgaragenparty – geht das?

Bislang gibt es bei der Tiefgaragen-Party am Faschingsdienstag in Friedberg nur Bier. Das könnte sich wieder ändern.
Bild: Elisa Glöckner

"Süß und stark": Eine Suchtberaterin sagt, was sie von Cocktails bei der Jugendveranstaltung beim Fasching in Friedberg hält.

Der Jugendclub würde die Tiefgaragenparty am Faschingsdienstag gerne wieder selber veranstalten und dort auch Cocktails ausschenken, um die Fete finanzieren zu können. Da Hochprozentiges dort nach Entgleisungen im Jahr 2012 tabu war, muss darüber am Donnerstagabend der Stadtrat entscheiden. Die Meinungen sind im Vorfeld gespalten – selbst bei einer Expertin wie Simone Hiller vom Präventionsprojekt „Halt“ der Caritas.

Sie sagt grundsätzlich: „Es ist ein tolles Statement, dass die Party seit Jahren schnapsfrei lief.“ Dieses Konzept sollte man ihrer Meinung nach nicht ohne Not aufgeben. Das Gefährliche an Longdrinks und vor allem Cocktails sei die Kombination „süß und stark“. Gerade junge, nicht trinkerfahrene Menschen könnten dadurch die Wirkung schwer einschätzen; Trinkmenge und Trinkgeschwindigkeit stiegen durch die Süße. Das sei bei Wein oder Bier anders.

Allerdings räumt die Sozialpädagogin ein, dass sich der Jugendclub viele Gedanken über das Konzept und den Jugendschutz gemacht habe. Verschiedenfarbige Stempel für die Altersgruppen, ein abgesperrter Bereich, aus dem die Cocktails nicht heraus und weiterverteilt werden können: das seien kreative Ideen. Ob eine Sichtschutzwand aber so ganz das Richtige ist, bezweifelt sie, denn: „Für Jüngere ist natürlich alles interessant, was sich hinter so einer Wand abspielt.“

In Friedberg soll es Getränke mit maximal 13 Prozent Alkoholgehalt geben

Wichtig ist ihrer Meinung nach, den Zugang zum Barbereich genau zu kontrollieren – und ebenso die Mischung der Cocktails. Wie berichtet, soll es nach Aussage des Jugendclubs keine Drinks mit mehr als 13 % Alkoholgehalt geben. Auch auf Jugendfestivals in der Region werden solche Cocktails verkauft; die Zahl der Betrunkenen dort hält sich trotzdem in Grenzen, wie Hiller beobachtet hat. Sie sagt, das liege daran, dass gerade junge Menschen vor allem trinken, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben und locker beisammen zu sein. Bei Festivals entstehe dieses Gefühl auf andere Art: „Es muss etwas geben, dass interessanter ist als zu trinken.“

Auch beim „Halt“-Projekt gehe es nicht darum, ganz mit dem Trinken aufzuhören, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit zu lernen. Und den gelte es zu unterstützen. So könnte bei der Party mithilfe eines Sponsors kostenloses Wasser angeboten und es offiziell „beworben“ werden, zwischendurch ein Glas davon zu trinken – denn so ein Faschingsdienstag sei lang. Problem bei Jugendlichen sei oft, dass sie sich nicht bewusst sind, wie stark Schnaps ist und daher zu viel zu schnell trinken. Das Problem: Es dauert mindestens 30 Minuten, bis der Körper den Schnaps vollkommen aufgenommen und der Alkohol seine Wirkung entfaltet hat.

Hiller sieht aber auch Eltern in der Verantwortung. Sie sollten mit ihren Kindern vorab besprechen, was und wie viel sie trinken. Auch wenn Jugendliche davon nicht begeistert wirken, zeigen Studien, dass die Ansicht der Eltern für sie zählt und Wirkung hat.

Mehr zum Hintergrund des Schnapsverbots und dem Konzept des Jugendclubs lesen Sie in dem Artikel:

Friedberger Fasching wieder mit Schnaps?

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