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Eurasburg

22.02.2021

Wolf reißt Reh im Eurasburger Forst - wie gefährlich ist das Tier?

Ein Wolf hat bei Eurasburg ein Reh gerissen - ein DNA-Test hat das inzwischen bestätigt.
Bild: Alexander Heinl, dpa (Symbolbild)

Plus Ein Reh wird zwischen Odelzhausen und Freienried von einem Wolf gerissen. Ein Schäfer fürchtet um seine Tiere, ein Förster beruhigt. Muss man Angst haben?

Nun gibt es Gewissheit: Ein Wolf hat Mitte Januar ein Reh im Eurasburger Forst gerissen. Das ergab ein DNA-Test. Das Thema beschäftigt auch viele Leser. Allein auf unserer Facebookseite wurde der Artikel mehr als 50 Mal kommentiert. Die Meinungen zum Wolf gehen auseinander.

Richard Kiemer ist Schäfer in Unterumbach. Bis vor einer Woche waren 400 seiner Schafe auf der Weide, wo der Wolf Mitte Januar ein Reh gerissen hatte. "Erst gut vier Wochen später stand das Ergebnis fest, das ist doch ein Witz", ist der Schafzüchter empört. Wie soll man da als Züchter rechtzeitig reagieren und für Schutz sorgen. Er bewirtschaftet seit 2002 seine Merino-Landschaf-Zucht im Nachbarlandkreis Dachau in der Nähe von Pfaffenhofen an der Glonn.

"Sicher bin ich mir nicht, dass nicht schon ein Wolf bei uns an der Herde war", sagt Kiemer. Wer wisse schon, ob nicht der Elektroweidezaun das Raubtier von seinen Schafen abgehalten habe. "Vermutet wird ja, dass es nicht nur ein Wolf ist, der hier sein Unwesen treibt, sondern insgesamt sich drei Tiere bei uns in der Gegend aufhalten." Die Herde mit sogenannten Herdenschutzhunden zusätzlich zu sichern, sei nicht so einfach, wie sich viele vorstellen. Von den Kosten einmal abgesehen, müsse man auch geeignete Hunde finden. "Mal eben schnell einen Hütehund mit der Herde zusammentun, da meint auch nur der Laie, dass das so unkompliziert geht", sagt Kiemer.

Schäfer sieht Wolf als Gefahr für seine Schafe

Auch seien die Argumente, dass man als Züchter einen finanziellen Ausgleich für gerissene Schafe bekomme, nicht wirklich eine Entschädigung. "Wenn ein Wolf in einer Herde ein Tier reißt, da sind die anderen Schafe regelrecht traumatisiert", so Kiemer. Einige Muttertiere verlören ihre Lämmer, andere seien so verunsichert, dass sie kaum mehr auf der Weide gehalten werden könnten. Allen Wolf-Fans schlägt Kiemer nicht ganz ernstgemeint vor: "Sie können gerne kommen und bei mir nachts die Schafe hüten, das Feuerholz für ein gemütliches Lagerfeuer spendiere ich ihnen gerne."

Richard Kiemer aus Unterumbach sorgt sich um seine Schafe.
Bild: Richard Kiemer

Es ist bereits der zweite Vorfall im Wittelsbacher Land binnen eines halben Jahres. Im Sommer hatte ein durchziehender Wolf in Hollenbach mehrere Schafe gerissen. Auch unter den Jägern geht nun die Sorge um, dass das Tier in der Region sesshaft werden könnte. "Für das Wild wäre das eine Katastrophe", sagt der Eurasburger Bürgermeister Paul Reithmeir, der selbst auf die Jagd geht. Immer wieder hatte es Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfs gegeben, die sich jetzt im Nachhinein wie ein Puzzle zusammenfügen. Wir waren uns aber nicht sicher, weil noch keiner von uns vorher Wolfsspuren gesehen hat", so der Eurasburger Bürgermeister.

Eine Vermutung hatte auch Förster Nico Bonanni, zu dessen Revier auch Teile des Eurasburger Forstes gehören: "Wir haben ungewöhnliche Spuren im Schnee entdeckt, wollten aber zunächst nicht glauben, dass die zu einem Wolf gehören", so der Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten Eurasburg, der selbst noch keinen Wolf gesehen hat: "Ich war extra in den Karpaten, um einen Wolf zu sehen, hatte aber kein Glück."

Förster: "Wolf ist scheuer als ein Reh"

Spaziergänger müssen laut Bonanni übrigens keine Angst haben: "Der Wolf ist scheuer als ein Reh. Wer einen sieht, kann sich freuen, denn das ist wirklich selten. Angst muss man auf jeden Fall keine haben." Zumal der Wolf nicht lange im Eurasburger Forst bleiben werde: "Leider nicht, denn der Wolf braucht große zusammenhängende Wälder, die wir hier nicht haben. Die Westlichen Wälder wären geeigneter."

Ein Wolf hat im Eurasburger Forst ein Reh gerissen.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Nur füttern sollte man das Tier nicht, wie Bonanni sagt: "Aus der Hand frisst der Wolf einem sowieso nicht, aber man sollte auch kein Futter auslegen. Dann verlieren die Tiere irgendwann die Scheu vor dem Menschen."

Facebook-Nutzer reagieren auf Eurasburger Wolf

Nicht alle können die Aufregung um das Auftauchen des Wolfes verstehen. Ein Nutzer schreibt auf unserer Facebookseite: "Hört endlich auf mit der Verteufelung des Wolfes. Der Wolf gehört genauso zum Ökosystem wie das Reh oder der Hase und diese ganzen Schauermärchen um den Wolf sind ein Märchen mehr nicht."

Andere fordern, dass man sich um den Wolf nicht weiter kümmern sollte: "Lasst den Wolf endlich mal in Ruhe . Der Mensch nimmt alles ein und dann jammern . Alles was denen nicht passt, muss weg", schreibt ein Nutzer. Eine andere pflichtet ihm bei: "Lasst ihn Leben, er ist eben ein Raubtier und folgt seinem Instinkt."

Der DNA-Test hat bestätigt, dass ein Wolf das Reh im Eurasburger Forst getötet hat.
Bild: Manfred Sailer

Doch der Wolf bereitet vielen auch Sorgen: "An einem Schäfer z. B. hängt sein täglich Brot an seiner Herde. Wenn da ein paar Tiere getötet werden, wer unterstützt dann diesen? Da hängt nicht nur die Nahrung von dem Wolf dran, sondern Existenzen", so ein Nutzer. Eine andere sieht auch eine Gefährdung der Menschen: "Das Problem ist nicht dieser eine Wolf, sondern die Tatsache, dass man ihm jegliche Scheu vor dem Menschen abtrainiert. Auf Dauer geht das nicht gut."

Lesen Sie dazu den Kommentar: Wolf im Wittelsbacher Land: Sorgen der Schafzüchter ernst nehmen

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