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Landwirtschaft

13.09.2016

Wo Schweine sich sauwohl fühlen

Insgesamt 700 Jungtiere wohnen zurzeit im Gebäude des „ersten bayerischen Schweinehotels“ in Steinach. Am Tag der offenen Tür besuchten zahlreiche Besucher den Betrieb.
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Insgesamt 700 Jungtiere wohnen zurzeit im Gebäude des „ersten bayerischen Schweinehotels“ in Steinach. Am Tag der offenen Tür besuchten zahlreiche Besucher den Betrieb.

In Steinach gibt es seit zwei Wochen das „erste bayerische Schweinehotel“. Zum Infotag kamen 1000 Besucher. Was ist das Besondere an dem Konzept?

 Einige Schweine liegen im Außenbereich des Stalls und genießen die frische Brise, die durch die offene Seitenwand weht, und die leichte kühlende Dusche in regelmäßigen Abständen. An einem Futtertrog herrscht Streit um den besten Platz. Ferkel ziehen sich in den kleineren Liegebereich zurück.

 Die Überdachung schützt vor Nässe oder Sonnenbrand, im Winter wird zusätzlich ein Windschutznetz an der Seite angebracht. Vor zwei Wochen bezogen 700 Jungtiere ein Gebäude des „ersten bayerischen Schweinehotels“ in Steinach, bald werden im zweiten nochmals 700 Tiere Platz finden. Am Tag der offenen Tür besichtigten nun Besucher, die aus ganz Bayern und sogar aus Baden-Württemberg angereist waren, den Pionierbetrieb im Landkreis Aichach-Friedberg.

Viele sind an „bio“ interessiert

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Gertrud Lidl und ihre dreijährige Enkelin Antonia kaufen samstags in Merching bei Sophie Gelb Wurst und Fleisch und wollen sich den neuen Wohlfühlstall für Schweine ansehen. Stefan Schnitzer aus Merching ist mit seiner Frau und den Töchtern Maria und Sarah hergekommen. „Unsere Nachbarn haben einen Bauernhof. Wir sind neugierig, wie die Schweine hier untergebracht sind“, sagt er und möchte zum Mittagessen bleiben. Spezialitäten wie Rollbraten oder Zupfsausemmeln mit Krautsalat warten auf Besucher. Felix Esemann ist mit seiner Mutter Kathrin beim Stall und beobachtet die Schweinchen. „Mein Vater hat den Fortgang der Bauarbeiten bei seiner Laufrunde verfolgen können und mich auf dem Laufenden gehalten. Ich bin außerdem bereits Kundin der Familie Gelb“, verrät die junge Frau.

 Albert Erhard aus Hausen wird sich vermutlich für das Fleisch des Hofes entscheiden. Bisher sei er immer nach Hochzoll gefahren, um sich Bioware zu besor-gen, Fleisch aus Supermärkten kaufe er nur ungern, sagt er. Aus Gosheim im Landkreis Donau-Ries kommt Simone Naß mit ihrem Mann und Tochter Sophia. Sie betreiben eine Schweinemast mit 1000 Tieren auf konventionelle Weise und planen, wie Familie Gelb neue Wege einzuschlagen.

Ein „Wellnesshotel“

„Im Fernsehen wurden die Landwirte in letzter Zeit sehr negativ als Tierquäler oder Umweltverschmutzer dargestellt, und deshalb sah ich mich nach einem neuen, nicht zu teuren Konzept um“, erzählt Josef Gelb bei der Begrüßung. Er entschied sich für die Firma Schauer Agrotronic GmbH aus Prambachkirchen in Österreich, die in Steinach den allerersten bayerischen Wellnesshof für Schweine errichtete. In Österreich gibt es bereits drei solcher Höfe. Er bedankte sich bei seinem Sohn und den Töchtern Katharina und Elisabeth, aber vor allem bei Ehefrau Sophie, die ihn unterstützten.

Der Landwirt, der zwei Lehrlinge und eine weitere Mitarbeiterin beschäftigt, freute sich, dass nicht nur Persönlichkeiten aus der Politik gekommen waren, sondern auch die Vertreter der Unternehmen, die dafür sorgten, dass zwischen Planung und Fertigstellung gerade einmal sechs Monate lagen. Gelb ist überzeugt, dass seine Tiere jetzt gesünder und robuster sind und die Verbraucher dies wünschen. Einen Metzger, der die Vermarktung übernimmt, habe er noch nicht gefunden, hofft aber auf Anfragen.

Tiere wachsen langsam heran

Im Alter von drei Monaten und bei einem Gewicht von 30 Kilogramm siedeln die jungen Schweine in die neuen Gebäude mit Stroh um, erklärte Tochter Elisabeth, die in ihrer Freizeit hilft. Je nach Alter erhalten sie im Außenbereich Futter aus Soja, Mais, Weizen und Gerste aus eigenem Anbau, das mit Wasser angereichert wird, in Spot-Mix-Fütterung, das heißt, ein Sensor füllt immer wieder Futter in kleinen Portionen in die Tröge. Außerdem bekommen sie Mineralfutter und Stroh.

Auf diese Weise wachsen die Tiere gesund und langsam heran. Da sich die Toiletten am Rand befinden und die Gülle alle zwei Stunden abfließt, entsteht kaum Geruch im Stall. Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko begrüßte die Entscheidung für gesunde Lebensmittel und betonte die Bedeutung der Landwirtschaft im Wittelsbacher Land. Der Abgeordnete Johann Häusler sah den Tag der offenen Tür als richtigen Weg, einer breiten Öffentlichkeit das neue Konzept vorzustellen und freute sich, dass ein Familienbetrieb ein so großes finanzielles Risiko gewagt hatte.

Vizelandrat Peter Feile wies darauf hin, dass die Meinung „Billig ist gut“ heutzutage nicht mehr richtig sei. Das sehen offenbar auch Bauern so. Einige von ihnen ließen sich von den Fachfirmen bezüglich einer Umstellung ihrer Landwirtschaft beraten.

Kontakt

Josef Gelb bittet Metzgerei-betriebe, die an der Vermarktung seiner Tiere interessiert sind, sich mit ihm unter Telefon 08202/8161 in Verbindung zu setzen.

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