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Aktien

10.05.2018

Anlage-Experte: „Dividenden sind mehr als ein Sahnehäubchen“

Dividenden sind für Privatanleger eine verlässliche Größe.
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Dividenden sind für Privatanleger eine verlässliche Größe.
Bild: Andrea Warnecke, dpa

Dax-Konzerne schütten die Rekord-Summe von 36 Milliarden Euro Dividende aus. Commerzbank-Experte Chris-Oliver Schickentanz sagt, wie Privatanleger profitieren.

Herr Schickentanz, die Aktienmärkte haben dieses Jahr erst kräftige Verluste erlebt, jetzt erholen sie sich wieder. Auf sichere Kursgewinne darf man also nicht immer setzen. Dafür schütten die Dax-Konzerne dieses Jahr Rekord-Dividenden aus. Sind die Dividenden nicht eigentlich die spannendere und verlässlichere Sache am Thema Aktien?

Chris-Oliver Schickentanz: Dividenden sind auf jeden Fall mehr als ein Sahnehäubchen. Sie sind ein wesentlicher Treiber für die Wertentwicklung bei Aktien. Im Dax lassen sich zum Beispiel mehr als 50 Prozent der aufgelaufenen Wertzuwächse auf die Ausschüttungen zurückzuführen - vorausgesetzt man hat die Dividende stets reinvestiert. Denn dadurch ergibt sich ein Zinseszinseffekt, der das Anlageergebnis deutlich positiv beeinflusst. Dieses Jahr schütten die Dax Konzerne über 36 Milliarden Euro aus - ein deutliches Plus.

Können Dividenden also das ersetzen, was früher der Zins war? Nämlich eine sichere Einnahmequelle?

Schickentanz: So einfach ist es nicht. Dividenden lassen sich nicht - wie oft schon gehört - als neuen Zins bezeichnen. Die Zinsen einer klassischen Anleihe sind immerhin vertraglich zugesichert. Anders bei Aktien: Die Dividende kann von Vorstand und Aufsichtsrat beliebig verändert werden. Damit sind Dividenden deutlich schwankender als die meist fixen Zinsen bei Rentenpapieren.

Woran erkenne ich, ob eine Aktie eine vernünftige Dividende verspricht?

Schickentanz: Erster Anhaltspunkt ist die Dividendenrendite. Sie stellt das Verhältnis von gezahlter Dividende zum Kurs der Aktie dar. Grundsätzlich gilt dabei: Je höher die Dividendenrendite, desto besser. Die Dividendenrendite des Dax im Jahr 2017 liegt bei rund drei Prozent und damit deutlich über der Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen.

Manche Papiere, zum Beispiel ProSieben im MDax, kommen auf eine Dividendenrendite von über fünf Prozent. Kann man dort also beherzt zukaufen?

Schickentanz: Allein auf die Dividendenrendite zu achten, reicht nicht. Eine sehr hohe Dividendenrendite ist meist auch ein Signal dafür, dass der Markt die Ausschüttungsfähigkeit eines Unternehmens anzweifelt. Viel wichtiger ist es daher, Unternehmen zu finden, die das Potenzial besitzen, ihre Ausschüttung über die Zeit anzuheben. Dabei hilft die Ausschüttungsquote, die die Dividende ins Verhältnis zum erwirtschafteten Gewinn setzt. Bei Unternehmen mit hohen Gewinnschwankungen ist es ratsam, den fünf- bis siebenjährigen Durchschnittswert anzuschauen. Als Faustregel gilt: Liegt dieser Wert unter 60 Prozent, dürfte die Dividende vergleichsweise sicher sein.

Was, wenn man sich an einzelne Firmen doch nicht herantraut?

Schickentanz: Eine Möglichkeit sind dann dividendenfokussierte Fondsprodukte oder sogenannte ETFs. Sie bündeln mehrere Unternehmen und senken damit das Risiko. Mit Zertifikaten wäre ich vorsichtig. Hier werden die Dividenden häufig als Zusatzentgelt einbehalten.

Wie geht es denn an der Börse in den kommenden Monaten weiter?

Schickentanz: Das Thema Dividenden dürfte der Börse in den kommenden Monaten nochmals Schub geben. Nach einem Einbruch der Börsen Anfang des Jahres erholen sich die Märkte wieder. Wir rechnen damit, dass am Jahresende 2018 am deutschen Aktienmarkt unter dem Strich ein Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Jahresbeginn stehen wird. Es kann jedoch dazwischen immer auch zwei bis drei Rückschläge im Bereich von fünf Prozent geben.

Der Aktien-Anleger braucht also starke Nerven?

Schickentanz: Die Schwankungsanfälligkeit der Märkte hat zugenommen. Rückschläge sind aber natürlich immer auch eine Gelegenheit, die eigenen Bestände aufzustocken. In Schwächephasen kann man gut nachkaufen. Die fundamentalen Daten sprechen mittel- bis langfristig für die Aktie.

Beliebt bei Anlegern sind gerade Fonds, die ganze Börsenindizes abbilden, eben die ETFs. Sie sind aber auch in die Kritik geraten. Was halten Sie von der Kritik, dass diese ETFs zum Beispiel Ausschläge an der Börse verstärken und das System noch instabiler machen?

Schickentanz: Ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist. Mit einem ETF wollen Anleger ja einen Index in ihrem Depot abbilden. Sie kaufen das Produkt und lassen es meist längere Zeit liegen. Ich denke, dass mit dem Siegeszug der ETFs die Schwankungsanfälligkeit der Märkte gesunken ist. Die Produkte sind so konzipiert, dass ich nicht denke, dass sie zu einem systematischen Risiko werden.

Wann steigen Ihrer Meinung nach eigentlich wieder die Zinsen?

Schickentanz: Für die kurzfristigen Zinsen auf dem Sparbuch habe ich leider wenig Hoffnung. Der Leitzins wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 steigen. Wir werden also noch ein Jahr mit der Null-Zins-Diät leben müssen. Bei der Zins ausreicht, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen und diese auszugleichen, haben wir wohl 2022 bis 2023. Ein Zinsniveau von vier Prozent werden wir so schnell nicht haben.

Chris-Oliver Schickentanz, 42 Jahre, leitet seit Juli 2011 als Chefanlagestratege die Commerzbank-Investmentstrategie für Privat- und Unternehmerkunden.

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