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Mering

17.09.2020

Wie der neue Unverpackt-Laden in Mering ankommt

Eva Huber verkauft in ihrem veganen Cafe Seelenzeit nun auch eine ganze Reihe unverpackter Produkte.
Bild: Edigna Menhard

Plus Seit Kurzem setzt Eva Huber im Café Seelenzeit auf das Konzept zur Vermeidung von Verpackungsmüll. Damit verwirklicht sie sich einen Traum. Doch die Hürden sind hoch.

Beim Thema Nachhaltigkeit zeigt Mering gerade, dass ziemlich viel Pioniergeist in der kleinen Marktgemeinde steckt. Erst Ende Juni eröffnete Sigrun Schlüter in St. Afra den Unverpacktladen „Der Erlbäck – Loses & Brot“. Und nun realisiert auch Eva Huber, Betreiberin des Cafés Seelenzeit, in ihrem Laden ein Konzept zur Vermeidung von Verpackungsmüll.

Michael Dudella, Gründungsmitglied des Bündnisses für Nachhaltigkeit in Mering, freut das. Er selbst hat nicht nur beim Eröffnungstag des Erlbäcks der Geschäftsinhaberin für ihre Initiative gedankt und den liebevoll eingerichteten Laden bewundert, sondern er gönnt sich immer wieder im veganen Café Seelenzeit ein Stück Kuchen und einen frisch gepressten Saft. „Sicherlich ist es in Zeiten der Pandemie kein leichter Schritt, so eine Geschäftsinitiative zu starten“, lobt er den Mut der beiden Unternehmerinnen.

Die beiden Geschäfte ergänzen sich gut. Während Der Erlbäck ein klassischer Unverpacktladen ist und in sogenannten „Bins“, das sind große Glasbehälter, den Kunden Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Linsen, Gewürze, Nüsse, Trockenfrüchte, Flocken, Crunchies und Kerne abwiegt, verfolgt Eva Huber ein anderes Konzept: „Wir bieten alles an, was ein Unverpacktladen drumherum verkauft.“

Wie der neue Unverpackt-Laden in Mering ankommt

Viele Auflagen für das Meringer Unverpackt-Konzept

Eigentlich hatte sie ursprünglich vor, auch Lebensmittel zum Abfüllen zu verkaufen. Da die Bins mit 300 Euro pro Stück recht teuer sind und allein für die Sammelbehälter schnell ein fünfstelliger Betrag aufgebracht werden muss, plante sie gemeinsam mit den beiden Mitstreiterinnen, Sarah Hertle und der Grünen-Abgeordneten Christina Haubrich, diesen Betrag über Patenschaften aufzubringen. Die Paten hatte sie bereits gefunden. „Ich war begeistert, dass die Bereitschaft so groß war, dieses Projekt zu unterstützen“, erzählt Eva Huber.

Doch die unsichere Lage aufgrund der Corona-Pandemie bremste die Unternehmerin aus, ebenso die vielen behördlichen Auflagen, die beim Lebensmittelverkauf besonders streng sind. Dazu war sie sich nicht sicher, ob in Mering zwei Unverpacktläden mit einem ähnlichen Sortiment „überleben“ können. Deshalb steht nun in ihren Regalen Nachhaltiges und Unverpacktes wie beispielsweise Haarseifen, sogenannte „ShampooBits“, die sich gerade zum Bestseller in ihrem Geschäft entwickelt haben. Sehr begehrt seien außerdem Lebensmittel wie Trockenfrüchte, Nüsse und Aufstriche, die sie im Pfandglas verkauft. Seit Kurzem hat sie zudem eine Abfüllstation für ökologische Wasch- und Reinigungsmittel im Laden aufgestellt – auch die werde hervorragend angenommen.

Darüber hinaus bietet sie Naturkosmetik zum Nachfüllen an, wie Handseifen und Bodylotion. In ihrem Portfolio sind zudem handgeröstete Ofenmischungen aus bayerischem Buchweizen, Sonnenblumenkernen und Rosinen zum Snacken. Die sind in Gläser abgefüllt, welche wieder zurückgebracht und wiederverwendet werden können.

Sigrun Schlüter eröffnete Ende Juni in der früheren Bäckerei Knoll in St. Afra Merings ersten Unverpackt-Laden.
Bild: Heike Scherer

Im Café ist ihr die Nachhaltigkeit ebenso wichtig, es soll möglichst wenig Verpackungsmüll entstehen. Kunden können das frisch zubereitete Essen vorbestellen, das dann in mitgebrachte Behälter abgefüllt wird. Demnächst möchte sie auch auf Pfandgläser für das To-go-Geschäft umstellen. „Wir haben noch einige umweltfreundliche Becher aus Zuckerrohr und Maisstärke. Die schmeißen wir natürlich nicht weg. Aber sobald diese verbraucht sind, rüsten wir um“, verspricht sie.

Nicht alles aus Plastik ist schlecht

Ehrlich räumt Eva Huber ein, dass es jedoch nicht funktioniere, alle Waren unverpackt zu verkaufen. Wie beispielsweise das Zirbelsäckchen im Portfolio. „Wenn das hier im Regal unverpackt steht, dann duftet das irgendwann nicht mehr“, erklärt sie. Oder die Schokolade, die in Zellophan gewickelt ist. Nicht alles Plastik sei schlecht, betont sie. So sei Zellophan relativ umweltverträglich, weil es teilweise aus Holz hergestellt werde.

Auch Michael Dudella ist überzeugt, dass die Müllproblematik mittlerweile mehr in den Fokus der Menschen gerückt sei. So achteten viele auch im herkömmlichen Supermarkt stärker darauf, ihr Gemüse nicht in Plastik oder anderen Verpackungen zu kaufen. „ Corona hat da vielleicht zunächst wieder ein wenig gebremst, weil der Verpackungsmüll durch die vielen Hauslieferungen zugenommen hat“, meint er. Er hoffe aber, dass durch die Pandemie das Bewusstsein komme, dass regionales Konsumieren notwendig sei und auch die Landwirte in der Region in den Hofläden oder auf dem Markt ein breites Angebot bieten. „Und dort sind die Produkte meistens auch weniger verpackt“, ergänzt er.

Außerdem hofft er, dass das Engagement der beiden Meringer Unternehmerinnen von den Kunden angenommen wird. Für die Gemeinde erhofft und wünscht er sich eine nachhaltige Zukunft: „Es wäre toll, wenn Mering ein Vorzeigeort in puncto Nachhaltigkeit wäre: eine lebendige Innenstadt mit Geschäften, die auf die Regionalität und faire Aspekte bei den Produkten achten.“

Lesen Sie dazu auch: Das bietet der neue Unverpacktladen in Mering-St. Afra

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