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Friedberger See

18.08.2017

Taucher jagen Fische mit Harpune

Unbekannte Täter haben am Friedberger See Fische mit einer Harpune getötet. Die Kadaver wurden am Ufer angetrieben.
Bild: Aerobild Augsburg (Archiv)

Unbekannte töten die Tiere und lassen sie im Friedberger See liegen. In Deutschland sind diese Waffen verboten, doch es ist nicht der erste Fall in der Region.

Herbert Lipp ist fassungslos. "Das ist kriminell", sagt der Vorsitzende des Fischereivereins zu den Vorgängen, die sich vermutlich Ende der vergangenen Woche am Friedberger See ereigneten: Unbekannte haben dort mit Harpunen Jagd auf Großfische gemacht und die toten Tiere einfach im Wasser treiben lassen. Fünf Kadaver wurden entdeckt, und Lipp schließt nicht aus, dass noch weitere Fische erlegt wurden. Wohl zu Recht, denn erst am Donnerstag-Nachmittag stieß Stefan Kratzer vom Kiosk am Südufer des Sees auf einen weiteren harpunierten Fisch.

Friedberger See: Harpunenjäger schießen auf große Fische

Lipp selbst hat einen Wildkarpfen geborgen, der unweit der neuen Slipanlage am Ufer lag. Der 15 Kilo schwere und 80 Zentimeter lange weibliche Fisch wies einen glatten Durchschuss auf, an beiden Seiten des fünf Zentimeter großen Lochs quoll der Laich aus dem toten Tier. "Das war ein ordentlicher Bolzen", glaubt der Vorsitzende der Friedberger Fischer. Er tippt darauf, dass die Wilderer mit einer CO2-betriebenen Harpune am Werk waren: "So ein Durchschuss braucht Wucht. Mit einem normalen Gummizug geht das nicht." Auffällig ist laut Lipp, dass es sich durchweg um alte Tiere handelt mit einer Größe von mindestens 50 Zentimetern. "Die trifft man leichter", vermutet er.

Im Ilsesee gibt es dank dem klaren Wassers eine reichhaltige Unterwasserwelt. Stolze 2,40 Meter lang und 85 Kilo schwer ist Stör „Igor“ der unter den Badegästen seine Runden dreht. Es gibt aber auch Hechte - der längste ist 1,60 Meter lang.
7 Bilder
Diese Tiere schwimmen mit uns in Seen und Flüssen
Bild: Michael Eichhammer

Lipp geht davon aus, dass die Täter als Taucher im See zugange waren. Ein furchtbar gefährliches Unternehmen, wenn dies am Tag geschehen sein sollte, findet er. Denn der Bolzen habe das feste Fleisch des großen Tieres mit Macht durchtrennt. Kaum auszudenken, wenn so ein Geschoss sein Ziel verfehlt und einen Menschen trifft.

Aber selbst wenn die Wilderei nachts stattfand, sieht Lipp einen klaren Verstoß gegen das Waffen- und das Tierschutzgesetz: Zwar sind solche Harpunen im europäischen Ausland frei verkäuflich, in Deutschland sind sie aber nicht zugelassen. Wer dabei erwischt wird, muss mit spürbaren Konsequenzen rechnen. "Wenn er nicht vorbestraft ist, kommt er noch mit einer Geldstrafe davon. Je nach dem, ob der Täter einsichtig ist, können dies 90 Tagessätze oder auch mehr sein.

Fischerei mit Harpunen: Ermittlungen sind schwierig

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Friedberger Fischereiverein mit solchem Frevel konfrontiert sieht. Bereits vor zwei Jahren beobachteten Badegäste am sogenannten Pfefferminzsee nahe Lindenau, wie eine Gruppe von vier Männern am helllichten Tag sieben Fische mit Harpunen erlegten. Zwar wurde das Autokennzeichen notiert und einige Ausrüstungsgegenstände gesichert. Doch das Quartett konnte fliehen, bevor die Polizei eintraf. Die Ermittlungen verliefen im Sande, weil der Halter des Fahrzeugs jede Kenntnis abstritt und sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berief. Auch ein DNA-Abgleich mit Partikeln an den zurückgelassenen Ausrüstungsgegenständen brachte keinen eindeutigen Beweis.

"Ich schließe aus, dass es offizielle Taucher waren", sagt Vereinsvorsitzender Lipp zu den aktuellen Fällen. Betreiber und Gäste der Tauchschule am Friedberger See würden sich darauf sicher nicht einlassen. Für Lipp kommen Personen in Frage, die das Harpunieren als "Sport" ansehen. "Im Ausland darf man das zum Teil", weiß er. Die Täter hätten zudem gut geschossen: "Beim Wild würde man sagen, das war ein Blattschuss." In Fischerkreisen weiß man zudem von Versuchen, in letzter Zeit in Augsburger Geschäften für Anglerbedarf solche CO2-Patronen aufladen zu lassen.

Rund um den See herrscht jetzt verschärfte Aufmerksamkeit. "Unsere Fischereiaufseher sind sehr sensibilisiert", sagt Lipp. Sie haben die Anweisung, keinesfalls selbst einzugreifen, sondern gleich die Polizei zu verständigen. "Das ist der Fisch nicht wert, wenn einer von unseren Leuten Schaden nimmt", sagt Lipp angesichts der bewaffneten Wilderer. Auch Stefan Kratzer vom Kiosk will auf Auffälligkeiten achten, wenn abends die Liegewiese geräumt wird. Er geht ebenfalls davon aus, dass die Unbekannten nachts zuschlagen. Tagsüber wäre das zu auffällig, vermutet er.

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18.08.2017

Schön ist es nicht - aber hat die Polizei nichts Wichtigers im Fall des Falles zu tun? Wenn die Hapunen schon im europäischen Ausland zugelassen sind, sollte jeder Europäer, der eine Harmonisierung anstrebt, drüber hinwegsehen.

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