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Kissing

09.07.2020

Sie erhalten den Wald von Gut Mergenthau in schwierigen Zeiten

Ulrich Resele mit Lebensgefährtin und Gutsbesitzerin Monika Fottner.
Bild: Gut Mergenthau

Plus Klimawandel, Borkenkäfer und Eschentriebsterben schädigen den Baumbestand des Guts Mergenthau bei Kissing. Wie die Waldbesitzer reagieren.

Sieht man das herrschaftliche Gut Mergenthau mit den gepflegten Anlagen inmitten malerischer Natur, dann träumt wohl so manche Spaziergängerin davon, hier als Gutsherrin über die Kieswege zu schreiten. Dass die Verwaltung dieses Landsitzes mit seinen 230 Hektar Wald allerdings harte Arbeit bedeutet, sehen die wenigsten.

Das Anwesen bei Kissing, das vor allem durch seine Veranstaltungen Lebensraum Garten und die Waldweihnacht bekannt ist, lebt zum großen Teil von der Forstwirtschaft. Keine leichte Aufgabe. Das Business mit den Bäumen ist in Deutschland stark reglementiert: Forstbesitzer sind nach den Bundes- und Landeswaldgesetzen verpflichtet, ihre Wälder „ordnungsgemäß und nachhaltig“ zu bewirtschaften.

Den Waldbestand des Guts Mergenthau zu pflegen und zu erhalten, ist keine leichte Aufgabe.
Bild: Gut Mergenthau

Ein unabhängiger Forstsachverständiger legt alle zehn Jahre in einer sogenannten Forsteinrichtung fest, wie der Wald optimal gepflegt und wie viel Holz jährlich entnommen werden kann, ohne dass die Nachhaltigkeit beeinträchtigt wird. „An diese Richtlinie halten wir uns. Leider ist eine geregelte Forstwirtschaft bereits seit vielen Jahren nicht mehr möglich, da wir nur noch mit Kalamitäten, das heißt Holz, das durch Sturm, Trockenheit oder den Befall von Schädlingen gefällt werden muss, arbeiten können“, berichtet Gutsbesitzerin Monika Fottner.

Gut Mergenthau: Eschentriebsterben schlägt mit voller Wucht zu

Erst kürzlich schlug das Eschentriebsterben mit voller Wucht zu: Unzählige Eschen mussten gefällt werden. „Wir haben in unserem Wald sehr viel Eschen stehen, da diese mein Großvater gepflanzt hat. Der Ausfall der Esche und das enorme Aufkommen von Sturm- und Käferholz hat dramatische wirtschaftliche Auswirkungen für uns Waldbesitzer“, erklärt Fottner. Denn die Lager sind voll, der Holzpreis ist im freien Fall. Die Corona-Krise hat diese Situation noch weiter verschärft, weil die Sägewerke nur noch wenig Holz verkaufen können. Man bekomme zur Zeit kaum die Kosten, die für die Aufarbeitung des Holzes entstehen, bezahlt.

Eine schwierige Zeit: „Unser Wald wird seit fast 200 Jahren von unserer Familie bewirtschaftet und ist uns eine Herzensangelegenheit. Unsere Vorfahren haben mit sehr viel Engagement, Mut und Weitsicht den Wald gepflegt. Davon profitieren wir noch heute. Nun sieht er wie von Motten zerfressen aus und es sind große Löcher mitten in den Beständen entstanden. Sturm und Borkenkäfer haben jetzt ein leichtes Spiel“, bedauert die Gutsbesitzerin.

Doch sie kämpft gemeinsam mit Lebensgefährte Ulrich Resele dagegen an. Mithilfe einer Naturverjüngung will man einen neuen Wald bekommen. „Durch die Vielzahl der Baumarten haben wir auch verschiedene wertvolle Samenbäume, die wir zur Verjüngung des Waldes dringend benötigen. Und durch eine engagierte Jagd schaffen wir es, fast alle Baumarten ohne Verbissschutz gegen Rehe durchzubringen“, ergänzt sie.

Gut Mergenthau bei Kissing: Borkenkäfer befallen Bäume

Auch sei eine schnelle Reaktion gefragt, wenn Borkenkäfer Bäume befallen. Man müsse das Holz sofort einschlagen und möglichst zeitnah aus dem Wald bringen, um größeren Schaden abzuwenden, veranschaulicht Resele. Er berichtet, dass man die Energieholzvermarktung mit Kaminholz und Hackschnitzeln aus Mergenthauer Wäldern stark ausgebaut habe. Der größte Teil des Holzes wird über einen Forstzusammenschluss im Landkreis verkauft. „Diese Solidargemeinschaft aus kleinen und größeren Waldbesitzern ist wichtig, denn nur so ist eine Positionierung am Markt überhaupt noch möglich.“

Hoffnung macht ihm, dass der Staat für dieses Jahr Unterstützung zugesichert und neue Förderprogramme beschlossen hat. „Das ist positiv, jedoch ist die Situation der Waldbesitzer seit vielen Jahren wirtschaftlich so schlecht, dass man mit unserer Waldgröße definitiv nicht mehr davon leben kann. Unabhängig davon ist der Zustand der Wälder sehr besorgniserregend. Das sollte die Bevölkerung zum Nachdenken bringen. Denn wenn wir weiterhin in diesem rasanten Tempo unseren Wald verlieren, hat das dramatische Folgen für die ganze Gesellschaft, da der Wald maßgeblich für unseren Sauerstoff sorgt und als Wasserspeicher für unser Trinkwasser dient.“

Das Gut Mergenthau trägt außerdem wesentlich zum Artenschutz bei, indem man etwa natürlicherweise entstandene Biotope und Biotopbäume der weiteren Entwicklung lässt und nicht eingreift. Ebenso lässt man viel Totholz stehen und liegen, um verschiedenen Tieren Lebensraum und Nahrung zu bieten. Resele erläutert: „Das bedeutet, dass wir bewusst auf Ertrag verzichten, weil wir den Blick auf das gesamte Ökosystem als äußerst wichtig erachten.“ Ärgerlich ist es dann, wenn Menschen durch ihr Freizeitverhalten die Wildtiere permanent unter Stress setzen, etwa indem Mountainbiker kreuz und quer durch den Wald fahren.

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