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Mering

09.01.2021

Tiermediziner: Für eine Meringerin war es ein langer Weg zum Traumberuf

Die Friedberger Tierärztin Nina Schlickenrieder kümmert sich vor allem um kleinere Tiere.
Bild: Heike Scherer

Seit drei Jahren ist Nina Schlickenrieder aus Mering Tierärztin und lebt damit den Traum vieler Kinder. Gefragt ist jedoch deutlich mehr, als sich „nur“ um erkrankte Tiere zu kümmern.

Für viele Kinder ist es der erste Berufswunsch, Nina Schlickenrieder hat ihn sogar im Freundebuch einer Grundschulkameradin festgehalten: Tierärztin. Vor einem halben Jahr hat sich die Meringerin diesen Traum selbst erfüllt und kümmert sich seitdem in einer Scheidegger Praxis im Westallgäu um Katzen, Hunde, Kaninchen, Hamster und Igel. Auch einen Nymphensittich musste sie bereits behandeln.

Doch bis zu ihrer Anstellung war es ein langer Weg. An dessen Anfang stand erst einmal ein sehr gutes Abitur: Nina hat es mit 1,3 bestanden. Zum Abi hatte sich die 27-Jährige statt für ein Auto für einen Hund entschieden – und stellt damit ihre Tierliebe unter Beweis. „Das ist auf jeden Fall eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf“, sagt sie.

Die Friedberger Tierärztin studierte in München

Den Grundstein für ihren Beruf hat sie an der Technischen Universität (TU) München gelegt. „Das Studium war natürlich ein Baustein, aber es fehlten die praktischen Übungen.“ Wenn sie also gerade keine Vorlesung in Biologie, Physik, Chemie oder Botanik besuchte, hat Nina in einer Klinik und bei einem Tierarzt mitgearbeitet. „Das rate ich allen anderen angehenden Tierärzten und Tierärztinnen auch“, sagt die 27-Jährige. Denn so können Studierende die fehlende Praxis ausgleichen. Nach ihrem Studium war sie dann drei Jahre in einem Labor der TU München tätig. Auch die Lehren, die Nina aus dieser Erfahrung zog, inspirierten sie zum Thema ihrer Doktorarbeit. Denn darin setzt sich die Meringerin mit dem Immunsystem des Haushuhns auseinander.

Und das Lernen hat sich gelohnt, auch wenn es noch nicht vorbei ist. Denn nun ist Nina Schlickenrieder zwar in einer Tierarztpraxis beschäftigt, muss aber zwischendurch weiterhin in den Büchern und Skripten aus ihrer Studienzeit schmökern. Zudem muss sie sich laut Berufsordnung mindestens 20 Stunden im Jahr fortbilden, was nach ihrer Aussage gerade in der Anfangszeit enorm wichtig sei.

Trotzdem übt Nina ihren Job mit Leidenschaft aus, auch wenn Wunsch und Realität manchmal auseinandergehen. „Man will die Tiere immer heilen und retten, aber unter gewissen Umständen muss man sie leider trotzdem einschläfern“, sagt Nina. Behandelt sie die Tiere eine Zeit lang, baut die Tierärztin zudem eine Beziehung zu ihnen auf, schließlich ist sie selbst sehr tierlieb, hatte neben ihrem Hund auch Katzen als Haustiere.

Tierbesitzer müssen für die Behandlungen bezahlen

„Dann ist es natürlich traurig, wenn ein Tier so krank ist, dass ich es erlösen muss“, sagt Nina. Oft sind Tumore, Nierenleiden oder altersbedingte Erkrankungen die Ursache. Einmal habe sie eine 21 Jahre alte Katze operiert – für Katzen ein hohes Alter. „Sie hatte einen Tumor in der Haut, lebt jetzt aber immer noch“, sagt Nina. Das sei ein Glück, denn gerade ältere Tiere vertragen aufgrund von gängigen Lebererkrankungen die Narkose oft nicht.

Die Friedberger Tierärztin Nina Schlickenrieder mit einem Vogel.
Bild: Heike Scherer

Doch nicht nur ältere Tiere zählen zu den Patienten in der Praxis, wo Nina Schlickenrieder gemeinsam mit ihrem Freund arbeitet. Einmal kam ein Besitzer mit drei jungen Kätzchen zu ihr. Gerade einmal ein halbes Jahr alt waren die Tiere. „Sie haben einfach aufgehört zu essen“, sagt Nina und ist froh, dass sie ihnen mit Trockenfutter helfen konnte. „Das ist ohnehin immer gut für Katzen, denn es beugt Zahnstein vor.“

Und wie ist der Kontakt zu den Besitzern? „Auf jeden Fall wichtig“, sagt Nina. Denn nur sie können das Verhalten der Tiere so beschreiben, dass Nina eine Diagnose stellen kann. Wenn diese einmal gemacht ist, kann die Behandlung beginnen – und die gibt es natürlich nicht umsonst. „Jeder Halter muss das Geld für eine Behandlung in Reserve haben“, sagt Nina. Es gebe jedoch auch Alternativen: „Teilzahlungen kann auch mal ein Tierschutzverein leisten.“

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