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Einkaufen in Stätzling

15.05.2019

Stätzling bekommt einen neuen Lebensmittelmarkt

So könnte der neue Edeka am westlichen Ortsrand von Stätzling aussehen. Die Details der Gestaltung will der Stadtrat mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan regeln.
Bild: Architekturbüro Weigand & Mayer

Die Umsiedlungspläne von Edeka sorgen im Ausschuss für eine kontroverse Debatte. Nur knapp können sich am Ende die Befürworter durchsetzen

Braucht Stätzling einen neuen Lebensmittelmarkt? In dieser Frage gingen die Meinungen im Umwelt- und Planungsausschuss des Friedberger Stadtrats weit auseinander. Nach kontroverser Diskussion entschied das Gremium mit einer Stimme Mehrheit, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, das die Ansiedlung des Marktes am westlichen Ortsrand regelt.

Der bestehende Edeka an der Pfarrer-Bezler-Straße (vormals Tengelmann) bietet auf einer Fläche von 600 Quadratmetern 9000 Artikel an. Im Gebäude gibt es einen kleinen Bäcker, allerdings ohne Sitzgelegenheiten. Für die Kunden stehen rund 30 nicht barrierefreie Parkplätze zur Verfügung. Aus Sicht des Betreibers ist das nicht mehr zeitgemäß – eine Einschätzung, die auch Thomas David als Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Friedberg teilt.

Keine Erweiterung an der Pfarrer-Bezler-Straße in Stätzling

An der Pfarrer-Bezler-Straße gibt es jedoch nach Angaben des Investors, des Augsburger Immobilienentwicklers Puschak, keine Erweiterungsmöglichkeit. Gespräche mit dem Grundstückseigentümer hätten zu keiner wirtschaftlich vertretbaren Lösung geführt. Hintergrund ist, dass an dieser Stelle wohl auch eine Wohnnutzung möglich wäre, was einen deutlich höheren Ertrag bringen würde.

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Der Investor hat darum zwei neue Standorte vorgeschlagen: am südlichen Ortseingang von Stätzling zwischen Skateranlage und Wohnbebauung sowie am westlichen Ortseingang südlich der St.-Anton-Straße. Der Planungs- und Umweltausschuss lehnte Standort eins ab und forderte angesichts der Hochwassergefahr am Standort zwei ein hydrologisches Gutachten. Das liegt jetzt vor und zeigt, dass sich die Situation gegenüber dem aktuellen Zustand sogar verbessern könnte. Durch neue Stauflächen auf dem fast 9000 Quadratmeter großen Grundstück könnten trotz des Gebäudes rund 280 Kubikmeter Wasser mehr zurückgehalten werden als derzeit, so Werner Dehm vom Planungsbüro Opla.

Friedberger Grüne üben Kritik

Dennoch gab es im Ausschuss Kritik: „Es ist schwierig, das als Aufwertung der Natur zu Verkaufen“, sagte Marion Brülls (Grüne) angesichts der Flächenversiegelung. Brülls bezweifelte den Sinn des Vorhabens und riet dem Betreiber, im vorhandenen Markt ein besser durchdachtes Sortiment anzubieten. Dieter Nießner (ÖDP) äußerte Verständnis für die Vorstellungen von Edeka; der Stadtrat habe jedoch alle Rahmenbedingungen abzuwägen. Der neue Standort sei zu Fuß oder mit dem Rad für weniger Leute erreichbar als der alte.

Johannes Hatzold (Freie Wähler) sieht überhaupt keinen Bedarf für einen so großen Markt in Stätzling. Georg Goldstein (CSU) kritisierte den enormen Flächenverbrauch und sprach von einer schwierigen Architektur. Dies fürchtet auch Wolfgang Rockelmann (Parteifreie Bürger): Die Zeit der eingeschossigen Supermärkte und oberirdischen Parkplätze sei vorbei, sagte er.

Nahversorgung von Stätzling nicht aufs Spiel setzen

Dagegen legte Edeka aus Sicht von CSU-Fraktionschef Thomas Kleist nachvollziehbar dar, dass ein markt in der jetzigen Größe nicht konkurrenzfähig sei. „Wir laufen Gefahr, dass wir die Nahversorgung in Stätzling, Haberskirch und Wulfertshausen aufs Spiel setzen“, sagte er und warb für einen Einstieg ins Bebauungsplanverfahren. Sein Fraktionskollege Manfred Losinger sieht in der Planung auch die Möglichkeit, den Ortseingang neu zu gestalten. Mit Bank, Apotheke und Friseur sei dort ein kleines Zentrum entstanden, für das bei dieser gelegenheit die Parksituation geregelt werden könne.

Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) wies auf das neue Baugebiet, das die Stadt Augsburg an der St.- Anton-Siedlung plant. Wenn dort ein großer Markt entstehe, schade dies dem Edeka an der Pfarrer-Bezler-Straße. „Wir verdonnern die Menschen in Stätzling dazu, mit dem Auto irgendwohin fahren zu müssen“, warnte er. Die SPD-Fraktion sei nicht mit Hurra dafür, aber nach Abwägung allen Für und Widers stimme man zu, sagte Roland Fuchs.

Vernünftige Planung für Stätzling

Leo Büchler (CSU) zeigte sich hin- und hergerissen, sorgte am Schluss aber für die nötige Ja-Stimme: „Ich möchte das Risiko nicht eingehen, dass die Nahversorgung in Stätzling tot ist“, bekräftigte er: „Ich verlange aber eine vernünftige Planung.“ Bürgermeister Eichmann schlug dazu einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan vor, der der Stadt auch eine Mitsprache bei der architektonischen Gestaltung ermöglicht. Mit sieben gegen sechs Stimmen empfahl der Ausschuss dem Stadtrat, das Verfahren einzuleiten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Thomas Goßner Glaubenskrieg um einen Supermarkt für Stätzling

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