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Verkehr

09.10.2020

Wird die Osttangente schöngerechnet?

Aktionsbündnis kritisiert die Nutzen-Kosten-Kalkulation der geplanten Straße

Die zwischen der B17 bei Königsbrunn und der A8 bei Derching geplante Osttangente werfe nicht nur schwerwiegende Umwelt- und Klimafragen auf, sondern auch der „angebliche monetäre Nutzen“ gebe Anlass zu Fragen, so das Aktionsbündnis Keine Osttangente (AKO). Sprecher Wolfhard von Thienen erläutert in einer Mitteilung, das Projekt werde mit einen Nutzen-Kosten-Faktor von 6 bewertet. Das bedeute, dass der finanziell bewertete Nutzen die Kosten für die Erstellung der Straße weit übersteigt. Dies sei eines der Hauptargumente für den Bau dieser Lechautobahn.

Im Detail bedeute es, dass für Planung und Bau eine Summe von 160 Millionen Euro kalkuliert wird. Gleichzeitig werde ein Nutzen von fast einer Milliarden Euro kalkuliert. Der größte Teil des Nutzens (über die Hälfte) in Höhe von rund 600 Millionen Euro entstehe durch „angebliche Zeitersparnisse bei Privatfahrten“. Wie wird das berechnet?

Von Thienen hat sich dazu an das Bundesverkehrsministerium gewandt. Dieses erläutert in einem Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt: Jede Stunde, die bei Privatfahrten eingespart wird, wird mit 5,50 Euro bewertet. Laut Ministerium summiert sich das für den betreffenden Bereich der B2 auf über 22,4 Millionen Euro im Jahr.

Von Thienen kritisiert aber: „Das gilt unabhängig von der Sinnhaftigkeit einer Fahrt oder ihres volkswirtschaftlichen Nutzens. Ob man von Friedberg nach Königsbrunn ins Kino fährt oder von Mering zum Shoppen nach Kissing oder einfach nur so herumfährt, weil es Spaß macht oder in die Arbeit - das spielt keine Rolle, man erzeugt dadurch immer einen hohen finanziellen Nutzen.“

Und: Jede Sekunde – auch kaum wahrnehmbare Verkürzungen – fließe in die Nutzenkalkulation ein. Bei dem geschätzten Verkehrsaufkommen von etwa 30000 Kfz am Tag kämen da schnell sehr große Summen zustande. „Dieses Verfahren wird von vielen Fachleuten und Umweltverbänden heftig kritisiert, denn man kann dadurch jedes Projekt schönrechnen“, so der AKO-Sprecher. Außerdem widerspreche es der immer dringenderen Forderung nach Reduzierung des individuellen Autoverkehrs im Interesse des Umwelt- und Klimaschutzes, denn jede Privatfahrt werde als in harter Währung gerechneter Nutzen gewertet.

Die Bürgerinitiative wirft dem Ministerium Intransparenz vor. Man habe angefragt, wie die 600 Millionen Euro Nutzen berechnet werden. Dazu sei es interessant zu wissen, wieviel Zeit tatsächlich angesetzt wird, die auf der knapp 25 Kilometer langen Strecke eingespart wird. Das hänge von vielen Faktoren ab wie Anzahl der Fahrten, Start- und Ziel, Fahrzeugauslastung usw. Diese Faktoren würden in einem umfangreichen, für normale Bürger nahezu unverständlichen Methodenhandbuch beschrieben. „Welche Werte aber für diese Faktoren angesetzt werden und wie sie in die Berechnung einfließen, ist nicht nachvollziehbar. Das Bundesverkehrsministerium jedenfalls gibt diese Auskunft nicht“, so von Thienen. Es verweise vielmehr auf Verkehrssimulationen, die von Fachleuten durchgeführt wurden und auf das Methodenhandbuch. „Transparenz sieht anders aus.“ (AZ)

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