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Friedberg

15.06.2020

So will Friedberg mehr Krippenplätze schaffen

Wer betreut die Kleinsten? In Friedberg fehlen 92 Plätze, die Stadt sucht nach Lösungen.
Bild: Ida König (Symbolbild)

Plus In Friedberg fehlen 92 Plätze für Ein- bis Dreijährige. Nun sollen möglichst schnell weitere Einrichtungen für die Kleinsten aus dem Boden gestampft werden.

Die Not von Eltern mit Kleinkindern in Friedberg ist groß: Vielen von ihnen wurde der Antrag auf einen Krippenplatz abgelehnt. Auf Facebook beratschlagen Eltern, wo es noch Plätze geben könnte. Auch der Stadtrat sieht das Problem.

Er hat Lösungen, doch auch die sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Ausgangslage ist, wie der zuständige Referent Wolfgang Schuß erläuterte: Es fehlen in Friedberg 126 Plätze, davon 92 in Krippen, also für Ein- bis Dreijährige. Dabei bietet die Stadt 1266 Plätze in Krippen und Kindergärten (vier bis sechs Jahre) an. Theoretisch zumindest.

Interimsplätze sollen noch 2020 zur Verfügung stehen

Aufgrund der höchst komplexen Gesetzgebung, für die Kinder mit erhöhtem Integrationsbedarf mehrere Plätze „zählen“, sind es de facto nämlich weniger. Was also tun? Der Stadtrat beschloss folgende Punkte:

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  • Die Schaffung weiterer Interimsplätze am Standort an der Pater-Franz-Reinisch-Straße unter der Trägerschaft des Kinderheimverein Friedberg ist schnellstmöglich umzusetzen, damit noch 2020 diese Plätze zur Verfügung gestellt werden können. Diese Entscheidung fiel bereits im Mai, da die Zeit drängt.
  • Der geplante vier- bis fünfgruppige Neubau an der Bozener Straße (neben Edeka) ist zügig unter der Trägerschaft des Kinderheimverein Friedberg umzusetzen, sodass im Lauf des Kindergartenjahres 2022/2023 diese Plätze möglichst zur Verfügung stehen.
  • Der geplante zweigruppige Anbau im Kindergarten Maria Alber in Friedberg-West ist auf eine deutlich kostengünstigere bauliche Umsetzung zu überprüfen. Ziel ist, dass er im Lauf des Kindergartenjahres 2021/2022 fertig wird.
  • Auch das Angebot an Tagesmüttern soll nochmals erhöht werden. Außerdem hatte die Stadt im vergangenen Jahr bereits vier neue Gruppen geschaffen. Damit wird der Engpass jedoch nicht behoben sein, befürchten Schuß und Bürgermeister Roland Eichmann. „Langfristig gesehen ist es theoretisch am sinnvollsten, da zu bauen, wo es gerade möglich ist“, meinte der Finanzreferent. Denn zwar gebe es in manchen Jahren in manchen Stadtteilen hohen Bedarf – das seien jedoch letztlich Wellenbewegungen. 87 Prozent der Ablehnungen traf jetzt Familien aus dem sogenannten erweiterten Altstadtbereich. Das klingt auf den ersten Blick eng begrenzt, umfasst jedoch einen Raum von Stätzling bis Ottmaring, Friedberg-West bis Paar-Harthausen.

Weitere Container sollen in Friedberg schnell Abhilfe schaffen

Weitere Container aufzustellen, sei im Moment die einzige Chance, schnell Abhilfe zu schaffen. Hauptproblem sind laut Schuß jedoch nicht einmal die Räumlichkeiten, sondern das Personal. Für vier Gruppen mit dem Schwerpunkt Krippe seien 18 Erziehungspersonen nötig – und das in Zeiten eklatanten Fachkräftemangels.

Die Kinderbetreuung, die trotz hoher Elternbeiträge bei Weitem nicht kostendeckend ist, kommt die Stadt jedoch auch teuer: Mit zehn Millionen Euro jährlich ist sie einer der größten laufenden Haushaltsposten. Auch die Investitionen sind hoch. Der neue zweigruppige Kindergarten in Rinnenthal kostet 2,1 Millionen Euro, für den Anbau an Maria Alber wird mit dem Doppelten gerechnet. Ebenso teuer wird voraussichtlich die Kita an der Bozener Straße. „Auf Dauer ist das eine Überforderung“, sagte Bürgermeister Eichmann. Die Stadt will daher aus ihrem Jahresüberschuss 2019 von 6,3 Millionen Euro eine Sonderrücklage Kita-Neubau bilden. Eichmann sieht aber auch den Staat in der Pflicht, die Kommunen mit dem Thema nicht alleinzulassen. Schließlich habe dieser auch das Recht auf einen Kita-Platz gesetzlich verankert.

Friedberger Verwaltung hat weitere Standort für Kitas im Blick

In der Diskussion erinnerten Vertreter mehrerer Parteien daran, dass der Mangel seit Jahrzehnten ein Problem in Friedberg sei. Von einem „Hamsterrad“ sprach Thomas Kleist (CSU). So schlimm wie jetzt sei es noch nie gewesen, meinte Claudia Eser-Schuberth (Grüne). Ein Grund dafür: Der Bedarf an Krippengruppen wächst – und diese sind kleiner und betreuungsintensiver. Nicht ganz so negativ wollte es Richard Scharold (CSU) sehen: „Wir haben immer wieder Lösungen aus der Schublade gezaubert“, sagte er. Mering und Kissing hätten weit größere Probleme.

Wenn auch für den Moment (fast) wieder vorgesorgt ist, fragten sich doch viele Politiker, wie es langfristig weitergehen soll. Ein Gesamtkonzept forderte unter anderem Eva Bahner (Grüne), die deswegen mit Eichmann aneinandergeriet. Er sagte, die Verwaltung sei ohnehin schon „überbeschäftigt“, man dürfe sich nicht verzetteln. Allerdings betonte er, die Verwaltung habe natürlich noch weitere Standorte im Blick, etwa bei der Grundschule Süd, wo es aber noch kein Baurecht gibt. Problematisch sieht er eine weitere Einrichtung direkt neben der Kita St. Angela in Friedberg-Ost, da dieser Kindergarten ist bereits viergruppig ist. Noch mehr Plätze an der Stelle seien schwierig – für die Kinder, aber auch für Anwohner.

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