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Aichach-Friedberg

25.02.2020

So sollen Schiedsrichter vor Gewalt geschützt werden

Carola Haertel, die Kreisvorsitzende des Fußballkreises Augsburg, wünscht sich einen respektvollen Umgang mit den Unparteiischen.
Bild: Otmar Selder

Plus Zu wenige Unparteiische, Gewalt auf Fußballplätzen: Schiedsrichter stehen vor vielen Herausforderungen. Was Funktionärin Carola Haertel fordert.

Es fehlen Schiedsrichter in den unteren Klassen, immer mehr Spiele gerade in A- und B-Klassen können nicht mehr besetzt werden. Zudem wird den Unparteiischen immer öfter immer weniger Respekt entgegengebracht, was mancherorts auch in tätlichen Angriffen auf die Schiedsrichter gipfelte. Viele Gründe also, die Situation der Unparteiischen hierzulande, genauer im Kreis Augsburg, zu beleuchten. Bei einem „Runden Tisch“ trafen sich 39 Vertreter aus 26 Vereinen gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden Carola Haertel, dem Kreisspielleiter Reinhold Mießl, dem Kreis-Schiedsrichterobmann Thomas Färber und Frank Miller vom Jugendsportgericht. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frank Schweizerhof vom Bayerischen Fußballverband (BFV). Wir fragten bei Carola Haertel nach, ob sich Verbandsfunktionäre und Vereinsvertreter auf eine Vorgehensweise einigen konnten.

Welche Erkenntnisse brachte der Runde Tisch zum Thema Schiedsrichter?

Carola Haertel: Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen: immer mehr Spiele können auf Grund des akuten Schiedsrichtermangels nicht mehr besetzt werden. Alle Teilnehmer waren sich einig: Es besteht dringender Handlungsbedarf! Der Fußball braucht Schiedsrichter und die brauchen die Vereine – es geht nur gemeinsam.

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Gewalt gegen Schiedsrichter: Trainer sollen einschreiten

Was konkret wollen die Vereine tun?

Haertel: Im offenen Austausch haben die Vereinsvertreter festgestellt, wie wichtig es ist, einen Vereinsschiedsrichter-Beauftragten im Verein zu installieren. Es handelt sich dabei um einen eigenständigen Funktionär zur Entlastung der Abteilungsleitung. Seine Hauptaufgabe ist, für den Verein ausreichend Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen zu gewinnen und sie zu betreuen. Außerdem wurde angeregt, den Dialog zwischen Vereinsvertretern und den Schiedsrichter-Ausschüssen zu fördern.

Wie kann erreicht werden, dass den Unparteiischen wieder mehr Respekt entgegengebracht wird?

Haertel: Der Trainer bzw. Betreuer ist hier eine zentrale Person. Geht er auf den Schiedsrichter offen und wertschätzend zu und zeigt sich als Freund des Schiedsrichters, ist schon viel gewonnen. Zusätzlich ist es wichtig, dass von seiner Seite aus frühzeitig bei Eskalationen eingeschritten wird. Auch Abteilungs- und Jugendleiter müssen hier unterstützend eingreifen und dürfen Respektlosigkeit nicht zulassen. Man darf nicht vergessen: Jeder Schiedsrichter ist auch Mitglied und Teil eines Vereins.

Wie kann man das auf dem Spielfeld umsetzen?

Haertel: Der Spielführer übernimmt die Verantwortung für die Spieler auf dem Platz. Nur der Kapitän spricht mit dem Schiedsrichter und ist auch dessen Ansprechpartner.

Welche Rolle spielt der Profifußball im Umgang mit den Unparteiischen bei den Amateuren?

Haertel: Der Profifußball kann eine Vorbildfunktion sein. Respektloser Umgang mit Schiedsrichtern, Fans oder Funktionären findet schnell Nachahmer. Leider nutzen manche Amateur- und Jugendspieler den Profifußball oft als Vorlage, um negatives Handeln und Auftreten zu rechtfertigen.

Carola Haertel sieht Schiedsrichter-Initiative des DFB positiv

Tragen die neuen Vorgaben – beispielsweise das konsequentere Vorgehen gegen Meckerei – schon Früchte?

Haertel: Die Initiative des DFB, konsequenter gegen permanentes Protestieren und Rudelbildungen vorzugehen ist auch für uns begrüßenswert. Aber der Amateurbereich ist für sich selbst verantwortlich. Hierauf gilt es den Blick zu richten und schärfen, damit wir Verbesserungen erreichen und für Nachhaltigkeit Sorge tragen können.

Was muss sich schon im Jugendbereich im Umgang mit den Schiedsrichtern ändern?

Haertel: Vorbildliches Trainerverhalten sollte als wichtiger Bestandteil des Jugendkonzeptes verankert sein. Störende Einflüsse der Eltern dürfen nicht geduldet werden.

Carola Haertel will Regelschulungen für Spieler, Trainer und Eltern

Wie will man das umsetzen?

Haertel: Denkbar ist es, hier wiederholende Regelschulungen nicht nur bei den Spielern und deren Trainern durchzuführen, sondern auch für Eltern anzubieten.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Haertel: Eine positive Berichterstattung muss der Anfang sein. Ich wünsche mir, dass die Presse die Demontage der Schiedsrichter unterbindet und stattdessen die Schiedsrichter-Gruppen vor Ort und ebenso den BFV bei der Kampagne „Wir regeln das“ unterstützt. Fußball ist ein wunderbarer Sport und dazu gehört auch und vor allem ein Schiedsrichter.

Mehr Information zur Initiative "Wir regeln das" finden Sie hier:

schiedsrichter.bayern

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