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Friedberg

27.03.2020

Trotz Corona soll in der Trauer niemand allein bleiben

Wer hilft durch die Zeit der Trauer? In der Coronakrise ist das besonders schwer.
Bild: Peter Kleist

Plus Derzeit sind Bestattungen nicht im gewohnten Rahmen möglich. Begleitung über Videokonferenzen und die Telefonseelsorge sollen Abhilfe schaffen.

In den Zeiten der Corona-Epidemie sind Trauerfälle für Angehörige besonders schwer. Laut Steffen Brühl, Stadtpfarrer von St. Jakob in Friedberg, ist unter den derzeitigen Umständen eine Beisetzung der Verstorbenen so wie bisher nicht mehr möglich. Auch in der Pfarrei St. Michael in Mering hat man schon seit dem Verbot der öffentlichen Gottesdienste darauf hingewiesen, dass Bestattungen nur im engsten Familienkreis durchzuführen seien. Das berichtet Thomas Schwartz, Pfarrer aus Mering. Die Bestattungen versuche man trotz der strengen Auflagen in Würde abzuhalten. Das ist Schwartz sehr wichtig. Von den Angehörigen erfahre er sehr viel Verständnis.

Problematisch seien aber vor allem die Trauergespräche. Diese können nicht mehr wie gewohnt persönlich stattfinden. Das versuche man nun über Videokonferenzen zu machen, berichtet Schwartz. Die Digitalisierung böte damit die Chance, soziale Medien und digitale Geräte zu einem sinnvollen Zweck zu nutzen. Laut Schwartz überlege die Pfarrei St. Michael nach dem Ende der Kontaktsperre, einen großen Gottesdienst zu feiern. Von jedem Verstorbenen, für den kein eigenes Requiem stattfinden konnte, soll ein Foto aufgestellt und eine Kerze angezündet werden. Trauernden rät Schwartz, bei der Seelsorge anzurufen. Diese wird laut dem Pfarrer auch ausgeweitet.

Corona: So werden Bestattungen abgehalten

Ähnliches berichtet Stadtpfarrer Steffen Brühl. Auch er rät Trauernden dazu, unbedingt miteinander zu reden und sich nicht einzuigeln. Das gelte auch für alle anderen Menschen, betont Brühl. Vor allem in der aktuellen Ausnahmesituation sollen sie sich trauen, bei Gesprächsbedarf die Hotline des Gesprächsdienstes anzurufen (0821/5886861).

Laut Brühl werden Erdbestattungen nur noch im engsten Familienkreis direkt am Grab abgehalten. Nicht Anteil nehmen zu können, sei auch für Bekannte und entfernte Verwandte eine große Belastung. Problematisch ist für Brühl vor allem auch die Trauerbegleitung, die vor der Bestattung stattfinde. Diese sei mit der Kontaktsperre momentan nur schwer möglich, erklärt Brühl. Die Nähe fehle extrem. Wenn die Zahlen der Beerdigungen nicht immens ansteigen sollten, möchte der Pfarrer nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen individuelle Trauergottesdienste für die Verstorbenen abhalten.

Das wünscht sich auch Dieter Pribil, Betriebsleiter des Bestattungsdienstes Friede in Friedberg. Bis zur Aufhebung der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen dahin rät er Angehörigen, eine würdevolle Beisetzung unter den vorgegebenen Auflagen durchzuführen. Er und seine Mitarbeiter versuchen, so weit wie möglich die Wünsche der Angehörigen umzusetzen und alle Beisetzungen im Rahmen des Erlaubten durchzuführen. Laut Pribil gibt es aufgrund des Coronavirus zurzeit kein erhöhtes Sterbeaufkommen. Es komme beim Bestattungsdienst demnach noch zu keinen Engpässen. „Ein Problem könnte kurzfristig entstehen, wenn unsere eigenen Mitarbeiter krank werden würden“, erklärt Pribil. Um das zu vermeiden, habe man die interne Organisation umgestellt und erhöhte Hygienevorschriften erlassen.

Friedberg: Corona ist auch für Trauerredner eine Herausforderung

Auch für den Friedberger Trauerredner Wolfgang Franz ist die Situation eine Herausforderung. Bei ihm stehen zwar noch einige Reden an, im Vergleich zu dem Zeitraum vor Corona aber deutlich weniger. „Die Zeit steht gefühlt still.“ Er spricht zu einem Großteil bei Urnenbeisetzungen. Laut Franz wurden diese nun erst einmal nach hinten verschoben. Nach aktuellem Stand sollen die Beisetzungen irgendwann im Mai nachgeholt werden. Das sei nicht leicht für die Angehörigen. Das Abschließen falle somit schwer.

Zudem betont Franz, wie problematisch in Zeiten der Coronakrise die Gespräche mit den Angehörigen seien. Als Trauerredner seien diese für ihn zentral, um eine entsprechende Rede über den Verstorbenen verfassen zu können. Anstatt von Angesicht zu Angesicht kann das alternativ nun auch über Telefon gemacht werden. „Im Herzen widerstrebt mir das“, macht Wolfgang Franz deutlich. Die Emotion und die Empathie blieben dabei auf der Strecke.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Coronakrise: Trauer ohne gewohnte Rituale

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