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Friedberg

14.01.2019

„Tatort“-Kommissar plaudert aus seinem Leben

Miroslav Nemec kombinierte seine Lesung im Wittelsbacher Schloss auf eindrucksvolle Weise mit pantomimischen Elementen, Witzen, Anekdoten und Liedern.
Bild: Christine Hornischer

Miroslav Nemec beweist im Friedberger Schloss, dass er ein Allround-Talent ist. Besucher erfahren einiges über Familie und Vorlieben des "Tatort"-Schauspielers.

Miroslav Nemec (alias Ivo Batic) bewies in Friedberg auf beeindruckende Weise, dass er nicht nur auf sein „Tatort“-Profil abonniert ist, sondern als schauspielerischer Allrounder zu den großen Bühnen- und Leinwandakteuren unserer Zeit gehört. Viele kennen ihn nur als Kriminalhauptkommissar Batic an der Seite von Udo Wachtveitl im Münchner „Tatort“. Ihn nur auf diese Rolle zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Bei einem literarisch-musikalischen Abend im Friedberger Schloss erzählte, rezitierte, las und sang der 64-Jährige aus seiner kürzlich erschienen Autobiographie „Miroslav Jugoslav - der Nemec hinter dem Batic“.

„Sein größter Fan“, wie sich selbst bezeichnet, ist Alexandra Bradl aus Friedberg. „Seit 2001 verfolge ich seine Auftritte“, sagte sie – strahlend vor Freude, denn am Freitagabend hatte sie ja „Heimspiel“. Bei diesem Heimspiel wurden Erinnerungen an den kroatischen Lausbub und seine Patchwork-Familienverhältnisse zwischen Zagreb, Freilassing und Niederbayern in den 1950er und 1960er Jahren lebendig. Der Schauspieler und Musiker mit dem Motto „Leben oder konsequent sein“ wurde im damaligen Jugoslawien geboren und nach der Scheidung seiner Eltern als Zwölfjähriger von Verwandten in Bayern aufgenommen, erfuhren die rund 280 Gäste im Wittelsbacher Schloss.

Miroslav Nemec hat in Salzburg studiert

Nemec las nicht nur vor, er schlüpfte in die verschiedenen Rollen, er imitierte Dialekte, er schrie, er sang. Alles in Perfektion. Er kann halt den Schauspieler doch nicht verleugnen, auch wenn man an diesem Abend ganz klar feststellen musste: Es gibt neben den hervorragenden Rollen in TV und Film noch eine ganz andere Seite des beliebten Schauspielers.

Miroslav Nemec mit Udo Wachtveitl im "Tatort".
Bild: dpa


Miroslav Nemec studierte Musik am Mozarteum in Salzburg, absolvierte dort seinen Abschluss als Fachlehrer für Musik – und mag auch die andere Seite: den Rock. Dies stellte er unter Beweis, als er am Klavier „Locomotive Breath“ von Jethro Tull spielte, dazu sang und dann die Zuschauer aufforderte: „Wo bleiben die Hände?“ So ein Trampeln und Beben hat das altehrwürdige Schloss wahrscheinlich noch nicht gesehen. Man sah Nemec deutlich an, dass dies „seine“ Musik ist. Die Leidenschaft und Begeisterung waren ihm ins Gesicht geschrieben.

Nemec kann vor allem eines in Perfektion: sich selbst auf die Schippe nehmen. Da zeigte er beispielsweise ein Bild von sich als kleinen Bub in einem Weinfass und fragte ironisch: „Im Fass gereift. Wer kann das schon von sich behaupten?“ Nemecs Autobiografie „Miroslav Jugoslav – der Nemec hinter dem Batic“ ist bereits das dritte Buch des bekannten Entertainers, der sein Zuhause in Freilassing gefunden hat. Zu dem Titel kam er, weil er in der Schule immer „der Jugoslav“ gerufen wurde. Dazu fiel ihm – wie so oft an diesem Abend – natürlich ein Witz ein, den er mit wenigen, aber eindrucksvollen Gesten und facettenreicher Mimik demonstrierte. Er gestand außerdem, dass er Sprüche, Weisheiten und Aphorismen liebt. Dabei zitierte er Brecht mit den Worten: „Ich trau ihm nicht, er ist mein Freund.“

In Friedberg zitiert der "Tatort"-Kommissar Ernst Jandl

Auch vor der „Selbstverliebtheit und Käuflichkeit der Schauspieler machte er nicht Halt: „Treffen sich zwei Schauspieler. Sagt der Eine ,Gestern habe ich dich in der Straßenbahn gesehen.’ Fragt der andere: ,Und, wie war ich?’“ Ganz deutlich verschmolzen immer wieder Inhalt und Bewegung. Der 64-Jährige kombinierte auf eindrucksvolle Weise seine Lesung mit pantomimischen Elementen, Witzen, Anekdoten und Liedern. Besonders angetan hat es ihm der Lyriker Ernst Jandl, der wie kein anderer das Gedicht aus seinem Material, der Sprache, heraus revolutioniert hat. Nemec las den Text „Otto Mops“, welcher unerschrocken durch einen Kosmos aus lauter „Os“ hopst. Die wenigen Zeilen variierte er gebetsmühlenartig, so eindringlich, dass die Worte wie ein dramatisches Musikstück klingen.

Nach zwei Stunden Spielzeit ließ der „montenegrinische Schafshirte“ (so Nemecs Rektor in der Realschule) die Zuschauer doch noch ein bisschen vom „Tatort“ spüren. Auf die Melodie von „An der Reeperbahn nachts um halb eins“ sang er a cappella „Am Sonntag um viertel nach acht, da wird gern einer umgebracht...“

Lesen Sie dazu den Artikel: Ist der "Tatort" reine Männersache? Der Realitäts-Check

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