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Justiz

28.05.2015

Selbst gebastelte Kinderpornos: Angeklagter muss Geldstrafe zahlen

Etliche verbotene Dateien werden bei einem 60-Jährigen gefunden. Selbst vor Gericht zeigt er sich uneinsichtig. Warum er sich trotz Geständnis für unschuldig hält.

Das Thema Kinderpornografie ist nicht erst seit der Affäre um SPD-Politiker Sebastian Edathy ein heikles. Ein 60-Jähriger aus dem Landkreissüden musste sich wegen dem Besitz entsprechenden Materials vor dem Amtsgericht Aichach verantworten. Die Pornos begründete er mit privaten Fortbildungsmaßnahmen.

Nervös sitzt der Angeklagte im Amtsgericht, der Platz neben ihm ist frei, eine Verteidigerin brauche er nicht. Freiwillig ist er hier, er hatte gegen eine Geldstrafe Einspruch erhoben. Laut Anklageschrift soll er im Besitz mehrerer Speichermedien mit kinderpornografischen Inhalten gewesen sein. Nachdem im Frühjahr 2014 ein Bauarbeiter zufällig das verbotene Material durch das Fenster des Angeklagten erblickt hatte, fand die Polizei bei einer späteren Hausdurchsuchung sowohl Bild- als auch Videodateien. Darunter auch Aufnahmen seiner beiden heute erwachsenen Kinder. „Ich habe sie beim Baden gefilmt. Das macht jeder und ist nicht verboten“, sagte der Angeklagte. Laut Anklage soll die Kamerahaltung aber bewusst so gewählt worden sein, dass die Genitalien im Fokus stehen.

Auch sollen Bilder gefunden worden sein, die per Bildbearbeitungsprogramm so verändert wurden, dass eindeutig kinderpornografisches Material entstanden ist. Dies bestätigte auch ein Polizeibeamter, der bei der Auswertung dabei gewesen war und als Zeuge erschien. „Es waren hunderte von Bildern, die wir gesichtet haben. Auf Laptop, Kamera, DVD-Player und USB-Stick“, sagte der Zeuge. Auch Richter Walter Hell hatte die Bilder vor sich liegen: „Sie haben mit dem Programm den Kindern Genitalien hinmontiert, das ist eindeutig zu erkennen.“ Der Angeklagte bestätigte, dass es sich um seine Bilder handle. „Ich habe niemanden heimlich gefilmt. Den Kindern wurde keine Gewalt angetan“, sagte der Angeklagte.

Berufliche Gründe sollen dahinter stecken

Hell wies ihn darauf hin, dass dann der Fall noch schlimmer wäre: „Es ist egal, was sie mit dem Material machen, allein der Besitz ist strafbar“, sagte Hell. Der Anklage pochte auf seine Unschuld. Er habe die Bilder legal erworben, „etwa aus einer FKK-Zeitschrift“ und dann „lediglich“ zusammengeschnitten: „Ich wollte meine technischen Fähigkeiten mit dem Programm ausbauen, aus beruflichen Gründen. Das geht am besten mit menschlichen Körpern“, sagte der 60-Jährige. „Mir ist egal, wo sie die Bilder herhaben“, erwiderte der Richter, dennoch gab er dem Angeklagten die Chance seinen Einspruch zurückzuziehen. „Sie können den Schaden in Grenzen halten, wenn sie jetzt einlenken. Ansonsten wird die Strafe höher ausfallen.“

Auch jetzt wollte der Angeklagte seine Lage nicht einsehen: „Das ist für mich keine Pornografie.“ Staatsanwalt Alexander Müller forderte eine Bewährungsstrafe von vier Monaten. Richter Walter Hell verurteilte den nicht vorbestraften Mann zu einer Geldstrafe von insgesamt 4000 Euro, außerdem bleiben seine Daten in Polizeigewahrsam. „Der Fall ist eindeutig. Sie waren uneinsichtig, dennoch hoffe ich, dass Sie es nun verstehen können“, gab Hell ihm mit auf den Weg und fügte hinzu „durch die umfangreiche Berichterstattung sollte es jeder kapiert haben.“

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