Einen Job mit festen Arbeitszeiten könnte Lena Kämmerer nicht ausüben. Die 42-Jährige ist alleinerziehend und arbeitet beim Forum-Verlag in Merching als Software-Entwicklerin. Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, das gelingt ihr nur, weil sie sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen kann.
Für Kämmerer beginnt der Arbeitstag in der Regel gegen Viertel vor acht, wenn ihr Kind bereits in der Schule ist. Feierabend macht sie normalerweise um kurz vor vier. Dann schafft Kämmerer es, rechtzeitig wieder zu Hause zu sein, wenn ihr Kind aus der Nachmittagsbetreuung zurückkommt. Kämmerer arbeitet 38 Stunden pro Woche – wie sie diese auf die einzelnen Tage aufteilt, bleibt ihr überlassen. „Bei mir werden die Arbeitszeiten durch die Schule und die Betreuung vorgegeben“, erklärt sie. „Wenn mein Kind untergebracht ist, arbeite ich.“
Feste Arbeitszeiten wären für Kämmerer nicht möglich
Ein Job, in dem sie immer von neun bis fünf im Büro sein müsste, das für Kämmerer nicht möglich. „Das wäre bescheuert“, sagt sie. Wenn sie ins Büro nach Augsburg oder München fahren müsste, wüsste sie nicht, wie sie das regeln sollte. Ihre Eltern wohnen nicht in der Nähe und zu Freunden könnte sie ihr Kind nicht jeden Tag schicken. „Es wäre auf jeden Fall stressiger“, sagt Kämmerer.
So wie die Software-Entwicklerin können sich beim Forum-Verlag auch viele andere der rund 300 Angestellten in Merching ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. In Einzelfällen seien solche Modelle schon länger möglich gewesen, ab 2021 wurde das Angebot deutlich ausgeweitet, teilt das Medienunternehmen mit. Ausnahmen gelten für Angestellte, die Kundenkontakt haben. Diese müssen zu bestimmten Zeiten erreichbar sein.
Geht es nach der neuen Bundesregierung, sollen sich Beschäftigte ihre Arbeitszeit künftig ähnlich flexibel wie Kämmerer einteilen können. Statt des klassischen Achtstundentages soll ein wöchentlicher Rahmen eingeführt werden.
Auch Rieber teilt sich seine Arbeitszeit flexibel ein
Für Franz Rieber ist das bereits ganz normal, auch er kann sich seine Arbeitszeit flexibel einteilen. Der 47-Jährige ist Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Aichach-Friedberg und arbeitet 30 Stunden pro Woche. In der Regel arbeitet er von 7 bis 13 Uhr. Immer wieder hat Rieber allerdings auch am Nachmittag noch Termine. Wenn er an einem solchen Tag länger arbeitet, kann er an einem anderen Tag dafür früher gehen.
Rieber hat zwei Kinder, die noch zur Schule gehen, auch er ist alleinerziehend. Wenn er mittags nach Hause kommt, kocht und isst er mit ihnen zusammen. „Das ist schon praktisch, wenn man das flexibel handhaben kann“, sagt Rieber. „Das hat sich für uns gut eingependelt.“ Wenn er mal später nach Hause kommt, kommen seine Kinder auch allein zurecht. „Und wenn ein Termin mal am Nachmittag ist, dann organisiere ich das entsprechend“, sagt er. Wichtig bei flexiblen Arbeitszeitmodellen sei die Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen, betont er. „Es steht und fällt mit einer gewissen Kollegialität.“ Zu den Öffnungszeiten müssen die verschiedenen Sachgebiete immer erreichbar sein.
Ansonsten können sich auch die Angestellten beim Landratsamt ihre Arbeitszeit frei einteilen. Das funktioniere gut, „jeder ist mal wann anders früher da“, sagt Rieber. Flexible Arbeitszeitmodelle seien vor allem für Angestellte ein großer Vorteil, die etwa Kitaöffnungszeiten berücksichtigen müssen oder sich um Angehörige kümmern. „So kann man familiäre Bedürfnisse und Arbeitszeiten deutlich besser unter einen Hut bringen“, sagt er.
Vor allem Alleinerziehenden helfen flexible Modelle
Das kann auch Lena Kämmerer bestätigen. Neben der Arbeit muss sie sich schließlich noch um ihr Kind kümmern, hinzu kommen Arbeiten im Haushalt, Einkaufen oder Arzttermine. „Da bleibt zuhause schon öfter mal was liegen“, sagt sie. In den Ferien, wenn ihr Kind bei seinem Vater ist, arbeitet Kämmerer hin und wieder etwas länger. „Um einen Puffer aufzubauen, den ich dann außerhalb der Ferien abbauen kann.“ Während der Schulzeit, in der sie sich nach den Öffnungszeiten der Nachmittagsbetreuung richten muss, kommt sie oft nicht ganz auf ihre Stundenzahl. Früher arbeitete sie oft abends noch ein bisschen, das kommt mittlerweile selten vor.
Als ihr Kind gerade geboren war, arbeitete Kämmerer bei einem Unternehmen in München. Damals lebte sie noch mit dem Vater ihres Kindes zusammen. „Er hat es morgens in die Krippe gebracht und ich bin ganz früh los nach München, sodass ich um halb vier wieder zuhause war“, erzählt Kämmerer. Damals ging das. Sie sagt aber auch: „Alleinerziehend wäre das schwierig.“
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