Newsticker

Corona-Krise: Markus Söder erwartet Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Lokalsport
  4. So erlebt eine Kissinger Handball-Trainerin die EM in Wien

Handball-EM

24.01.2020

So erlebt eine Kissinger Handball-Trainerin die EM in Wien

Anita Steiner bei einem früheren Spiel der Kissinger Handballer.
2 Bilder
Anita Steiner bei einem früheren Spiel der Kissinger Handballer.
Bild: Peter Kleist

Plus Anita Steiner hat sich alle Hauptrundenspiele der Handball-EM in Wien angeschaut. Warum sie Bundestrainer Christian Prokop in Schutz nimmt.

Bei der Handball-Europameisterschaft hat es die deutsche Nationalmannschaft zwar nicht ins Halbfinale geschafft, aber immerhin spielt sie am Samstag gegen Portugal um den fünften Platz. Anita Steiner, die zuletzt Trainerin der Kissinger Handball-Damen war und zuvor viele Jahre die erste Herrenmannschaft gecoacht hatte, hat die Hauptrunde in Wien hautnah erlebt und alle zwölf Spiele live gesehen.

„Besonders gut war die Stimmung, wenn Fans aus Österreich, Kroatien oder Deutschland in der Halle waren. Wenn dann auch noch zwei dieser Mannschaften gegeneinander gespielt haben, war die Hölle los.“ Gut gefallen hat ihr auch das Rahmenprogramm im deutschen Haus. Im Augustinerkeller kamen die Fans zusammen. Zudem waren Handballexperten und ehemalige Nationalspieler vor Ort. Steiner sah beispielsweise den früheren Torwart Henning Fritz.

Nervenkitzel beim EM-Spiel gegen Kroatien

In der Stadt selbst sei nicht so viel von der EM-Stimmung zu spüren gewesen. „Aber es war auch sehr kalt. Da hat man gar nicht gesehen, wenn jemand unter der Winterjacke ein Trikot anhatte“, sagt Steiner. Das entscheidende Spiel gegen Kroatien, das Deutschland ganz knapp mit 24:25 verlor, war auch für Steiner nervenaufreibend. „Neben mir saß ein kroatischer Fan. Das war ein Auf und Ab“, erklärt sie. Deutschland habe sich in den letzten zwölf Minuten einfach zu viele Fehler geleistet. Julius Kühn, der eigentlich aus Steiners Sicht bei der EM eine gute Leistung zeigte, sei zum Pechvogel geworden. Aber auch andere Spieler hätten sich Schnitzer geleistet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Im sogenannten Prestige-Duell gegen Österreich habe Deutschland dann aber eine gute Leistung gezeigt. Das Team setze sich mit 34:22 durch. „Die haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und ihren Stiefel runtergespielt“, sagt Steiner zu der Partie, deren Bedeutung zuvor in den Medien hoch bewertet worden war. Allerdings gehöre Österreich auch nicht zu den Top-Mannschaften in Europa.

Bundestrainer Christian Prokop, der teilweise scharf kritisiert wurde, verteidigt Steiner. „Dabei bin ich eigentlich gar kein Prokop-Fan.“ Sie glaubt, dass der 41-Jährige ein guter Vereinstrainer ist. „Die denken halt langfristig und versuchen an den richtigen Stellschrauben zu drehen.“ Ein Auswahltrainer arbeite unter ganz anderen Voraussetzungen. Beispielsweise habe Prokop nur eine Woche zeit gehabt, sich mit dem Team auf die EM vorzubereiten. „Das wäre im Fußball undenkbar.“ Die Kissingerin sieht aber auch persönlich bei Prokop eine Entwicklung. Sie habe ihn bei der EM nahbarer und emotionaler erlebt.

Handball-EM: Kissingerin sieht Uwe Gensheimer im Formtief

Die Kritik an Kapitän Uwe Gensheimer kann Steiner nachvollziehen. Ihr sei bereits in der Bundesliga aufgefallen, dass der Linksaußen bei den Rhein-Neckar Löwen zurzeit in einem Formtief stecke. Eine Bereicherung für die Mannschaft sei der erfahrene Torwart Johannes Bitter gewesen. Er habe das Team auf und neben dem Feld „gepusht“. Gerne hätte die Kissingerin Marian Michalczik öfters auf dem Spielfeld gesehen. „Ich denke, dass er ein sehr guter Spieler ist.“ Auch die Auftritte von Philipp Weber haben Steiner überzeugt. „Er ist ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn.“ Doch bei der EM habe er sich keine überflüssigen Alleingänge wie im Ligaspielbetrieb geleistet und seine Klasse bewiesen.

Johannes Bitter jubelt beim EM-Auftritt der Nationalmannschaft gegen Tschechien in der Wiener Stadthalle. Für die Kissinger Handball-Trainerin Anita Steiner war der Torhüter eine wichtige Stütze für das Team.

Überhaupt ist das deutsche Team in Steiners Augen im Verlauf des Turniers immer mehr zusammengewachsen. Mit dem Spiel um den fünften Platz könne sie leben. „Das war eine tolle Leistung. Immerhin haben wir von sieben Spielen fünf gewonnen und die Niederlage gegen Kroatien war auch noch ganz knapp.“ Nun trifft die Nationalmannschaft am Samstag um 16 Uhr auf Portugal. Steiners Prognose: „Ich denke wir werden das Spiel gewinnen, aber unterschätzen dürfen wir die definitiv nicht.“ Auch im Hinblick auf den Titel gibt die Kissinger Trainerin einen Tipp ab. Sie schätzt, dass es Spanien und Norwegen ins Finale schaffen. Sie traut den Skandinaviern einen Sieg zu, warnt aber vor der Routine der Iberer.

Lesen Sie dazu auch: Alle hören auf ihre Kommandos

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren