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Bildung in Merching

12.10.2018

Wählen macht Schule – Schule macht Wähler

Streng wie bei der echten Landtagswahl ging es an der Merchinger Mittelschule zu: Nur wer sich ausweisen konnte und registiert war, erhielt einen Stimmzettel.
Bild: Christina Riedmann-Pooch

Die Jugendlichen an der Mittelschule in Merching haben bereits ihre Stimme abgegeben. Wie sich das Planspiel auf die Realität auswirkt

Bayerns Wähler dürfen bei der Landtagswahl am Sonntag ihr Kreuzchen setzen. Die Jugendlichen an der Merchinger Mittelschule haben das bei der Juniorwahl bereits getan. Noch zählt ihre Stimme nicht, dennoch hat das Planspiel erstaunliche Auswirkungen.

Dass die Klasse 9 a der Mittelschule Merching mitdenkt, bewies sie im vergangenen Jahr eindrucksvoll mit ihren Elfchen zum Thema Zivilcourage. Die Landtagswahl war für ihre engagierte Lehrerin Katrin Kindler der Anlass das Thema „Wahlen und Demokratie“ möglichst praxisnah mit dem „juniorwahl“-Projekt zu begleiten. Das Planspiel unter realen Bedingungen vermittelt, wie wählen funktioniert.

Für Katrin Kindler ein besonderes Anliegen: „Bei Schülern, die einmal bei der Juniorwahl teilgenommen haben, liegt die Wahlbeteiligung bei den Erstwählern nachweislich höher.“ Außerdem war Sozialkunde ihr Hauptfach im Studium - und ihre Leidenschaft möchte sie den Schülern gerne weitergeben, damit sie als mündige Bürger die Demokratie weitertragen können.

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Ohne ihre Lehrerin hätte sich wohl kaum jemand derart intensiv mit dem Themenkomplex auseinander gesetzt, erzählen die Schüler. „So ein bisschen wusste ich schon durchs Fernsehen Bescheid, aber mit Frau Kindler sind wir tiefer eingestiegen. Schon letztes Jahr haben wir anlässlich der Bundestagswahl an der Juniorwahl teilgenommen.“, berichtet etwa Alina, der das Projekt riesigen Spaß gemacht hat.

Mittelschule in Merching: Echtes Interesse an der Landtagswahl

Wie bei ihr hat man bei vielen ihrer Mitschüler den Eindruck, dass sie nicht nur viel gelernt haben, sondern, dass sie es wirklich interessiert. Beste Voraussetzungen um das Gelernte weiterzugeben: In der 7. Und 8. Klasse hielten die Schüler Referate zum Thema. Akribisch werden die Wahlvorschriften eingehalten: Bereits am 1. Oktober wurden die schriftlichen Wahlbenachrichtigungen an die Klassen 7 bis 9 verschickt – statt Adresse ist das Klassenzimmer angegeben, als Wählerverzeichnis dient die Klassenliste.

Gewählt werden reale Parteien und Personen, deren Ergebnis nur juniorwahl-intern ausgewertet wird. Was und wen müssen die Schüler selbst abwägen - in der Schule wird nur das „wie“ behandelt. „Wir vermitteln die Inhalte völlig wertneutral gemäß Beutelsbacher Konsens 1976“, unterstreicht Katrin Kindler. Parteistrukturen, Stimmkreise, Wahlkampf, Hochrechnungen oder die Aufgaben eines Wahlhelfers – für die Schüler der 9a selbstverständliche Begriffe.

Verena hat an diesem Projekt besonders fasziniert, dass man die Wahl erleben kann, wie ein Erwachsener und dabei lernt um was es geht. Spannend fand sie die Tatsache, dass jeder eine eigene Meinung hat, wie unterschiedlich jede Partei ist – und dass man gründlich überlegen muss, wen man unterstützen will. Dass sie wählen gehen wird, sobald sie volljährig ist, ist für sie selbstverständlich: „Mit seiner Stimme kann man doch etwas verändern.“ Auch Mandy ist ihrer Meinung: „Schließlich bin ich Teil dieses Landes und habe dafür auch eine gewisse Verantwortung.“

Wie bei der echten Landtagswahl kommen die Stimme in eine versiegelte Urne

Dann ist es endlich soweit: Die Wahlurne versiegelt, Stimmzettel liegen bereit, die Wahlhelfer und ein Pressevertreter David aus der 9a sind bestimmt und zwei Wahlkabinen aufgebaut. Für den Wahltag haben Schulamtsdirektorin Carola Zankl, Landrat Klaus Metzger, die Bürgermeister Martin Walch und Hans-Dieter Kandler, Dr. Werner Schrom vom Schulverband, der auch als Vertreter des Gemeinderats fungiert, sowie Vertreter der „großen“ Parteien die Einladung angenommen: Peter Tomaschko (CSU), Christina Haubrich (Grüne), Simone Strohmayr (SPD), Karlheinz Faller (FDP). Alle – sogar die Politiker – sind sich ausnahmsweise einmal völlig einig: „Es ist der Hammer, was diese Mittelschüler aufstellen! Das sollte man an der Schule immer so durchführen! Und: Die Kinder sind perfekt vorbereitet!“ Katrin Kindler freut sich ihrerseits, dass alle gekommen sind und so viel Wertschätzung zeigen. Das Wahlgeheimnis lassen sich die Schüler selbst von Hans-Dieter Kandler nicht entlocken, als er die Schüler zur Probe testet. Dr. Werner Schrom überprüft noch einmal, ob die Formalia beim Wahlgang eingehalten werden und lobt die Wahlhelfer, die agieren, wie Profis – dann verabschieden sich die Gäste und die Wahl beginnt.

Sebastian, Michi und Christoph sind Wahlhelfer – bei ein paar Schülern aus den Nachbarklassen lassen sie sich schon mal den Ausweis zeigen, ob alles seine Richtigkeit hat. Sie sind schon sehr gespannt, was den Wahlausgang betrifft: Vor allem, was das Ergebnis in der Schule sein wird – und was die reale Wahl für Ergebnisse bringt. Wahlhelfer würden sie auch im realen Leben gerne einmal machen – Politiker aber eher nicht: Das überlassen wir lieber anderen, meinen sie.

Nach einem kleinen Wahlhelferessen wird formgerecht die Urne erbrochen, die Stimmen ausgezählt und die Wahlniederschrift angefertigt. Benni, der Stimmen auszählt, schüttelt ungläubig den Kopf, als er eine ungültige Stimme aussortieren muss. Einige aus den Nachbarklassen sind nicht zur Wahl gekommen. „Wie im richtigen Leben!“, kommentiert Katrin Kindler, als die Kinder darüber enttäuscht sind.

Immerhin verzeichnet die Klasse 9 a eine Wahlbeteiligung von 79,76 Prozent. Am Ende sind alle erschöpft, aber zufrieden: 50 Stunden Arbeit – aber sie hat sich gelohnt, resümiert Kindler: „Ich bin mir sicher, am Wahltag sitzen die Kinder vor dem Fernseher – und sind über den Ausgang beinahe so gespannt, wie bei einem Bundesligaspiel.“

Ergebnisse Wer die juniorWahl gewonnen hat, wird erst am erst 15. Oktober unter www.juniorwahl.de bekanntgegeben - die Wahlformalia müssen auch hier eingehalten werden.

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