1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Trinkl-Anwesen in Friedberg: Die Kosten steigen weiter

Friedberg

22.05.2019

Trinkl-Anwesen in Friedberg: Die Kosten steigen weiter

So soll das Trinkl-Anwesen für die Landesausstellung umgebaut werden. Im neuen Gebäudeteil ist das Besucherzentrum mit Ticketverkauf, Wartebereich und Garderobe untergebracht. Unser Bild zeigt die Ansicht von der Burgwallstraße her.
Bild: Büro Schuller und Tham

Plus Eine Million Euro für das Besucherzentrum der Landesausstellung in Friedberg. Im Bauausschuss gibt es Kritik an der hohen Investition und Zweifel am Zeitplan.

Erst im Herbst beginnt der Umbau des Trinkl-Anwesens an der Burgwallstraße zum Besucherzentrum für die Landesausstellung, die im Mai 2020 eröffnet wird. „Der Zeitplan sollte aus unserer Sicht möglich sein“, gab sich Baureferent Carlo Haupt im zuständigen Ausschuss des Stadtrats vorsichtig optimistisch. Die Mitglieder äußerten zwar Skepsis, brachten das Projekt aber gegen die Stimme von Claudia Eser-Schuberth (Grüne) auf den Weg.

Die Stadt hatte die Liegenschaft des ehemaligen Getränkehändlers Trinkl Ende 2012 für rund 750000 Euro gekauft – zunächst mit dem Hintergedanken, dass dort keine Wohnbebauung entstehen solle, die die Genehmigung für den Betrieb des Schlosses als Bürger- und Kulturzentrum gefährden könnte.

Was passiert nach der Landesausstellung?

Später stellte sich dann heraus, dass das 1700 Quadratmeter große Grundstück für die Baustellenabwicklung beim Schlossumbau unverzichtbar war. Nach wie vor ist die längerfristige Nutzung der Immobilie unklar, doch für die Landesausstellung 2020 soll hier das Besucherzentrum mit Empfangsbereich, Ticketverkauf, Garderobe und Toiletten eingerichtet werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

War zunächst noch von einem Abriss der Gebäude und einem Neubau die Rede, so legte sich der Stadtrat im vergangenen Herbst auf einen Umbau fest. Grund war vor allem, dass die bestehende Grenzbebauung an der Nord- und Ostseite des Grundstücks mit Blick auf eine künftige optimale Nutzung nicht aufgegeben werden sollte. Dann stellte sich jedoch heraus, dass die Substanz des Hauses schlechter ist als erwartet.

Das marode-Trinkl-Anwesen kostet die Stadt mehr Geld als gedacht. Für eine Million Euro muss der eingeschossige Anbau bis zur Landesausstellung abgerissen und neu errichtet werden.
Bild: Tom Trilges

Darum soll der südwestliche, eingeschossige Gebäudeteil abgebrochen und durch einen pavillonartigen Neubau mit einer Fläche von 150 Quadratmeter ersetzt werden, der als Empfangsbereich dient. Im Rest des Hauses sind nur notwendige Ausbesserungsarbeiten an Boden und Wänden geplant. Der Vorplatz soll attraktiv umgestaltet werden; auch Behindertenparkplätze sind dort vorgesehen.

Bauhof der Stadt Friedberg muss ran

Im März dieses Jahres nannte Baureferent Haupt noch geschätzte Kosten von 850000 Euro. Inzwischen geht er von einer Million aus – allerdings unter der Maßgabe, dass Firmen die Arbeiten ausführen. Tatsächlich soll nun aber der Bauhof ran und einen Großteil der Arbeiten vom Abbruch bis zur Gestaltung der Außenanlagen übernehmen. Fachfirmen werden nur für die Dachabdichtung, Fenster und Türen Spenglerarbeiten und die Gasinstallation herangezogen.

„Wir können die Aufträge aus zeitlichen Gründen gar nicht mehr ausschreiben“, betonte Baureferent Haupt. Mit ein Grund sind Altlasten, die in dem Gebäude an unerwarteter Stelle zutage getreten sind. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) berichtete, man habe zwar Stichproben genommen, dabei allerdings einen Bereich ausgelassen. Und genau an dieser Stelle fand sich nun asbesthaltiger Fliesenkleber, der aufwendig entsorgt werden muss.

Friedberger Bauhof gerät unter Druck

Bis Herbst soll der Bauhof den Abbruch erledigt haben, im September beginnen die Erdarbeiten, anschließend werden Bodenplatte und Mauerwerk hergestellt. Bis Anfang Februar sollen die Beleuchtung und die Inneneinrichtung stehen. „Der Bauhof gerät trotz Aufstockung unter Druck“, räumte Bürgermeister Eichmann ein, zumal die Mitarbeiter in den kommenden Wochen auch fürs Altstadtfest im Einsatz sind. Dennoch versicherte Eichmann, dass das Besucherzentrum im Arbeitsplan des Bauhofs bereits fest eingetaktet seien. Pflichtaufgaben würden dadurch nicht vernachlässigt.

Durch den Einsatz des Bauhofs soll nicht nur Zeit gespart, sondern unter Umständen auch Kosten gespart werden. Allerdings hat dies auch Auswirkungen auf die in Aussicht gestellten Zuschüsse aus der Städtebauförderung. Die fließen nämlich nur für das Material und für Aufträge an Fremdfirmen, nicht aber für die Leistungen des eigenen Personals.

Kritik an der Hinterhofsituation

Eine Million Euro für eine temporäre Einrichtung – dieser Betrag ließ CSU-Fraktionschef Thomas Kleist schlucken. Er räumte aber ein, dass man sich selbstverschuldet in Zeitdruck gebracht habe. Nun habe man keine Alternativen mehr. Kritik kam von Wolfgang Rockelmann (Parteifreie Bürger), dessen Fraktion sich an den Toilettencontainern auf der Westseite des Gebäudes störte. Hier entstehe eine Hinterhofsituation, wie man sie von Bierzelten kenne. Claudia Eser-Schuberth (Grüne) störte sich ebenfalls an den hohen Kosten. „Das überzeugt uns nicht“, sagte sie. Roland Fuchs (SPD) stimmte der Planung zu, ließ aber auch leise Zweifel anklingen: „Wir hoffen, dass der Bauhof so stark ist, dass sie das hinbringen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Thomas Goßner Friedberg wurstelt vor sich hin

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren