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Senioren brauchen zum guten Wohnen mehr als eine breite Eingangstür

Kommentar Von Ute Krogull
09.01.2021

Plus Die Gewerkschaft IG Bau warnt davor, dass alte Menschen im Landkreis Aichach-Friedberg ins Heim müssen, weil ihre Wohnungen nicht seniorengerecht sind. Was ist da dran?

Jeder kennt diese Fälle: Die alte Frau mit Gehbehinderung, die ihre Wohnung im ersten Stock nicht mehr verlässt, weil die Treppe für sie eine unüberwindliche Hürde ist. Die IG Bau warnt nun davor, dass Senioren im Landkreis Aichach-Friedberg ins Altenheim müssen, weil sie keinen geeigneten Wohnraum finden. Was lässt sich dagegen tun?

Problemlos scheinen Wohnungen in Neubauten - allerdings nur auf den ersten Blick. Sie sind schwellenarm - rein äußerlich gesehen erfüllen sie also die Kriterien für seniorengerechtes Wohnen. Aber damit Senioren gut wohnen, braucht es mehr als eine breite Eingangstür. Alte Menschen benötigen eine gute Infrastruktur von Lebensmitteln bis zum Arzt, wünschen sich eine gute Anbindung an den ÖPNV und wollen oft dort sein, wo Leben herrscht. Projekte wie die Seniorenwohnungen der Baugenossenschaft Friedberg und das Betreute Wohnen in Ried weisen in diese Richtung. Kommunen tun so gesehen gut daran, neue Nutzung von frei werdenden Flächen in den Ortskernen zu fördern. Bleibt die Frage: Wer kann sich Wohnen dort leisten?

Menschen, die ihr mühsam erspartes Haus verkaufen, um dann den Großteils des Erlöses in eine seniorengerechte Wohnung in guter Lage zu stecken, schlucken oft erst einmal. Wer nicht auf Rücklagen zurückgreifen kann, tut sich noch schwerer. Angesichts der hohen Mieten in solchen Objekten bleibt die Hoffnung auf geförderten Wohnraum. Um dem Bedarf Alleinstehender - das sind Senioren vergleichweise häufig - Rechnung zu tragen, hat die Stadt Friedberg den Anteil von Single-Wohnungen in den Neubauten an der Afrastraße aufgestockt.

Sollten Senioren renovieren oder umziehen?

Was wäre die Alternative? Die Wohnung umzubauen, kostet ebenfalls Geld. Förderprogramme dafür aufzustocken ist wichtig. Gerade alte Menschen scheuen aber den Aufwand, Lärm, Dreck, Entscheidungsdruck. Wenn es soweit ist, stellen sie sich oft die Frage: Lohnt sich das noch?

Es hilft nur, sich rechtzeitig, am Besten Jahre im voraus, Gedanken zu machen, im Gespräch mit Angehörigen, mit einer Beratungsstelle und Fachleuten, welcher Weg der richtige ist. Da können Stadt und Landkreis, Kommunen und Baugenossenschaften noch so viel anbieten: Die Entscheidung können sie niemandem abnehmen - allenfalls durch ein gutes Angebot erleichtern.

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