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Mering

21.11.2020

So lief der letzte Tag bei der Meringer Bäckerei Dilger

Letzter Tag eines langjährigen Teams. Petra Trumm zweite von rechts mit ihren Bäckereifachverkäuferinnen.
Bild: Heike John

Plus Einen großen Ansturm erlebte die Bäckerei Dilger in den letzten Tagen vor Schließung ihrer Backstube. Neben Bienenstich und Klosterbrot trauern manche auch Colakrachern und Balla Balla Schlangen nach.

In der Nacht von Freitag auf Samstag zog noch einmal Mal der Duft von frisch gebackenem Brot um den Meringer Marktplatz. Ein letztes Mal standen Markus Trumm und seine Frau Petra in ihrer Backstube, um Brot und Semmeln, aber auch Gebäck herzustellen. Eine Vitrine im Laden war am Samstag ganz dem tags zuvor reservierten Bienenstich vorbehalten. Päckchenweise und mit Namen der Kundschaft versehen lag die fast schon legendäre Dilger-Spezialität zur Abholung bereit.

„Habt ihr noch Bienenstich?“, war eine der häufigsten Fragen der Kunden. Für den Endspurt in der Bäckerei standen dem Bäckerehepaar Markus und Petra Trumm noch einmal alle vier Fachverkäuferinnen zur Seite. Sie hatten alle Hände voll zu tun, denn die Schlange der Kunden vor der Ladentür war lang. Alles was an Mehl und Backzutaten da war, wurde für die letzten Verkaufstage verarbeitet.

Die Thekenvitrinen leerten sich aber so schnell, dass das Bäckereifachgeschäft an seinen letzten Tagen jeweils ein, zwei Stunden früher schloss, weil alle Ware ausverkauft war. „Nie mehr Auszogne vom Dilger am Marktsonntag“, bedauert Sabine Mass und schwärmt vom tollen Knödelbrot, den erfrischenden Joghurttörtchen und der Ambérieutorte, die der Bäckermeister im Rahmen der Städtepartnerschaft mit einer Krokantschicht und zweierlei Sahne kreierte. „Schade, jetzt gibt’s nur noch Fabriksemmeln in Mering“, kommentierte Michael Thibaut, als er am Samstag mit der Bäckertüte den Laden verließ.

Kundin Michaela Meesmann vor der Ladentheke mit den reservierten Bienenstich-Paketen. Das Feingebäck vom Dilger wird mir fehlen!
Bild: Heike John

„Ich bin immer gerne hierhergekommen, obwohl das für mich als Münchenpendler mit den Öffnungszeiten nicht ganz ideal war“, erklärt Gernot Ritter und wünschte dem Team beim Abschied alles Gute. Neben dem Roggenbrot, den Römersemmeln und den Croissants schätzte er besonders auch die große Kundenfreundlichkeit.

Wann immer sie Zeit hatte kam auch Hedwig Chromy auf einen Kaffee zum Dilger. „Vor Corona habe ich mich immer gerne an den Stehtisch gestellt und Leute beobachtet. Das ist jetzt vorbei und mein Klosterbrot muss ich jetzt auch verzichten“, sagt sie ein wenig wehmütig. In Erinnerungen schwelgte auch ein junger Mann Anfang 20, der draußen vor dem Laden vorbeikam. „Der Dilger hat meine Grundschulzeit in der Luitpoldstraße versüßt“, erinnert er sich. Für 20 oder 30 Cent ließen er und seine Schulfreunde sich beinahe täglich vor oder nach dem Unterricht eine Süßigkeitentüte mit Esspapier, Center Shock Kaugummis, Colakracher, Balla Balla Schlangen und sauren Zungen füllen.

Nach 36 Jahren in der Bäckerei Dilger rechts muss sich Bäckereifachverkäuferin Martina Luber nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.
Bild: Heike John

Noch ein letztes Mal brachte Martina Luber am Samstag auch Kaffee und Wurstsemmeln über die Straße zu Konrad Krebold auf den Marktplatz, wo der Landwirt samstags immer seine Kartoffeln verkauft. 36 Jahre lang und somit noch vier Jahre länger als ihre Chefin Petra Trumm arbeitete Martina Luber in der Bäckerei Dilger. 1984 begann sie bei Helga und Regina Dilger ihre Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin und war seitdem dem Geschäft treu. „Künftig werde ich in einer ganz anderen Branche arbeiten, denn zu einem großen Bäcker mag ich nicht“, sagt sie. Wie es ist ohne Dilger zu leben, könne sie sich nach dieser langen Zeit eigentlich noch gar nicht vorstellen.

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