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Energie

17.07.2020

Blockheizkraftwerke für kleine Häuser nicht rentabel

 Mini-Blockheizkraftwerke sind kaum größer als eine Waschmaschine und passen in fast jeden Keller.
Bild: Oliver Killig, dpa

Ein eigenes Minikraftwerk für Strom und Wärme – das klingt verlockend. Wer ein „BHKW“ installieren will, muss zuerst die Rentabilität ermitteln.

Blockheizkraftwerke – kurz: oder BHKW – bieten heute verschiedene Hersteller auch als Klein-Varianten mit einer Leistung von zwei bis fünf Kilowatt elektrischer Leistung an. Doch um es gleich zu sagen: Für den Einsatz in einem Ein- oder Zweifamilienhaus sind solche Micro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in der Regel nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Um verstehen zu können, warum das so ist, muss man die Funktionsweise eines Blockheizkraftwerks

kennen. Vereinfacht dargestellt besteht ein BHKW aus einem Motor sowie einem Generator. Der Motor kann mit Erdgas, Flüssiggas oder Öl betrieben werden. Und das ist aus ökologischer Sicht ein echtes Manko, kommen doch fossile Brennstoffe zum Einsatz – es sei denn, die Anlage wird mit Biogas betrieben. Der BHKW-Motor ist aufgebaut wie ein Otto- oder Dieselmotor. Er überträgt die erzeugte Bewegungsenergie jedoch nicht auf ein Getriebe und die Reifen, sondern an einen Generator. Dieser wandelt mechanische in elektrische Energie um, die zur Deckung des eigenen Strombedarfs verwendet werden kann oder ins öffentliche Netz eingespeist wird. Da aktuell die Einspeisevergütung lediglich acht Cent pro Kilowattstunde beträgt, ist vor allem der Eigenverbrauch rentabel. Dadurch senkt man nicht nur seine Stromrechnung, sondern bekommt auch noch pro Kilowattstunde BHKW-Strom, die im eigenen Objekt verbraucht wird, vier Cent bezahlt. Diese Vergütung gilt für 60.000 Vollbenutzungsstunden der Anlage. Darüber hinaus gibt es keine Einspeisevergütung mehr.

Abwärme lässt sich zum Heizen und für Warmwasser nutzen

Im laufenden Betrieb erzeugt die Anlage zusätzlich Abwärme. Diese lässt sich mithilfe von Wärmeüberträgern und eines Pufferspeichers zum Heizen und zur Warmwasserbereitung nutzen. Betrachtet man das Verhältnis der erzeugten Energie, kommen auf jede Kilowattstunde Strom etwa drei Kilowattstunden Wärme.

Grundsätzlich kann mit einem Blockheizkraftwerk günstig Strom und Wärme produziert werden. Für den Einsatz im Ein- oder Zweifamilienhaus ergibt sich allerdings folgendes Problem: Es wird nur dann Strom produziert, wenn auch kontinuierlich die Wärme abgenommen wird. Ist der Wärmespeicher voll, schaltet sich das Blockheizkraftwerk ab.

In einem Ein- oder Zweifamilienhaus ist der Wärmebedarf insbesondere im Sommer viel zu gering. Übers Jahr gesehen würde hier die Anlage auf zu wenige Betriebsstunden kommen, um wirklich rentabel zu arbeiten. Denn die Anschaffungskosten sind hoch. Selbst für Kleinstanlagen muss mit mindestens 20.000 Euro gerechnet werden. Und außerdem wird für die kalte Jahreszeit ein zweiter Wärmeerzeuger benötigt, weil das Micro-BHKW nicht ausreichend Wärme produzieren würde.

Wirtschaftlicher Betrieb für Hotels, Pensionen oder Fitnessstudios

Hotels, größere Pensionen oder Fitnessstudios – dort können Blockheizkraftwerke durchaus wirtschaftlich betrieben werden, weil hier auch im Sommer sehr viel geduscht wird und damit permanent ein hoher Warmwasserbedarf besteht. Entscheidend bei der Planung und Dimensionierung der Anlage ist die Frage, wie viel Strom und Wärme werden benötigt. Das muss im Vorfeld exakt ermittelt werden. Wichtig ist dabei insbesondere eine sogenannte Lastgangmessung, bei der der Grundlast-Stromverbrauch ermittelt wird.

Unter Umständen kommen auch größere Mehrfamilienhäuser ab sechs Wohneinheiten als Einsatzgebiet für ein Blockheizkraftwerk infrage. Hier sind der Strom- und Wärmeverbrauch ausreichend hoch. Mithilfe eines Mieterstrommodells können die Hausbewohner von günstigem Strom aus dem hauseigenen Blockheizkraftwerk profitieren. Das ist mit einem gewissen bürokratischen Aufwand verbunden, der sich aber lohnt.

Mehr hilfreiche Tipps und Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Energie und Energiesparen.

Zum Autor: Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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