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Friedberg

05.08.2019

Wie könnte eine Linie 6 bis in die Friedberger Innenstadt aussehen?

Soll die Straßenbahn der Linie 6 zwischen Friedberg und Augsburg, hier am bisherigen Endpunkt am P+R Friedberg West, weiter in den Stadtbereich fahren und wenn ja, dann wie?
Bild: Annemarie Rencken

Plus Die Fahrt mit der Straßenbahn von Friedberg nach Augsburg ist aus Sicht der Passagiere eine "Weltreise". Wie eine Verlängerung der Linie 6 aussehen könnte.

Warum hat Friedberg eine Straßenbahn, die nicht in die bis in die Stadt fährt? Das fragen sich viele Friedberger seit der Eröffnung der Linie 6 vor knapp acht Jahren. Zuletzt kam Bewegung in das Thema: Der Friedberger Bauausschuss lässt die Möglichkeit einer Verlängerung der Trasse durch die Stadt prüfen. Die Leser der Friedberger Allgemeinen reagierten auf Facebook unterschiedlich darauf. Straßenbahn- und Zugpassagiere befürworten den Vorstoß. Auch Friedbergs ÖPNV-Beauftragter Manfred Schnell hält das Projekt für machbar und zukunftsgerichtet. Doch es gibt auch Gegenargumente.

Nadia Tarquinio fährt täglich mit der Straßenbahn zur Arbeit aus Lechhausen nach Friedberg. „Eine durchgehende Verbindung wäre viel besser und würde mir jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit sparen“, sagt sie. Sie ist überzeugt, dass viele Menschen, vor allem Pendler, so denken. Bisher müssen Fahrgäste der Straßenbahn in Friedberg-West in den Bus umsteigen und teils lange warten, wenn sie in die Stadt wollen. „Die Bahn ist von Lechhausen auch nicht so gut erreichbar und damit keine gute Alternative“, so Tarquinio. An eine schnelle Umsetzung der Pläne für eine verlängerte Trasse glaubt sie allerdings nicht.

Pendler aus Friedberg findet Straßenbahnlinie 6 nicht attraktiv

Ulrich Wellenbeck wohnt in Friedberg und fährt regelmäßig in die Augsburger Innenstadt. Die Straßenbahnlinie 6 ist für ihn aktuell nicht attraktiv. Er sagt: „Ich habe ein Auto und bin dennoch sehr aufgeschlossen gegenüber dem ÖPNV. Aber das Angebot stimmt einfach nicht.“ Mit dem Auto sei er schnell da und könne günstig parken. „Die Straßenbahn ist schlecht angebunden, und man braucht deshalb ewig, das ist eine Weltreise. Und zu teuer finde ich sie im Vergleich auch.“ Einen Ausbau der Linie 6 würde Wellenbeck begrüßen und sie dann womöglich hin und wieder nutzen. Den Zug vom Friedberger Bahnhof nimmt er schon jetzt ab und zu: „Wenn man zum Augsburger Königsplatz bzw. die Stadtmitte möchte, ist der unschlagbar mit nur zehn Minuten Fahrzeit.“

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Auch auf der Facebook-Seite der Friedberger Allgemeinen wird eine hitzige Debatte über die Zukunft der Linie 6 geführt. Ein Leser meint, dass eine auf die Straßenbahn abgestimmte Buslinie besser wäre als ein Trassenausbau, weil dann weniger Arbeiten in Friedberg nötig wären und die Straßen nicht so eng würden. Für diese Haltung gibt es teils Zustimmung. Ein anderer Leser widerspricht und sieht die Situation weniger dramatisch: Zug und Tram in der aktuellen Form reichen seiner Meinung nach völlig aus. Unverständnis herrscht bei manchen über die Einstellung der einstigen Buslinie 36 zwischen Friedberg und Augsburg.

Friedberger Bauausschuss gibt Machbarkeitsstudie in Auftrag

Die kürzlich vom Bauausschuss in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll klären, ob eine der zwei Varianten umsetzbar ist. Favorisiert wird die 2,5 Kilometer lange Trasse vom Park-and-ride-Platz in Friedberg-West über die Hans-Seemüller-Straße und das Wittelsbacher Schloss bis hin zum Schulzentrum. Durch eine Wendeschleife am Volksfestplatz könnten Passagiere in beide Richtungen fahren. Die Alternativroute – eine eingleisige Schleife im Uhrzeigersinn vom Volksfestplatz über die Aichacher Straße, Bahnhof, Steirer Berg, Afrastraße zur Augsburger Straße – wäre doppelt so lang. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) befürwortet das Projekt. Opposition kam allerdings von Claudia Eser-Schuberth (Grüne), die das Vorhaben kurz- und mittelfristig für unrealistisch hält.

Friedbergs ÖPNV-Beauftragter Manfred Schnell sieht die Linie 6 schon jetzt als Erfolgsgeschichte: „Sie hat der anfangs starken Kritik zum Trotz voll eingeschlagen.“ Dass die Fahrgäste nicht durchfahren können, sondern den Bus in die Stadt nehmen müssen, findet Schnell „sehr bedauerlich“. Dadurch sei die effektive Fahrzeit so lange wie bei der alten Buslinie 36, obwohl die Straßenbahn schneller fährt. Eine längere Trasse werde zweischneidige Folgen haben, vermutet Schnell: „Die bessere Anbindung brächte wohl eine Steigerung der Miet- und Grundstückspreise.“

Schnell glaubt an eine Fertigstellung der Straßenbahntrasse innerhalb von fünf bis sechs Jahren, sofern der politische Wille vorhanden sei und es keine größeren Verzögerungen wegen Beschwerden gebe. Dass das keine Träumerei sei, habe sich in Königsbrunn bei der dortigen Linie 3 gezeigt: „Ab dem Zeitpunkt, an dem alle Beteiligten es wirklich wollten, hat es nur noch wenige Jahre bis zum Spatenstich gedauert, der vermutlich noch in diesem Jahr erfolgt.“ Die Kosten lägen wohl bei rund zehn bis 15 Millionen Euro pro Streckenkilometer, also für die favorisierte Trasse in Friedberg bei circa 30 Millionen Euro. Die Stadt könne dabei mit einer Förderung zwischen 55 und 85 Prozent der Summe rechnen.

Schnell geht davon aus, dass die Tram wohl entlang der B300 verliefe und die Straße verlagert werden müsste. „Die Straßenbahn würde schallgeschützt dort fahren und wäre leiser als die Autos“, so Schnell. Bliebe die B300 bestehen, könne ein Tunnel für die Straßenbahn ab dem Schloss Richtung Volksfestplatz nötig sein. Schnell sagt dazu: „Alles ist machbar."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Verlängerung der Linie 6: Vergesst die Pendler nicht

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