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Gesellschaft

14.05.2019

Wie können Senioren selbstbestimmt leben?

Im Alter möglichst lange zuhause und selbstständig leben können – das ist der Wunsch vieler Menschen. Mit Unterstützung von Nachbarn und Hilfsdiensten ist das oft auch möglich. EIne Tagung beschäftigte sich mit dem Thema.
Bild: Halfpoint, Stock Adobe

Plus Die Landkreise Aichach-Friedberg und Augsburg wollen Netzwerke für Senioren aufbauen. Es geht um Wohnen, Einkaufen, Nahverkehr. Einige gute Beispiele gibt es schon.

Wer hilft Oma Schmid, damit sie so lange wie möglich ein selbstständiges und selbst bestimmtes Leben in ihrem Zuhause führen kann? Oma Schmid könnte auch Opa Müller sein und mitten unter uns wohnen, in Dasing, in Dinkelscherben oder auf dem Lechfeld. Der charmante Arbeitstitel gab den Impuls für einen Austausch unter dem Motto „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“. Zu dieser Veranstaltung rund um eine gelungene Seniorenvorsorge hatten die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg eingeladen.

Angesprochen waren in erster Linie Bürgermeister und Seniorenbeauftragte, um sich über Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten bei der Unterstützung von Senioren zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und sich Anregungen anhand von Praxisbeispielen zu holen. Denn der demografische Wandel der Gesellschaft stellt die Kommunen vor große Herausforderungen und ist nicht erst seit heute ein Thema in den Gemeinden.

Was brauchen Senioren, um daheim leben zu können?

Der Sozialstaat könne aber nicht alle damit verbundenen Probleme und Anforderungen lösen; darum sei bürgerschaftliches Engagement mehr denn je gefragt, so der Tenor der Veranstaltung im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Was Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann bereits in seiner Begrüßung ansprach, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung: Wie kann es gelingen, ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem Umfeld wohnen zu lassen und für sie ein soziales Netz zu bereiten, das Notlagen wahrnimmt und bei Bedarf für Hilfe sorgt?

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Derzeit werden in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg die seniorenpolitischen Gesamtkonzepte weiterentwickelt, wie Landrat Martin Sailer (Augsburg) als Co-Veranstalter von Landrat Klaus Metzger (Aichach-Friedberg) informierte. Doch wer sind denn eigentlich „die Senioren“, fragte Staatssekretärin Carolina Trautner (Stadtbergen) vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in ihrem Grußwort. Es gebe keine homogene Zielgruppe, vielmehr viele unterschiedliche Lebenswelten, Lebensentwürfe und Lebensgefühle. Auch die Tatsache, dass sich angesichts einer steigenden Lebenserwartung die Zeit nach dem Erwerbsleben auf eine Spanne von bis zu vier Jahrzehnten ausdehnen kann, sei eine große Herausforderung für die Seniorenpolitik.

Und nicht immer ziehen die Beteiligten bei dem Thema an einem Strang. Jeder ob Jung oder Alt müsse sich von diesem Thema angesprochen fühlen, betonte Gerhard Dix, Referatsdirektor für Bildung und Soziales beim Bayerischen Gemeindetag. Sein Appell an Kommunen und Bürger lautet, sich nicht auf gesetzliche Ansprüche zu berufen, sondern selbst tätig zu werden: „Die Leute leben bei Ihnen.“ Dix forderte dazu auf, mit dem Werkzeug der integrierten Sozialplanung Vorstellungen zu entwickeln, wie es in einem Ort weitergehen kann. Zunächst sei jeder für sich selbst verantwortlich und müsse sich damit auseinanderzusetzen, wie er sich ein Leben im Alter vorstellt und sich rechtzeitig ein Umfeld zu schaffen, das bis ins Seniorenalter trägt.

Wohnungen und Betreuungsangebote sind wichtig

Die Daseinsvorsorge beschränke sich bei Weitem nicht auf Unterstützung im Pflegefall. Seniorengerechte Wohnungen, Infrastruktur, insbesondere Einkaufsmöglichkeiten und der Personennahverkehr sowie Betreuungsangebote sind die Herausforderungen an die Gemeinden. Was es dabei an Fördermöglichkeiten vonseiten des Staates gibt, darüber informierte Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe Konzepte, Sozialplanung und Altersforschung in München, die die Veranstaltung moderierte. Sie ist im Rahmen der Koordinationsstelle Wohnen im Alter bayernweit unterwegs, um Konzepte für ein Miteinander der Generationen zu begleiten.

Auch in Ried (Kreis Aichach-Friedberg) war sie beratend vor Ort, als im Rahmen der Gemeindeentwicklung ein Quartierskonzept auf die Beine gestellt wurde. Die Vorstellung des erfolgreichen Projekts war eines von vier Praxisbeispielen aus den zwei Landkreisen.

Wie altersgerechte Quartierskonzepte gelingen können, darüber referierte auch Hubert Plepla, der im Unterallgäu Demografieberatung für Kommunen und Verbände anbietet. Er sprach davon, eine „Mitwirkungsgesellschaft“ aufzubauen und nicht nur alle Helfer, sondern auch die Betroffenen mit ins Boot zu holen. Die Bedeutung des gemeinsamen Tuns griff auch Landrat Klaus Metzger zum Abschluss auf. Eine Gesellschaft sei nur so stark, wie sie sich als Gemeinschaft verstehen könne.

Beispiele aus den Landkreisen Aichach-Friedberg und Augsburg

  • Quartierskonzept Ried: Eine „Kümmer-Liesl“der Gemeinde entwickelt Projekte von und für Senioren, von Strickkreisen über Begegnung der Generationen bis zu Mitfahrdiensten.
  • Casa Cambio: Das Mehrgenerationenhaus in Kissing ist Treffpunkt und Ratgeber auch für Senioren und bietet unter anderem einen Besuchs- und einen Fahrdienst.
  • Sozialraumprojekt: Mit „Wir daheim auf dem Lechfeld“ möchten die Gemeinden Graben, Untermeitingen, Klosterlechfeld, Obermeitingen und Kleinaitingen das Miteinander und Nachbarschaftshilfe stärken und vernetzen.
  • „Daheim sein, daheim bleiben“; Im Projekt des Vereins für ambulante Krankenpflege Holzen und Umgebung wurde mit der Sozialstation Meitingen ein Helferkreis für Senioren aufgebaut.
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