Newsticker
10.000 Impfdosen stehen bereit: Bayern beginnt mit Impfungen für Polizisten
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Streit um Neubauten an der B 300 eskaliert

Friedberg

28.01.2019

Streit um Neubauten an der B 300 eskaliert

Hinter diesem Bretterzaun an der Aichacher Straße in Friedberg gegenüber der Tankstelle soll gebaut werden. Nur wie, darüber gehen die Meinungen stark auseinender.
Bild: Mareike König

Plus Nachbarn befürchten Probleme an der Konradinstraße/Gutenbergstraße in Friedberg. Jetzt wollen Stadträte zurückrudern – und ein Bauherr zieht vor Gericht.

So voll wie bei der Diskussion über das Baugrundstück an der Aichacher Straße/Gutenbergstraße/Konradinstraße ist der Sitzungssaal in Friedbergs selten. Um die 20 Nachbarn waren gekommen. Sie befürchten durch die Bebauung mit zwei Blocks und Reihenhäusern Probleme, sowohl für das Erscheinungsbild ihres Viertels, als auch durch den Verkehr. 30 Anwohner haben eine Unterschriftenliste bei der Stadt eingereicht. Sie fordern, dass ihre Interessen bei der Planung, die vor über zwei Jahren begann, einfließen. Einer von ihnen ist Harald Mayr. Er sagt: „Niemand möchte eine Bebauung verhindern, doch sollte eine Abwägung zur Größe der Bauten und Lage der Zufahrten auch zusammen mit den im Wohnviertel lebenden Bürgern stattfinden.“ Neben einer Reduzierung der Verdichtung sei ihr Ziel, dass die Zufahrt über die gut ausgebaute Konradinstraße und nicht über die Gutenbergstraße erfolgt.

Die Anwohner verlangen daher, dass die Bebauung über einen Bebauungsplan geregelt wird, bei dem ihre Interessen einfließe. Anfangs lief das Verfahren nach dem Paragrafen 34 des Baugesetzbuches. Hier richtet sich Größe und Dichte der Bebauung nach der Bebauung in der Umgebung; es handelt sich um ein vereinfachtes Verfahren. Dem hatte der Planungs- und Umweltausschuss 2017 zugestimmt – ruderte jetzt allerdings teilweise zurück.

Das Gremium zeigte sich gespalten, selbst innerhalb der Fraktionen. Während in der CSU Manfred Losinger von jeher einen Bebauungsplan gefordert hatte, findet es Thomas Kleist „erstaunlich, dass man eine gewählte Alternative nach zwei Jahren ablehnt“. Er befürworte Nachverdichtung an dieser Stelle. Ebenso Claudia Eser-Schuberth (Grüne), die aber beim Punkt Zufahrt Bedenken hatte. Roland Fuchs (SPD) hat seine frühere Meinung geändert und favorisiert nun einen Bebauungsplan. Er gab zu: „Ich habe damals nicht an Anlieger gedacht, die auch Interessen haben.“

Auf dem Gelände möchte die Augsburger Firma Infrabau ein Gebäude mit 13 Eigentumswohnungen errichten und Josef Jakob, dem ursprünglich das ganze Grundstück gehörte, ein Haus mit zehn Mietwohnungen sowie elf Reihenhäuser. Dem Bauherren platzt der Geduldsfaden: Er zieht vor Gericht. Hierbei geht es um die Zufahrt zu seinem Grundstück über einen schmalen Weg, der von der Gutenbergstraße abweicht. Laut Jakob gibt es alte Verträge, dass dies eine öffentliche Straße als Zufahrt für das Grundstück ist. Die Stadt sieht das laut Bürgermeister Roland Eichmann anders. Dies sei nie eine gewidmete Straße gewesen, sie sei nie abgerechnet worden. „Nach Definition der Rechtssprechung ist das keine Straße.“ Darüber muss nun das Gericht entscheiden. Außerdem droht Jakob mit Schadenersatzklage.

Diese Karte zeigt grob die Lage des Bauareals und die Stichstraße der Gutenbergstraße, die als Zufahrt strittig ist


Nach langen Verhandlungen und vielen Terminen in der Stadtverwaltung habe man mit dem Bauamt eine Bebauung nach Paragraf 34 vereinbart, der Planungs- und Umweltausschuss habe zugestimmt. 100000 Euro hat Jakob eigenen Angaben zufolge in die Planung investiert. Dann sei es Monate später plötzlich zu der Kehrtwende gekommen. Im Herbst hatte das Gremium nämlich eine sogenannte Veränderungssperre verhängt – aus mehreren Gründen. So mussten die Bauherren Grundrisse ändern, um den Immissionsschutz an der Seite der B300, wo auch die Tankstelle liegt, zu gewährleisten. Weiter wurde eine gemeinsame Zufahrt geplant.

Wie soll es nun weitergehen? Das Thema ist auf 28. Februar vertagt. Bürgermeister Eichmann sagte nach der Sitzung, man werde den Räten bis zu dem Termin rechtliche Informationen geben und das Thema vertiefen, um eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben. Im Moment seien zu viele Fragen offen, was Zufahrt und Bebauung anbelangt. Man habe es sich bei der ersten Entscheidung vielleicht zu leicht gemacht. „Herr Losinger hatte damals absolut recht, dass ein Bebauungsplan nötig ist“, sagt Eichmann rückblickend.

Langfristig halte er eine Grundsatzdebatte über Nachverdichtung für sinnvoll. Diese sei in Friedberg Trend. Eichmann: „Wir brauchen eine Strategie“, auch was zum Beispiel die Stellplatzsatzung anbelange. Einer Klage sieht der Bürgermeister offenbar gelassen entgegen. „In meiner Amtszeit haben wir noch keinen Baurechtsprozess verloren.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: Mit Volldampf ... äh, wohin eigentlich?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren