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Aichach-Friedberg

15.07.2020

Tönnies-Skandal: So sorgen heimische Metzger für Qualität

Hier ist alles hygienisch, regional – und teilweise sogar bio: Inhaber Andreas Kaindl mit seinem Team in der Friedberger Metzgerei Kaindl.
Bild: Lucas Schmidt

Plus Der Skandal um den Tönnies-Schlachthof schlägt Wellen bis Aichach-Friedberg. Das sagen die Metzger aus dem Wittelsbacher Land dazu.

Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachthof in Nordrhein-Westfalen offenbart einiges: schlechte Arbeitsbedingungen, mangelnde Qualität, alles um den Preis möglichst niedrig zu halten. Wie stehen die regionalen Metzgerbetriebe dazu?

Im Landkreis Aichach-Friedberg mangelt es nicht an an Alternativen, um Fleisch und Wurstwaren qualitativ hochwertig einzukaufen. Viele Betriebe setzen auf regionale Produkte und optimale Lebensumstände der Tiere, so auch die mehrfach prämierte Metzgerei Kaindl in Friedberg.

Die Metzgerei Kaindl schlachtet Tiere aus der Region

Der Betrieb beziehe die Tiere von einem Bauern aus der Region, durch die lange Zusammenarbeit habe man sogar Einfluss auf die Fütterung, sagt der Metzgereichef Andreas Kaindl.

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Er schlachtet die Tiere auch noch selbst. Das sei zwar mehr Aufwand, trotzdem habe sich das Konzept bewiesen, da die Qualität besser sei. Die Metzgerei bietet neben Waren von konventionell gehaltenen Tieren auch solche von Bio-Tieren an. Inhaber Andreas Kaindl sagt: „Auch unsere konventionell gehaltenen Tiere von einem Hof in Eurasburg haben einwandfreie Lebensumstände und viel Platz.“ Die Bio-Landtiere bekommen nur Futter aus kontrolliert biologischem Anbau, und alle Arzneimittel sind homöopathisch. Damit werde maximale Fleischqualität erzielt.

So arbeitet Metzger Kaindl in Friedberg

Kaindls Lieferanten stammen alle aus dem Umkreis, somit sei der Weg zur Schlachtung nicht weit. Das sei wichtig, denn Stresshormone wirken sich negativ auf das Fleisch aus. Der Skandal in NRW wundert Kaindl nicht, da es derartigen Großbetrieben nur darum gehe, den Preis zu drücken. Qualität bliebe da auf der Strecke. Er sehe aber einen Trend, weg vom Discounterfleisch, hin zu den kleinen Metzgerbetrieben. Auch die Nachfrage für sein Bio-Fleisch sei gestiegen. Wie lang diese Entwicklung jedoch anhält, darüber möchte er nicht spekulieren.

Ähnlich geht es auch Metzger Andreas Erber, Obermeister der Metzger-Innung Aichach-Friedberg. „Die Nachfrage ist seit Corona angestiegen. Ich stehe zwar nicht an der Verkaufstheke, aber es gibt auf jeden Fall einen Anstieg.“ Die Vorfälle um die Großmetzgerei Tönnies spielen laut Erber aber keine Rolle: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Zustände auf solchen Betrieben sind seit Jahren bekannt. Wegen der Corona-Infizierten ist der Fall jetzt in den Schlagzeilen.“ Auf sein Geschäft habe das keine Auswirkungen. „Wir haben ohnehin viele Stammkunden und kaum Laufkundschaft. Die wissen gute Qualität auch ohne solche Skandale zu schätzen“, so Erber, der selbst schlachtet und zwei Filialen in Hollenbach und Aichach besitzt. „Unser Fleisch kommt fast ausschließlich aus Aichach-Friedberg. Das Geflügel beziehen wir aus Gablingen und Holzheim. In unseren Metzgereien kann das auch jeder auf großen Tafeln nachlesen, unsere Kunden wissen Bescheid.“

Metzgerei Rupp: Party-Service läuft wegen Corona schlecht

Das sieht auch Juniorchef Michael Rupp von der Metzgerei Rupp so: „Unsere Kunden wissen, woher wir unser Fleisch beziehen. Wir haben ein ganz anderes Klientel als diese Großbetriebe.“ Rupps Fleisch stammt aus den Landkreisen Aichach-Friedberg, Dachau und Neuburg-Schrobenhausen. „Wir wissen ganz genau, wie die Tiere aufwachsen und mit was sie gefüttert werden.“ Auch bei der Schlachtung legt Rupp Wert auf das Tierwohl: „Die Tiere kommen einen Tag vor der Schlachtung bei uns an und sollen erst einmal zur Ruhe kommen und sich ausruhen.“ Geschlachtet wird einmal täglich in Gachenbach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen), dann geht die Ware in die Filialen nach Aichach, Friedberg, Pöttmes, Kühbach, Altomünster und Gachenbach. Den Tönnies-Skandal sieht Rupp gelassen, Auswirkungen auf sein Geschäft habe das Ganze trotzdem: „Wir haben jetzt schon neue Kunden, die zuvor im Supermarkt eingekauft haben. Die erkennt man meist gleich.“ Ansonsten würden die Menschen aktuell ohnehin mehr Fleisch konsumieren: „Die Leute kochen während Corona mehr, was sich auch bei uns bemerkbar macht. Gerade jetzt im Sommer wird auch viel gegrillt.“

Während das Geschäft an den Metzgertheken gut läuft, leidet aktuell der Party-Service. Rupp: „Es gibt ja kaum Veranstaltungen und das fällt auch auf unseren Party-Service zurück.“

Auch Stephan Körner hat mehr Nachfrage beim klassischen Fleischverkauf. Der Landwirt, Metzgermeister und Inhaber von Körners Hofladens in Friedberg: „Seit der Corona-Krise und dem Tönnies-Skandal haben wir persönlich mehr Nachfrage.“ Auch für seinen Hofladen schlachten die Metzger selbst. Alle Schweine und 80 Prozent der Rinder werden ihm zufolge selbst verarbeitet.

Seit über 15 Jahren steht Körners Hofladen in Friedberg für hohe Fleischqualität. Und das ohne Geschmacksverstärker und Laktose. Worauf Stephan Körner besonders Wert.
Video: Sabine Roth

Die Tiere werden laut Körner auf den Bauernhöfen artgerecht und mit genügend Platz gehalten. Die Ferkel beziehe er aus Obergriesbach, gefüttert würden seine Schweine nur mit heimischem Soja und Stroh. Er sieht das Problem bei der Politik: „Kleinbetriebe werden staatlich nicht unterstützt, billig muss es sein.“

Ebenfalls verärgert von der Entwicklung zeigt sich Hans Reich, Inhaber der Metzgerei Reich aus Mering: „Vor 50 Jahren gab es sechs bis sieben Metzger im Ort. Heute bin ich der einzige.“ Problematisch sieht er die Mengen, die in den großen Schlachthöfen produziert werden. Der Preis, der damit angeboten wird, könne von kleinen Betrieben nicht getragen werden. Er habe aber an seinem Konzept festgehalten.

Der Landwirt Josef Steber aus Ried (links) freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Meringer Metzgermeister Alexander Reich. Im Laufstall werden vor allem Fersen, also weibliche Jungrinder, gemästet.
Bild: Albert Niedermeyr, hausdesbildes

Seine Metzgerei beziehe unter anderem die Tiere vom Bauernhof Gelb aus Steinach. Er schlachte ebenfalls selbst in seinem Schlachthaus in Mering. Außer dem Stammsitz seiner Metzgerei in der Marktgemeinde hat Reich, der sich zum „Fleisch-Sommelier“ weiterbilden ließ, mittlerweile Filialen in Kissing, Königsbrunn und Fürstenfeldbruck. Und zusammen mit dem Königsbrunner Grillhersteller Markus Merklinger sowie den Landwirten Josef Gelb aus Steinach, Josef Steber aus Ried und Stefan Fuß vom Goldenen Stern in Rohrbach hat er eine Tierwohlinitiative gegründet, , die auf gute Haltung und regionale Netzwerke setzt.

Nach Fall Tönnies: Fleischerverband lobt die Qualität in Aichach-Friedberg

Laut aktuellen Statistiken des Fleischerverbandes Bayern, ist der Fleischkonsum relativ konstant. Der Grillboom habe zu einem Anstieg bei den „Steak-Cuts“ geführt, da nicht mehr nur Schweinenacken auf dem Teller lande. Der Verband rät aber, eher mal auf ein Schnitzel zu verzichten. Lars Bubnik, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern, sagt: „Die Wertigkeit des Fleisches muss in jedem Fall wieder steigen.“

Zudem erklärt er, dass das Nachfragen beim Metzger bezüglich Haltung, Aufzucht und Fütterung helfen könne, die gewünschte Qualität zu bekommen. Im Raum Friedberg wird, laut Bubnik, Qualität aus der Region großgeschrieben, viele der ortsansässigen Metzgereien arbeiten eng mit den Landwirten zusammen.

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