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Ehrenamt

04.10.2016

Wenn Bürger für mehr Sicherheit auf Streife gehen

Sicherheitswachten sorgen an neuralgischen Punkten für Ordnung. Doch es fehlt an Ehrenamtlichen.
Bild: Alexander Kaya

Jetzt ist wieder die Zeit der Dämmerungseinbrüche. Ehrenamtliche Sicherheitswachten könnten helfen, die Zahl der Straftaten zu senken. Doch kaum einer will den Job machen.

1994 wurden ehrenamtliche Sicherheitswachten ins Leben gerufen. Das sind Bürger, die die Polizei unterstützen, zum Beispiel durch Rundgänge. Sie zeigen Präsenz und stellen Kontakt zu den Bürgern her. In erster Linie werden Mitglieder der Sicherheitswachten bei Großveranstaltungen eingesetzt oder erledigen Streifengänge für die Polizei, meist in ihrem direkten Umfeld. Angehörige der Wacht sollen Vertrauen zu der Bevölkerung aufbauen, um Probleme wahrnehmen zu können und als direkter Ansprechpartner vor Ort wirken zu können.

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Doch das wollen offenbar nur wenige machen. Etwa ein halbes Dutzend Ehrenamtliche gibt es im Landkreis-Süden. Die Polizei sucht dringend Helfer für Mering – hier wurde das Projekt erst diesen Frühling eingerichtet – und Friedberg.

Kontakt mit Jugendlichen

Günther Schwarz aus Kissing ist seit 2011 Mitglied der Sicherheitswacht. Er hat diesen Posten angenommen, weil er sich ehrenamtlich engagieren wollte. Vor allem der Kontakt mit Menschen bereitet ihm Freude. Es sei schön, auch mit Jugendlichen reden zu können. Für Vergehen der Jugend hat er Verständnis – „wir waren ja auch mal jung“.

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Er weise Jugendliche aber zum Beispiel darauf hin, die Lautstärke zu senken oder Müll wieder mitzunehmen. Außerdem findet er es praktisch, dass die Dienstzeiten relativ frei wählbar sind. Mittlerweile kennen ihn die Leute in Kissing, seinem Einsatzgebiet, und sprechen ihn direkt an. „Helfen zu können, ist ein schönes gefühl“, sagt er.

40 Stunden Ausbildung

Die Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten findet in einem Abendseminar von insgesamt 40 Stunden statt. Wolfgang Hamann, stellvertretender Leiter der Polizei in Friedberg und Verantwortlicher für den Sicherheitsdienst, erklärt, warum so eine Schulung nötig ist. Die Helfer hätten spezielle Befugnisse, sie dürften beispielsweise Personalien erfragen oder Platzverweise ausstellen.

Für Hamann ist die Wacht von elementarer Wichtigkeit, sie verstärke das Sicherheitsgefühl der Menschen und sei eine Erleichterung für die Polizeistreifen. Die Bewerber werden gründlich geprüft, vor allem in Bezug auf ihre politische Einstellung. Extremisten nimmt man nicht auf. Es soll gewährleistet werden, dass die Mitglieder ihr Amt nicht missbrauchen. Dies liegt Hamann sehr am Herzen, er möchte keine „Bürgerwehr“ etablieren, sonder will „normale Leute für die Sicherheit, die der Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite stehen“.

Sowohl in Kissing als auch in Friedberg haben die Sicherheitswachtler vor allem mit Jugendlichen zu tun. Die Sicherheitswacht kontrolliert Ausweise, schaut nach dem Rechten und achtet darauf, dass nicht verbotenerweise gegrillt wird. Harmlos ist die Aufgabe allerdings nicht. Manchmal werden die Menschen aggressiv, die die Ehrenamtlichen ansprechen.

Acht Euro pro Stunde

Vor allem, wenn jetzt die Zeit der Dämmerungseinbrüche wieder beginnt, sind die Helfer laut Hamann unersetzlich (hier geht es zu unserer Sonderseite "Einbruchsradar"). Sie können Informationsmaterial verteilen und Ratschläge geben. Die momentan geringe Resonanz aus der Bevölkerung kann sich Hamann nicht erklären. Er hofft auf Bewerber, vor allem für Mering und Friedberg. Vergütet werde die Arbeit mit acht Euro pro Stunde.

Merings Bürgermeister Hans-Dieter Kandler kann sich das geringe Interesse nur schwer erklären. Er vermutet, es liege an dem Höchstalter von 60 Jahren. Die ehrenamtliche Arbeit neben einem Hauptberuf zu erledigen, sei für viele eine zu große Belastung. Roland Eichmann, Bürgermeister von Friedberg, sieht das Problem nicht primär in dem Anforderungsprofil, sondern in der Arbeit an sich.

Fordernde Aufgabe

Für sehr fordernde Ehrenämter stellen sich seiner Erfahrung nach generell nicht viele zur Verfügung. Er merke, wie sich die Präsenz der Sicherheitswacht auf Friedberg positiv auswirkt, vor allem beim Altstadtfest seien die Helfer sehr gefragt gewesen. Eichmann würde sich allerdings in erster Linie eine Verstärkung der Polizeikräfte wünschen. Diese seien besser ausgebildet.

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